Istanbul

Terror in der Türkei: Foto des Verdächtigen veröffentlicht

Türkische Anti-Terror-Einheiten suchen mit Hochdruck nach dem Attentäter von Istanbul. Die Polizei veröffentlichte ein Fahndungsfoto, laut einer türkischen Agentur gab es eine Razzia.

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Mit diesem Foto fahndet die türkische Polizei nach dem Attentäter
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Eine Überwachungskamera filmte den Täter kurz bevor er den Club betrat.
Nach der Tat in der Silvesternacht: Dutzende Ambulanzen stehen bereit, um Opfer eines Anschlags auf einen Nachtclub in Istanbul zu versorgen.
Mindestens ein Attentäter verschaffte sich in der Silvesternacht gewaltsam Zutritt zum Club Reina in Istanbul. Dort schoss er wahllos um sich.
Mindestens 39 Menschen starben beim Terroranschlag. Es gab Dutzende Verletzte.
Der Istanbuler Club Reina liegt direkt am Bosporus, kurz hinter der ersten Brücke über die Meerenge. Er liegt zudem im schicken Ausgehviertel Ortaköy. Er ist einer der grössten und berühmtesten in der türkischen Millionenmetropole.
Am Sonntagmorgen, 1. Januar, war der Täter flüchtig. Augenzeugen berichteten allerdings von mehreren Tätern.
Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag.
Aussenminister Didier Burkhalter hat nach dem Angriff in Istanbul in der Silvesternacht seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu seine Betroffenheit ausgedrückt. Ob Schweizer unter den Toten oder Verletzten sind, war am Sonntagmorgen noch nicht klar.
Sicherheitskräfte riegeln den Bereich vor dem Nachtklub nach der Tat ab.
Der Morgen danach: Ein Polizist an der Strasse, an der sich der Nachtklub Reina befindet.
Der Klub Reine liegt direkt am Bospurus.
Mehrere Gäste sollen sich mit einem Sprung ins Wasser gerettet haben.
Am Morgen danach ist die Trauer bei Angehörigen der Todesopfer gross.
Angehörige trauern an einem Sarg um eines der Todesopfer.
Angehörige trauern an einem Sarg um eines der Todesopfer.
Trauer vor der Sicherheitsabsperrung in der Nähe des Clubs Reina.
Menschen leben Blumen nieder für die Todesopfer.

Mit diesem Foto fahndet die türkische Polizei nach dem Attentäter

EPA

Nach dem Terrorangriff auf eine Silvesterfeier im Istanbuler Nachtclub Reina sucht die Polizei weiter nach dem Täter. Die Nachrichtenagentur «DHA» meldete, am Montagabend sei es zu einer Operation von Anti-Terror-Einheiten in Istanbul gekommen. Dabei seien Hubschrauber eingesetzt und Strassen gesperrt worden. Über Festnahmen bei dieser Razzia wurde nichts bekannt.

Die staatliche Nachrichtenagentur «Anadolu» hatte zuvor acht Festnahmen in Istanbul im Zusammenhang mit dem Terrorangriff gemeldet. Der Täter war aber nicht darunter.

Die Behörden veröffentlichten unterdessen erste Fahndungsbilder des Verdächtigen, auf denen das Gesicht des Gesuchten klar zu erkennen ist. Auch Aufnahmen von Überwachungskameras wurden veröffentlicht.

«IS»-Miliz reklamiert Terrorangriff für sich

Unterdessen hat die Terrormiliz «Islamischer Staat» («IS») für den Angriff übernommen. Ein «Soldat des Kalifats» sei für die Tat in der türkischen Millionenmetropole verantwortlich, hiess es in einer am Montag im Internet verbreiteten Erklärung der IS-Terrormiliz.

Es handle sich um Rache für das türkische Vorgehen gegen den «IS» in Syrien. Die Echtheit des «IS»-Bekennerschreibens liess sich zunächst nicht überprüfen.

Bei dem Terrorangriff waren 39 Menschen getötet worden, darunter 27 Ausländer. Die meisten der getöteten Ausländer stammten aus arabischen Ländern.

Die staatliche Nachrichtenagentur «Anadolu» meldete, auch unter den 69 Verletzten seien mehrere Ausländer. Schweizer Staatsangehörige sind nach Angaben des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) nicht zu Schaden gekommen.

Der türkische Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus sagte am Montag in Ankara, der Anschlag sei auch als Reaktion auf den Einsatz der türkischen Armee in Syrien zu verstehen. Dieser werde jedoch weitergehen. Man werde alle Terrororganisationen «in die Knie zwingen».

Täter weiterhin auf der Flucht

Mindestens ein bewaffneter Angreifer war kurz nach Anbruch des neuen Jahres in den exklusiven Club am Bosporusufer eingedrungen und hatte wahllos das Feuer auf Hunderte Feiernde eröffnet. Dem Täter gelang die Flucht.

In dem Bekennerschreiben des «IS» hiess es unter anderem, der Täter habe Handgranaten und eine automatische Waffe eingesetzt. Nach offiziellen Angaben hatte der Angreifer das Feuer mit einer automatischen Waffe eröffnet. Von einem Einsatz von Handgranaten bei dem Angriff war von offizieller Seite bislang nichts bekannt.

Gezielte Kopfschüsse

Die Zeitung «Hürriyet Daily News» berichtete unter Berufung auf die Ermittlungen, der Angreifer habe mehr als 180 Kugeln aus sechs Magazinen abgefeuert. Augenzeugen hätten angegeben, er habe auf dem Boden liegenden Menschen gezielt in den Kopf geschossen. Er habe sich dann umgezogen und seine Waffe gereinigt. Der Mann habe dann inmitten der Panik den Club verlassen und sei mit einem Taxi vom Tatort weggefahren.

Nach dem türkischen Einmarsch im August in Syrien hatte der «IS»-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi Anfang November zu Anschlägen in der Türkei aufgerufen. Türkische Truppen liefern sich in der nordsyrischen Region um die Stadt Al-Bab seit einiger Zeit heftige und verlustreiche Gefechte mit «IS»-Kämpfern. Die «IS»-Miliz beherrscht Al-Bab.

Verbindung zu Flughafen-Anschlag geprüft

Die Zeitung «Hürriyet» berichtete am Montag, möglicherweise stamme der flüchtige Attentäter aus Kirgistan oder Usbekistan. Demnach wird auch eine Verbindung zu der «IS»-Zelle geprüft, die den Anschlag auf den Atatürk-Flughafen im Juni mit 47 Toten verübt haben soll.

Die türkische Regierung machte die IS-Terrormiliz dafür verantwortlich, die sich jedoch nicht dazu bekannte. Die drei Angreifer am Flughafen waren nach Angaben der Regierung aus Usbekisten, Kirgistan und Russland.

Der «IS»-Miliz wurden seit Sommer 2015 mehrere Anschläge in der Türkei zur Last gelegt. Die Terrormiliz hat vor dem Angriff in der Silvesternacht aber nur ein einziges Mal die Verantwortung für einen Anschlag in der Türkei übernommen.