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Syrien-Offensive: Erdogan droht Kritikern mit Flüchtlingswelle

Der türkische Präsident Erdogan schimpft gegen Saudi-Arabien, lässt Kriegsgegner verhaften und spielt dem IS in die Karten.
Susanne Güsten aus Istanbul
Erdogan droht mit Flüchtlingen. (Bild: Keystone)

Erdogan droht mit Flüchtlingen. (Bild: Keystone)

Recep Tayyip Erdogan fühlt sich in seinem Weltbild bestätigt: Die Türkei tut das Richtige, doch der Rest der Welt verleumdet das Land als Aggressor. Keine 24 Stunden nach Beginn der Syrien-Offensive seiner Armee teilte Erdogan gestern an seine Kritiker aus. Saudi-Arabien habe den Krieg im Jemen zu verantworten und solle deshalb schweigen, der ägyptische Staatschef Abdel Fatah as-Sisi sei ein «Mörder».

Ganz besonders wütend ist Erdogan auf die Europäer, die den Einmarsch nach Syrien scharf kritisiert hatten: «Wenn das so ist, dann ist ja alles ganz einfach: Wir öffnen die Tore» – um Millionen syrischer Flüchtlinge nach Europa zu schicken. Auch innenpolitisch will Erdogan keine Einwände gegen den Syrien-Einsatz gelten lassen. Gegen mehrere Abgeordnete der Kurdenpartei HDP – die einzige politische Kraft im Parlament von Ankara, die gegen den Krieg eintritt – wird wegen des Vorwurfs der «Terrorpropaganda» ermittelt.

Insgesamt leiteten die Behörden fast 80 Ermittlungsverfahren gegen Verdächtige ein, die «feindliche Propaganda» über den Feldzug verbreitet haben sollen.

60'000 Menschen fliehen, der IS profitiert vom Chaos

Erdogan betrachtet den Feldzug gegen die syrische Kurdenmiliz YPG als notwendigen Einsatz gegen eine Terrorgruppe. Zudem will die Türkei in Nord-Syrien eine «Sicherheitszone» schaffen, um syrische Flüchtlinge dort anzusiedeln. Nach der Vorbereitung durch Luftangriffe und Artilleriebeschuss am Vortag rückten in der Nacht zum Donnerstag erstmals türkische Bodentruppen und Ankara-treue syrische Rebellenverbände über die Grenze.

Laut türkischen Angaben nahmen die Angreifer mehrere Dörfer auf der syrischen Seite der Grenze ein. Laut Erdogan wurden mehr als 100 kurdische Kämpfer getötet. Die Kurdenmiliz berichtete dagegen, ihre Truppen hätten türkische Angriffe zurückgeschlagen. Ihre Kämpfer waren von den USA für den Kampf gegen den Islamischen Staat ausgebildet und ausgerüstet worden. Sie sind der hochgerüsteten türkischen Armee zwar klar unterlegen, aber durchaus in der Lage, den Angreifern den Vormarsch zu erschweren.

Auch Zivilisten kamen bei den Kämpfen ums Leben. Kurdische Geschosse aus Syrien schlugen am Donnerstag in mehreren türkischen Grenzstädten ein und töteten vier Menschen. Insgesamt wurden 70 Menschen verletzt. Laut der YPG starben auf der syrischen Seite der Grenze ebenfalls mindestens vier Menschen durch türkischen Beschuss. Geschätzte 60 000 Bewohner des kurdischen Gebietes fliehen vor den Gefechten nach Süden.

Gleichzeitig wurden Vorwürfe laut, die türkische Intervention stärke den Islamischen Staat in Syrien, der bisher von der YPG mit Unterstützung von US-Truppen in Schach gehalten worden war. Die US-Soldaten hatten sich auf Befehl von Präsident Donald Trump aus dem Kampfgebiet zurückgezogen; die YPG erklärte daraufhin, sie ziehe ihre Kämpfer aus dem Kampf gegen den Islamischen Staat zurück, um sie in Gefechten gegen die anrückenden Türken aufzubieten.

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