Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SYRIEN: Kaum Hoffnung für krebskranke Kinder

Nach sieben leidvollen Jahren werden Kranke und Schwerverletzte aus den belagerten Vorstädten von Damaskus evakuiert. Für viele von ihnen kommt die Hilfe wohl zu spät.
Die Menschen warten, bis sie vom Syrischen Roten Kreuz aus dem von Rebellen kontrollierten Gebiet Al Ghouta evakuiert werden können. (Bild: Syrisches Rotes Kreuz / Keystone (Al Ghouta, 27. Dezember 2017))

Die Menschen warten, bis sie vom Syrischen Roten Kreuz aus dem von Rebellen kontrollierten Gebiet Al Ghouta evakuiert werden können. (Bild: Syrisches Rotes Kreuz / Keystone (Al Ghouta, 27. Dezember 2017))

Es war Baschar al-Assad selbst, der vorgestern dem Vertreter einer britischen Hilfsorganisation den sofortigen Beginn der Evakuierung von Schwerstkranken und Verletzten aus der Region Ost-Ghouta versprach. Mehr als fünf Monate lang hatte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz mit Vertretern des Regimes und der fundamentalistischen «Armee des Islam» verhandelt, bis man sich auf die Modalitäten der Evakuierung geeinigt hatte.

Eine von der UNO erstellte Prioritätenliste mit den Namen von knapp 500 Patienten sei in dieser Zeit immer kürzer geworden, weil täglich neue Todesfälle gemeldet wurden, klagte Jan Egelund, der UNO-Nothilfe-Koordinator für Syrien, vergangene Woche in Genf. Woche für Woche habe man um die Entsendung von Lebensmitteln und Medi­kamenten in die vom Regime belagerten östlichen Vorstädte von Damaskus gebeten. Doch das ­Regime habe die «vollständige Katastrophe» vor seiner Haus­türe ignoriert.

Organisationen fordern «umfassende Evakuierung»

Erst in der Nacht zu gestern konnten Ambulanzen der syrischen Organisation Roter Halbmond 29 todkranke Patienten in die meist gut ausgestatteten Krankenhäuser von Damaskus bringen. Unter ihnen waren auch sieben an Krebs erkrankte Kinder. Ob sie überleben, ist fraglich. Die an einem bösartigen Rachentumor leidende Rama Helweh hätte vor acht Monaten mit den richtigen Krebsmedikamenten behandelt werden können, sagt der Menschenrechtler Hamish de Bretton-Gordon von der britischen «Union of Medical Care and Relief Or­ganisations» (UOSSM). Er erwartet eine «umfassende Evakuierung», zu der auch die Freilassung von Soldaten der syrischen Armee durch die «Armee des ­Islam» gehört.

Ost-Ghouta ist eines der letzten Gebiete im Grossraum von Damaskus, die noch von Rebellen kontrolliert wird. In der seit 2013 von der Assad-Armee belagerten Region leben rund 400 000 Menschen. Etwa die Hälfte von ihnen sind Kinder, welche grösstenteils unterernährt sind. Zu einer Aufhebung der Hunger­blockade ist das Regime erst dann bereit, wenn die Ost-Ghouta beherrschende «Armee des Islam», eine von Saudi-­Arabien finan­zierte Miliz, kapituliert und die vollständige Evakuierung ihrer Milizionäre in die Rebellen­hochburg Idlib an der türkischen Grenze akzeptiert.

«Armee des Islam» will weiterkämpfen

Fast alle Rebellen-Enklaven in der Region von Damaskus mussten einer solchen Evakuierung zustimmen. Der Leidensdruck sei einfach zu gross geworden, lau­tete fast immer die Begründung. Das Assad-Regime präsentiert die erzwungene Kapitulation als «Versöhnung», von der indes nicht die Rede sein kann. Die meisten nach Nordsyrien eva­kuierten Rebellen wollen den Kampf gegen das Regime fort­setzen. Dass der angestrebte «Regime Change» in Damaskus sieben Jahre nach dem Beginn des Krieges wohl eine Utopie bleiben wird, wollen die meisten Kämpfer der Opposition nicht einsehen.

«Niemals werden wir in einer Stadt oder einem Dorf leben, in dem die Mörder unserer Kinder und Eltern das Sagen haben», betonten Kämpfer der «Armee des Islam» in einem Gespräch mit dem Fernsehsender Al Arabiya. Eines Tages werde man das Assad-Regime für seine Verbrechen zur Rechenschaft ziehen.

Michael Wrase, Limassol

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.