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SYRIEN-KRIEG: Die Angst der USA vor der Irak-Falle

Die USA wollen in Syrien nicht dieselben Fehler begehen wie im Irak und kündigen nun an, auf unbestimmte Zeit im Land zu bleiben. Neue Konfrontationen in dem Stellvertreterkrieg sind programmiert.
Michael Wrase, Limassol
SDF-Kämpfer befreien im nordsyrischen Rakka eine junge Geisel. (Bild: Afshin Ismaeli/Getty (18. Oktober 2018))

SDF-Kämpfer befreien im nordsyrischen Rakka eine junge Geisel. (Bild: Afshin Ismaeli/Getty (18. Oktober 2018))

Michael Wrase, Limassol

Zunächst hatte es so ausgesehen, als ob auch die Regierung von US-Präsident Donald Trump keine klare Syrien-Strategie entwickeln und sich wie Barack Obama auf die Bekämpfung des IS beschränken würde. Am Mittwoch stellte US-Aussenminister Rex Tillerson klar, dass es Washington um mehr geht. In einer Rede an der Universität Stanford erklärte er, dass die in Syrien stationierten US-Truppen auf unbestimmte Zeit im Lande bleiben und nicht, wie 2011 aus dem Irak, vorzeitig abgezogen würden.

Dieser Fehler hätte damals das Überleben von Al-Kaida ermöglicht. «Die Geschichte darf sich nicht wiederholen», betonte Tillerson, der nicht nur ein Wiedererstarken des IS verhindern will. Die USA wollen auch dafür sorgen, dass die inzwischen an der Grenze zum Irak stationierten syrischen und iranischen Truppen ihren Korridor zum Nachbarland nicht weiter verbreitern. Allein können die knapp 5000 in Syrien stationierten US-Soldaten ihre Aufgaben nicht erfüllen. Sie sind auf die Unterstützung der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) angewiesen, die zu mehr als 70 Prozent aus Kämpfern der syrisch-kurdischen Verteidigungseinheiten (YPG), der syrischen Filiale der PKK, bestehen. Und damit beginnen für die Amerikaner die Probleme.

Für die Türkei sind die rund 30 000 Mann starke SDF keine «Grenzschutztruppe», wie sie Washington offenbar vorschwebt, sondern eine Terror­armee. Da sich Ankara auf keine direkte Konfrontation mit den kurdischen Verbündeten der USA einlassen kann, werden lokale syrische Kampfgruppen, das sogenannte nationale Heer, eingespannt. Es hat im Nordwesten ­Syriens ein etwa 300 Quadrat­kilometer grosses Gebiet besetzt, welches mittlerweile von der Türkei verwaltet wird.

Experten: Türkei könnte den IS instrumentalisieren

Angehörige des nationalen Heeres sind vor allem radikale Islamisten sowie Dschihadisten aus den Reihen von Al-Kaida und des IS. Bis zum Jahr 2015 hatte die Terrormiliz das Grenzgebiet zur Türkei kontrolliert und dabei eng mit der türkischen Armee kooperiert, ehe sie von der YPG vernichtend geschlagen wurde.

Landeskenner befürchten, dass der türkische Geheimdienst die Dschihadisten erneut für ­seine Ziele – namentlich die ­Bekämpfung der Kurden – instrumentalisieren und damit den Antiterrorkampf der USA torpedieren könnte. Seit Tagen bombardiert die türkische Artillerie den syrisch-kurdischen YPG-Kanton von Afrin, der im äussersten Westen von Syrien, direkt an der Grenze zur Türkei, liegt.

Einen mehrfach angedrohten Einmarsch türkischer Truppen haben bislang 100 russische Militärpolizisten verhindert. Sie waren 2017 im Grenzgebiet stationiert worden. Anstelle eigener Truppen könnte Ankara auch ­seine lokalen Verbündeten vom nationalen Heer mobilisieren, also syrische Dschihadisten nach Afrin losschicken. Wirklich erfolgversprechend sind die türkischen Vorhaben wohl nicht, da die USA und Russland ganz andere Ziele in Syrien verfolgen. Moskau unterstützt bekanntlich die Assad-Armee, die zum Missfallen der Türken im Süden der Provinz Idlib eine Grossoffensive gestartet hat. 80 000 Personen sind erneut auf der Flucht; dies in einer Provinz, die bereits mehr als eine Million Binnenflüchtlinge aufgenommen hat.

Regimewechsel nicht um jeden Preis

Idlib wird von der Al-Kaida-­nahen Hayat Tahrir al-Sham (Befreiungsfront für die Levante) kontrolliert. Die Provinz ist die letzte grosse Bastion des Widerstandes gegen das Assad-Regime, dessen Sturz die Türkei nach einer kurzen Phase der Annäherung nun wieder anstrebt.

Den Plan, einen «Regime-Change» in Damaskus mit militärischen Mitteln erreichen zu wollen, scheint Washington hingegen aufgegeben zu haben.

In einem «demokratischen Syrien», betonte Tillerson am Mittwoch, habe Assad keinen Platz. Bei freien Wahlen, so Tillersons optimistische Prognose, werde sich Syrien für den «permanenten Abgang des Dikta­torenclans» entscheiden. Erst dann würden die USA den Wiederaufbau des Landes auch finanziell unterstützen.

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