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Terrorangst nach Schiesserei in Utrecht

In einem Tram in Utrecht erschiesst ein Mann drei Personen, weitere fünf werden verletzt. Zunächst gehen die Behörden von einem terroristischen Hintergrund aus. Doch über das Motiv herrscht noch immer Unklarheit.
Remo Hess, Brüssel
Rettungskräfte leisten nach dem Blutbad ihren Einsatz. Bild: Peter Dejong/AP (Utrecht, 18. März 2018)

Rettungskräfte leisten nach dem Blutbad ihren Einsatz. Bild: Peter Dejong/AP (Utrecht, 18. März 2018)

Drei Tage nach dem anti-muslimischen Attentat im neuseeländischen Christchurch mit 50 Todesopfern ist die Furcht vor möglichen Terrorangriffen und damit die Nervosität gross: Bei einer Schiesserei in einer Strassenbahn im niederländischen Utrecht mit drei Todesopfern war am Montag auch umgehend von einer terroristisch motivierten, möglichen Vergeltungstat die Rede – zumal der mutmassliche Täter gebürtiger Türke ist und daher eine muslimisch geprägte Herkunft hat.

Es war Jan van Zanen, der Bürgermeister von Utrecht, der entsprechende Spekulationen schon relativ kurz nach der Tat befeuerte: «Wir gehen von einem terroristischen Motiv aus», so Van Zanen in einer Videobotschaft. Und auch Premierminister Mark Rutte sprach bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz von einem «Anschlag».

Höchste Warnstufe ausgerufen

Die niederländischen Behörden lösten in der Folge die höchste Terrorwarnstufe für die Provinz Utrecht aus. Schulen und andere öffentliche Einrichtungen wurden geschlossen und die Bürger zum Verbleib in ihren Häusern aufgefordert. Am Amsterdamer Flughafen Schipol marschierten Militärpolizisten auf.

Im Verlauf des Nachmittags mussten die Behörden ihre Informationen dann mehrmals korrigieren. So sagte der Chef der Anti-Terror-Behörde fälschlicherweise, es hätte mehrere Schiessereien gegeben. Auch sprach die Polizei vorschnell von neun statt von fünf Verletzten. Später sah sich Polizeisprecher Bernd Jens genötigt, den Verdacht auf eine Terrortat zu relativieren: «Es könnte auch sein, dass es eine Beziehungstat ist», so Jens gegenüber dem niederländischen Rundfunk.

So verwirrend und turbulent wie die Kommunikation am Nachmittag erfolgte, so ging es am Abend weiter: Noch während der Pressekonferenz bekam Polizeieinsatzleiter Rob van Bree einen Zettel zugesteckt, wonach der Hauptverdächtige eben gefasst wurde.

Umfangreiches Vorstrafenregister

Bei dem mutmasslichen Täter handelt es sich um den 37-jährigen Gökmen Tanis. Schon kurz nach der Schiesserei veröffentlichte die Polizei Namen und ein Fahndungsbild, welches Tanis in der Strassenbahn zeigt. Laut Augenzeugen sei Tanis gezielt auf eine Frau zugegangen und habe sie mit mehreren Schüssen aus einer Pistole regelrecht hingerichtet. Gegenüber dem niederländischen TV sagte ein Mann, der sich in demselben Tram befand: «Ich dachte als erstes an eine Abrechnung.» Als andere Passagiere der Frau helfen wollten, soll Tanis auch auf diese das Feuer eröffnet haben. Zwei weitere Personen starben, fünf wurden verletzt.

Gemäss Medienberichten war Tanis der Polizei bereits einschlägig bekannt. Im Dezember 2013 habe er in Utrecht in der Öffentlichkeit eine Schusswaffe abgefeuert. In seinem Vorstrafenregister finden sich zahlreiche Delikte wie Diebstahl, Autofahren in alkoholisiertem Zustand oder Beamtenbeleidigung. Ausserdem soll er erst vor wenigen Wochen vor Gericht gestanden sein, weil er im Jahr 2017 eine Frau vergewaltigt haben soll. Ob es einen Zusammenhang mit der gestrigen Tat gibt, ist völlig unklar.

