Fischsterben in Island
Tausende tote Fische verbreiten in Island bestialischen Gestank

Vor der isländischen Halbinsel Snæfellsnes treiben tonnenweise verendete Heringe. Es ist bereits das zweite Mal, das es an der Westküste zu einem Massensterben kommt. Wieso erneut so viele Fische verendet sind, bleibt den Experten ein Rätsel.

Simon Michel
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Islands Westküste wird mit tonnenweise toten Heringen überschwemmt
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Nicht nur der Schaden für den Tierbestand ist gross, sondern auch für die Exportwirtschaft
Freiwillige helfen beim wegschaffen der toten Fische

Islands Westküste wird mit tonnenweise toten Heringen überschwemmt

Keystone

Bereits im Dezember wurden beim isländischen Fiord Kolgrafafjörður massenweise tote Heringe an die Küste von Snæfellsnes gespühlt. Es sah dramatisch aus: Über einen Quadratkilometer verteilt schwammen hunderte von Tonnen toter Fisch auf. Der Grund war für die Experten des lokalen Marineinstituts ein Rätsel - die Heringe wiesen keine Anzeichen einer Infektion auf, die in früheren Fällen zum Sterben der Fische geführt hatte.

Wenige Wochen später ist es nun zu einem weiteren Massensterben gekommen. Über 7000 Tonnen verendete Heringe schwimmen vor dem Ufer der Halbinsel. Der Gestank der Fische lockt viele Vögel an den Küstenstreifen. Laut Experten des Marineforschungsinstituts sollen weitere 23'000 Tonnen auf dem Grund des Meeres liegen. Was mit diesen toten Fischen passiert, ist noch unklar.

Die Todesursache ist nicht bekannt

Die Experten sind sich auch dieses Mal nicht einig, wie es zum Fischsterben kam. Ein Grund könnte der Mangel am Sauerstoffgehalt im Wasser sein, ausgelöst durch eine Geländeauffüllung innerhalb des Fjords. Dies war nötig, um eine Brücke über das Gewässer zu errichten.

Andere Experten gehen von anhaltenden Nordwinden aus, die zu einem Fallen der Wassertemperatur führten. Die Fische wären laut dieser These erfroren.

Vielfältiges Problem

In Island ist es nun der zweite Fall des Fisch-Massensterbens. Doch es ist nicht nur ein Desater für die bestehenden Hering-Bestände und den Artenschutz, sondern auch ein ökonomisches: Der isländischen Exportwirtschaft entgehen laut «20 Minuten» pro 10'000 Tonnen Fisch knapp 9 Millionen Franken.

Betroffen von dem Phänomen sind auch die nordnorwegischen Küstenabschnitte, an welche vor ein paar Tagen tausende tote Fische angeschwemmt wurden.