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SYRIEN: USA auf Konfrontationskurs

Nach dem mutmasslichen Giftgasangriff auf eine syrische Rebellenstadt steht möglicherweise ein Ver­geltungsschlag durch die USA bevor. Das syrische Regime lädt derweil Experten für eine Untersuchung ein.
Renzo Ruf, Washington, und Michael Wrase, Beirut
Der Druck auf Syriens Machthaber Baschar al-Assad und seine Armee wächst. (Bild: EPA (Ost-Ghuta, 18. März 2018))

Der Druck auf Syriens Machthaber Baschar al-Assad und seine Armee wächst. (Bild: EPA (Ost-Ghuta, 18. März 2018))

Renzo Ruf, Washington, und Michael Wrase, Beirut

Die Anzeichen auf einen bevorstehenden Militärschlag der amerikanischen Streitkräfte in Syrien verdichten sich. Gestern gab das Weisse Haus bekannt, Präsident Donald Trump habe eine geplante Reise nach Südamerika abgesagt. Stattdessen werde er in den USA bleiben, «um die amerikanische Antwort auf Syrien zu beaufsichtigen». Der US-Präsident hatte am Montag eine Antwort auf den mutmasslichen Giftgaseinsatz gegen Zivilisten in der syrischen Rebellenstadt Duma innerhalb von «24 bis 48 Stunden» angekündigt. Auch führte Trump Gespräche mit dem französischen Präsidenten und der britischen Premierministerin.

Angesichts der Drohkulisse wurden die syrische Armee und ihre Verbündeten in der Nacht auf gestern in volle Alarmbereitschaft versetzt. Glaubt man dem fliessend arabisch sprechenden russischen Vize-Aussenminister Michail Bogdanow, dann besteht wegen der mutmasslichen Giftgasangriffe am letzten Wochenende, bei denen mindestens 42 Menschen getötet wurden, indes «keine Gefahr einer militärischen Konfrontation» zwischen den USA und Russland. Der «gesunde Menschenverstand» werde sich letztendlich durchsetzen.

Experten werden bald nach Duma reisen

Moskau ist von der Unschuld seines arabischen Verbündeten fest überzeugt und hat sogar unabhängige Experten nach Damaskus eingeladen. Diktator Baschar al-Assad bat Experten der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) sogar, die östlichen Vororte der syrischen Hauptstadt zu besuchen. Die OPCW teilte derweil gestern mit, sie werde in Kürze Experten nach Duma schicken, um die Vorgänge vom Wochenende zu untersuchen. Die OPCW bat die syrische Regierung, die notwendigen Vor­aussetzungen für den Einsatz der Experten zu schaffen.

Der amerikanische Fernsehsender NBC berichtete unterdessen, Russland habe begonnen, die amerikanische GPS-Navigation im Nahen Osten zu stören. Davon betroffen seien vor allem Drohnen, deren Ausfall Militäraktionen beeinträchtigen könnte. Im September letzten Jahres war es Russland gelungen, amerikanische Kriegsschiffe im Schwarzen Meer mit gefälschten GPS-Signalen in die Irre zu führen.

Sollten sich die USA für Vergeltungsschläge gegen die syrische Armee entscheiden, müssten sie vermutlich überall dort mit massiver russischer Gegenwehr rechnen, wo auch russisches Militär und Berater, deren Zahl mit weit über 10 000 angegeben wird, stationiert sind. Das ist im Grossraum Damaskus, Aleppo, Homs sowie auf den Luft- und Marinebasen bei Latakia und Tartus der Fall.

Das Vorgehen von Trump erinnert derweil an den April 2017, als die USA den letzten Ver­geltungsschlag gegen Assad durchführten. Damals feuerten die amerikanischen Streitkräfte 59 Marschflugkörper auf einen Flugplatz der syrischen Streitkräfte ab. Die Begründung: Das syrische Regime müsse zur Vernunft gebracht werden.

Hat Assad seine Lektion gelernt?

Sowohl Gegner als auch Unterstützer der Regierung Trump verweisen auf diesen Angriff, um ihre Argumente anzubringen. Die Gegner sagen: Der neuerliche Einsatz von Giftgas gegen Zivilisten zeige, dass Assad seine Lektion nicht gelernt habe. Lindsey Graham wiederum, ein republikanischer Senator, sagte, Assad sei «ein Kriegsverbrecher» und deshalb «ein legitimes Ziel eines Militärschlags». Auch müsse Trump zusichern, dass die rund 2000 in Syrien stationierten US-Soldaten im Land verbleiben würden. Ein vorzeitiger Abzug, wie von Trump gewünscht, «wäre der grösste Fehler», seitdem der frühere Präsident Barack Obama sämtliche Truppen aus dem Irak abgezogen habe.

Quelle: BBC (Bild: Grafik: jn/lsi)

Quelle: BBC (Bild: Grafik: jn/lsi)

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