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TERROR: Viel Polizei und Militär im Heiligen Jahr

Zwei Wochen vor Beginn des Heiligen Jahres sind gestern die Sicherheitsvorkehrungen in Rom massiv verstärkt worden. Rund 2000 Uniformierte werden die Pilgerer schützen.
Polizisten sichern am Sonntag den Petersplatz im Vatikan. Gestern wurden die Sicherheitsmassnahmen massiv verschärft. (Bild: Dukas/Antonello Nusca)

Polizisten sichern am Sonntag den Petersplatz im Vatikan. Gestern wurden die Sicherheitsmassnahmen massiv verschärft. (Bild: Dukas/Antonello Nusca)

Dominik Straub, Rom

Am 8. Dezember wird Papst Franziskus im Vatikan die Heilige Pforte öffnen und damit das von ihm ausgerufene Heilige Jahr symbolisch einläuten. Offiziell steht das Jubiläumsjahr unter dem Motto der Barmherzigkeit – inoffiziell wird es nach den Anschlägen in Paris aber auch ein Jahr der Terrorgefahr und der Sicherheitskräfte. Das von Roms Polizeichef Nicolo D’Angelo und dem Sonderkommissar für das Jubiläumsjahr, Franco Gabrielli, ausgetüftelte Sicherheitsdispositiv ist gestern Montag in Kraft gesetzt worden – die uniformierten Schutzengel Roms erhalten damit Gelegenheit für eine 15 Tage dauernde Generalprobe.

1400 potenzielle Anschlagsziele

Insgesamt werden rund 2000 Soldaten und Polizeibeamte versuchen, die Sicherheit von über 30 Millionen erwarteten Pilgern zu garantieren. Besonders stark bewacht werden der Petersplatz sowie alle Zugangswege, die beiden Flughäfen und die Bahnhöfe mit eingeschlossen. Auch in den Bussen und in der U-Bahn ist die Präsenz der Sicherheitskräfte bereits massiv erhöht worden. Laut Polizeichef D’Angelo werden aber auch andere «sensible Objekte» überwacht – Touristenattraktionen wie das Kolosseum, die Spanische Treppe und die Fontana di Trevi – sowie generell alle Orte, wo es zu Menschenansammlungen kommen kann. Nicht weniger als 1400 potenzielle Anschlagsziele radikalislamischer Terroristen sollen geschützt werden.

Die Uniformierten bilden innerhalb des Sicherheitskonzepts bloss die sichtbare Spitze des Eisbergs. «Die Schlacht gegen die Terroristen gewinnt man nicht mit der Präsenz von Militär in den Strassen, sondern durch das Sicherheitsdispositiv in seiner Gesamtheit, in welchem die nicht sichtbaren Aktivitäten die wichtigsten sind», betonte Sonderkommissar Gabrielli gestern. Gabrielli weiss, wovon er redet: Er hatte in der Zeit des inneritalienischen Terrorismus gegen die Roten Brigaden und in Palermo gegen die Cosa Nostra ermittelt. Später war er Chef des Inlandgeheimdienstes, bis er von Mario Monti zum nationalen Zivilschutzchef ernannt wurde. Laut Gabrielli wird während des gesamten Heiligen Jahres für den Luftraum über Rom ein Flugverbot verhängt.

Einbussen wegen Terrorangst

Die Stimmung in der Ewigen Stadt ist bereits jetzt, zwei Wochen vor Beginn des Heiligen Jahres, gedämpft. Die U-Bahnen sind auffällig leer, und auch die gewöhnlich stark frequentierten Trampelpfade der Touristen sind weniger begangen als üblich – sowohl Gäste als auch Einheimische meiden derzeit Menschenansammlungen. Bar- und Restaurantbesitzer beklagen Umsatzeinbussen von 30 bis 60 Prozent, Hoteliers jammern über «Rekord-Annullierungen» seit den Anschlägen in Paris. Wenig zur Beruhigung beigetragen hat in der vergangenen Woche auch eine – wenig konkrete – Warnung des US-amerikanischen Geheimdienstes FBI über möglicherweise bevorstehende Terrorakte in Rom und Mailand, über die sich Regierungschef Matteo Renzi dem Vernehmen nach furchtbar aufgeregt hat.

Auf dem Petersplatz waren die Sicherheitsvorkehrungen gleich nach den Anschlägen in Paris verstärkt worden; Dutzende schwer bewaffneter Polizisten bewachen seither die Zugänge zu der von den berühmten Bernini-Kolonnaden gesäumten Piazza. Ab sofort kann der Platz nur noch nach einem Gang durch einen Metalldetektor betreten werden – wie es seit Jahren schon für einen Besuch des Petersdoms üblich ist. Zudem herrscht seit den Anschlägen in Paris in ganz Italien die zweithöchste Sicherheitsstufe.

IS drohte bereits mehrfach

Rom und insbesondere der Petersplatz gelten als besonders terrorgefährdet: Der Islamische Staat führt seit Monaten einen Psycho-Krieg gegen die «Zentrale des Kreuzfahrertums». So war schon im Januar nach dem Anschlag gegen das französische Satiremagazin «Charlie Hebdo» im Internet ein Video veröffentlicht worden, in welchem die Terroristen ankündigten, sie würden «Rom erobern, die Kreuze zerstören und eure Frauen versklaven, zum Wohlgefallen von Allah». Auf einer anderen Internet-Seite war eine Fotomontage mit dem Petersdom zu sehen, über dem die schwarze Flagge des sogenannten Islamischen Staats flatterte.

Demonstrativ gelassen gibt man sich derzeit einzig im Kirchenstaat. «Es gab kein vatikanisches Gesuch an die italienischen Behörden, im Hinblick auf das Heilige Jahr die Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken», betonte gestern der Sprecher des Heiligen Stuhls, Federico Lombardi. Papst Franziskus hatte schon an der Generalaudienz der vergangenen Woche betont, er wolle keine Panzertüren an den Kirchen, weil die Kirche «die Pforte zum Herrn» sei. «Ich will, dass alle Türen offen bleiben», sagte er. Gleichzeitig verbirgt Franziskus aber auch nicht sein Entsetzen über die Attentate und seinen Ärger darüber, dass die Anschläge von Paris nun wie ein Schatten über dem Heiligen Jahr liegen werden. Anlässlich einer Messe bezeichnete der Papst die Terroristen letzte Woche als «Verfluchte» und als «Delinquenten».

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