Solidaritätsbekundungen aus dem Ausland

Bis zum Redaktionsschluss lagen keine belastbaren Informationen über den tatsächlichen Hintergrund vor. «Es gibt viele Fragen und Gerüchte», sagte Premier Rutte am Abend nur noch. Gleichwohl erhielten die Niederlande viele Solidaritätsbekundungen aus dem Ausland. «Immer dieselbe blutige Gewalt, an die man sich niemals gewöhnt und der man niemals nachgeben wird», schrieb der französische Präsident Emmanuel Macron auf Twitter. Angela Merkel liess ihre Trauer um die Opfer des «Anschlags in der Strassenbahn» über ihren Sprecher mitteilen, und auch der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz sowie EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker kondolierten öffentlich.

Für den niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders hingegen spielt es keine Rolle, ob es sich um einen terroristischen Anschlag oder nicht handelte. Auf Twitter postete er ein Foto mit der Auflistung der Vorstrafen des mutmasslichen Täters und schrieb dazu: «Was für eine Bereicherung, diese multikulturelle Gesellschaft». Er verlange morgen eine Aussprache mit Premier Rutte. Wilders: «Die Niederlande hat das Recht, die Wahrheit zu erfahren.» Ob der Vorfall die am Mittwoch anstehende Wahl der zwölf Regionalparlamente beeinflussen wird, wird sich zeigen.

Nach einer Schiesserei in Utrecht ist die Terroreinheit der Polizei am Tatort. (Bild: KEYSTONE/EPA ANP/ROBIN VAN LONKHUIJSEN)Nach einer Schiesserei in Utrecht ist die Terroreinheit der Polizei am Tatort. (Bild: KEYSTONE/EPA ANP/ROBIN VAN LONKHUIJSEN)
Polizei und Rettungskräfte am Ort des Geschehens. (Bild: KEYSTONE/EPA ANP/ROBIN VAN LONKHUIJSEN)Polizei und Rettungskräfte am Ort des Geschehens. (Bild: KEYSTONE/EPA ANP/ROBIN VAN LONKHUIJSEN)
Laut Medienberichten soll eine Person gestorben sein. (Bild: KEYSTONE/AP/PETER DEJONG)Laut Medienberichten soll eine Person gestorben sein. (Bild: KEYSTONE/AP/PETER DEJONG)
Blick auf den Tatort. (Bild: KEYSTONE/AP/LILIAN BRUIGOM)Blick auf den Tatort. (Bild: KEYSTONE/AP/LILIAN BRUIGOM)
Der Leiter der niederländischen Anti-Terror-Polizei, Pieter-Jaap Aalbersberg, vor den Medien in Den Haag. (Bild: KEYSTONE/EPA ANP/LEX VAN LIESHOUT)Der Leiter der niederländischen Anti-Terror-Polizei, Pieter-Jaap Aalbersberg, vor den Medien in Den Haag. (Bild: KEYSTONE/EPA ANP/LEX VAN LIESHOUT)
Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte (l.) bezeichnete die Schüsse in einer Strassenbahn in Utrecht als Anschlag. Rechts im Bild: Sicherheitsminister Ferd Grapperhaus. (Bild: KEYSTONE/AP/MICHAEL CORDER)Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte (l.) bezeichnete die Schüsse in einer Strassenbahn in Utrecht als Anschlag. Rechts im Bild: Sicherheitsminister Ferd Grapperhaus. (Bild: KEYSTONE/AP/MICHAEL CORDER)
Die Polizei veröffentlichte ein Foto des mutmasslichen Täters. (Bild: KEYSTONE/AP)Die Polizei veröffentlichte ein Foto des mutmasslichen Täters. (Bild: KEYSTONE/AP)
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Anschlag in Tram in Utrecht: Drei Tote und neun Verletzte

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