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SYRIEN: Plant Assad einen Giftgasanschlag?

Das Assad-Regime soll mit den Planungen für neue Chemiewaffenangriffe begonnen haben. Sollte es dazu kommen, würden Syriens Präsident und seine Armee einen hohen Preis dafür bezahlen müssen, warnte Sean Spicer, der Sprecher von US-­Präsident Donald Trump.
Michael Wrase, Limassol
Syriens Präsident Baschar al-Assad: "Wir haben keine Chemiewaffen. 2013 haben wir auf unser gesamtes Arsenal verzichtet." (Archivbild) (Bild AP/Syrian Presidency/)

Syriens Präsident Baschar al-Assad: "Wir haben keine Chemiewaffen. 2013 haben wir auf unser gesamtes Arsenal verzichtet." (Archivbild) (Bild AP/Syrian Presidency/)

Korrespondenten der BBC bezeichneten die öffentlichen Warnungen des Weissen Hauses als höchst ungewöhnlich. Weder das Pentagon noch das State Department oder der Nationale Sicherheitsrat verfügten demnach über eigene Erkenntnisse über die angeblichen Angriffsvorbereitungen der Syrer. Nach AP-Informationen soll sich das Weisse Haus auf ausländische Geheimdienstinformationen stützen. Danach seien syrische Armeeangehörige beim Mischen von Chemikalien für neue Gasangriffe beobachtet worden.

Zweifel am Giftgasangriff vor einem Jahr

Bereits im April dieses Jahres ­kamen in der syrischen Ortschaft Chan Scheichun mehr als 90 Menschen ums Leben. Internationale Expertenkommissionen belegten, dass bei den Attacken das Nervengas Sarin – oder «ähnliche Substanzen» – eingesetzt wurden. Glaubt man dem amerikanischen Journalisten Seymour Hersh, dann wurde Chan Scheichun aber mit konventionellen Waffen angegriffen. Eine von Russland gelieferte 500-Pfund-Bombe habe mehrere kleinere Explosionen ausgelöst, bei denen sich eine aus freigesetzten Dünge- und Desinfektionsmitteln entstandene giftige Wolke über der Ortschaft ausgebreitet habe, heisst es in dem von der «Welt am Sonntag» diese Woche veröffentlichten Recherchebericht des Pulitzerpreisträgers.

Hersh stützt seine Thesen vor allem auf Erkenntnisse der Organisation Ärzte ohne Grenzen. Sie hatte darauf hingewiesen, dass durch Explosionen freigesetzte Chlorgas- und Alkylphosphate ähnliche Symptome wie das Giftgas Sarin verursachen könnten. Andere Untersuchungsresultate ignorierte Hersh allerdings. Nicht nur die «Washington Post» warf dem 80-jährigen Starreporter daher vor, sich bei seinen Recherchen auf unzuverlässige Quellen zu stützen. Dass die «Welt am Sonntag» Hershs «wilde Vorstellungen» veröffentliche, sei «sehr beunruhigend».

Kritik am Vergeltungsschlag

In seinem Untersuchungsbericht stellt Hersh auch Donald Trump an den Pranger. Der amerikanische Präsident habe den militärischen Gegenschlag auf eine Militärbasis bei Homs angeordnet, obwohl Mitarbeiter der US-Geheimdienste ihn auf die angeblich fehlenden Beweise für eine Giftgasattacke Assads hingewiesen hätten.

Das Weisse Haus hat die vermeintlichen «Enthüllungen» von Seymour Hersh bisher nicht kommentiert. Es wäre aber nicht das erste Mal gewesen, dass Donald Trump Entscheidungen getroffen hätte, ohne die zuständigen Berater zu konsultieren. Auch die jüngsten Warnungen vor neuen syrischen Giftgasangriffen erfolgten offenbar ohne Rücksprache mit dem Pentagon und dem Nationalen Sicherheitsrat.

Michael Wrase, Limassol

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