TERRORISMUS: Alle drei Selbstmordattentäter sind identifiziert

Nach den Terrorattacken in Brüssel mit mindestens 31 Toten fahndet die Polizei nach weiteren Verdächtigen und Hintermännern. Als Selbstmordattentäter identifizierte die belgische Justiz die zwei radikal-islamische Brüder El Bakraoui und Najim Laachraoui.

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Dieses Bild aus der Abfertigungshalle des Flughafens Zaventem veröffentlichte die belgische Bundespolizei. Es zeigt (links) zwei Männer, die sich später in die Luft sprengten. Der Mann rechts soll einen Sprengsatz deponiert haben und nachher geflüchtet sein. (Bild: Belgian Federal Police via AP)

Dieses Bild aus der Abfertigungshalle des Flughafens Zaventem veröffentlichte die belgische Bundespolizei. Es zeigt (links) zwei Männer, die sich später in die Luft sprengten. Der Mann rechts soll einen Sprengsatz deponiert haben und nachher geflüchtet sein. (Bild: Belgian Federal Police via AP)

Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw bestätigte am Mittwoch in Brüssel, dass es sich bei zwei Selbstmordattentätern um die Brüder Ibrahim und Khalid El Bakraoui handelt. Beide waren belgische Staatsbürger und wegen verschiedener Taten polizeibekannt, standen aber in Belgien nicht unter Terrorverdacht.
 
Allerdings wurde einer der Attentäter laut dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan im vergangenen Juni aus der Türkei ausgewiesen, nachdem er im südtürkischen Gaziantep an der syrischen Grenze gefasst worden war.
 
Die belgischen Behörden seien von der Türkei am 14. Juli 2015 gewarnt worden, dass es sich bei dem Mann um einen «ausländischen terroristischen Kämpfer» handle. Trotz der türkischen Warnungen hätten die Belgier den Verdächtigen aber freigelassen, sagte Erdogan in Ankara.
 
Bereits nach der Terrorserie von Paris im vergangenen November hatte es aus der Regierung in Ankara geheissen, die Türkei habe die französischen Behörden zwei Mal vor einem der Terroristen gewarnt. Die französischen Behörden hätten darauf aber nicht reagiert.

Keine Schweizer unter Opfern

Am Dienstag sprengte sich der Ältere der beiden Brüder auf dem internationalen Flughafen von Brüssel in die Luft. Kurze Zeit später zündete der Jüngere eine Bombe in der Metro-Station Maelbeek im Brüsseler Europa-Viertel. Verletzt wurden mehr als 270 Menschen. Befürchtet wurde, dass sich die Zahl der Toten von derzeit 31 noch erhöht.
 
Unter den Toten und Verletzten sind nach bisherigen Erkenntnissen keine Schweizerinnen oder Schweizer, wie das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) am späten Mittwochnachmittag mitteilte.

Laachraoui der zweite Flughafen-Attentäter

Nach Angaben der belgischen Behörden wird nach einer ganzen «Reihe von Personen» noch gesucht. Aus ermittlungstaktischen Gründen gab der Staatsanwalt aber keine näheren Auskünfte.
 
Nach Medienberichten steht insbesondere Najim Laachraoui im Visier der Fahnder, einer der mutmasslichen Beteiligten der Attentate von Paris, bei denen im November 130 Menschen getötet wurden. Beim zweiten Selbstmordattentäter vom Brüsseler Flughafen handelt es sich um den im Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen gesuchten Najim Laachraoui. Das verlautete am Mittwoch aus Polizeikreisen in Brüssel.
 
Der 24-Jährige Laachraoui stammt aus dem Brüsseler Stadtteil Schaerbeek, wo auch ein mutmasslicher Unterschlupf der Attentäter vom Dienstag ausgehoben wurde. Der mutmassliche Dschihadist soll im Februar 2013 nach Syrien gereist sein.
 
Anfang September 2015 geriet er - mit falscher Identität unter dem Namen Soufiane Kayal - zusammen mit Salah Abdeslam und Mohamed Belkaid in eine Kontrolle an der Grenze zwischen Ungarn und Österreich. Laachraouis DNA soll auf Sprengstoff gefunden worden sein, der bei den Anschlägen in Paris verwendet wurde.
 
Die belgischen Fahnder ermittelten auch auf Basis eines Fotos, das eine Überwachungskamera im Brüsseler Flughafen gemacht hatte. Als einer von drei Männern wurde darauf laut Staatsanwaltschaft Ibrahim El Bakraoui identifiziert.
 
Nach dem Hinweis eines Taxifahrers wurde im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek ein Laptop mit Bakraouis Testament gefunden. In einer nahen Wohnung entdeckten Ermittler weitere 15 Kilogramm Sprengstoff und anderes Material zum Bau von Bomben. Dort fand sich auch eine Flagge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die sich zu den Anschlägen bekannt hat.
 
Der jüngere der beiden nun identifizierten Brüder soll unter falschem Namen auch eine Wohnung angemietet haben, die zur Vorbereitung der Anschläge von Paris genutzt wurde. Gleiches gilt für eine Wohnung im Brüsseler Stadtteil Forest, wo es bereits vor einer Woche bei einer Hausdurchsuchung zu einer Schiesserei mit der Polizei kam.

Staatstrauer und Schweigeminute

In Belgien gilt noch bis Karfreitag eine dreitägige Staatstrauer. Am Mittwoch gab es eine landesweite Schweigeminute. Aus Solidarität wurden Wahrzeichen vieler anderer Metropolen in den Nationalfarben Belgiens angeleuchtet. Dazu gehörten auch das Brandenburger Tor in Berlin und der Eiffelturm in Paris. US-Aussenminister John Kerry will am Freitag nach Belgien reisen um den Opfern und Angehörigen sein Beileid auszudrücken.
 
In ganz Europa herrscht seit den Anschlägen Terrorangst; vielerorts wurden Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Die für Innere Sicherheit zuständigen EU-Minister wollen am Donnerstag zu einem Sondertreffen zusammenkommen.
 
EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker wies darauf hin, dass konkrete Vorschläge für mehr Sicherheit in Europa seit Monaten auf dem Tisch liegen. Als Beispiele nannte er eine Verschärfung des Waffenrechts und der Schutz der EU-Aussengrenzen.
 

sda

Der Place de la Bourse vor der Brüsseler Börse war in der Nacht Ort der Trauer und der Solidarität. (Bild: EPA/CHRISTOPHE PETIT TESSON)
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Zwei Menschen in Betroffenheit. (Bild: EPA/YOAN VALAT)
Kerzen und Blumen. (Bild: EPA/CHRISTOPHE PETIT TESSON)
Eine Frau zünden eine Kerze an. (Bild: EPA/CHRISTOPHE PETIT TESSON)
Ihr Wunsch: Mehr glitzernde Sterne über dem Himmel von Brüssel. (Bild: EPA/CHRISTOPHE PETIT TESSON)
Solidarität in Paris: «Franzosen zusammen mit Belgiern» lautet simpel und einfach die Botschaft auf dem Transparent. (Bild: EPA/ETIENNE LAURENT)
Solidarität an der griechisch-mazedonischen Grenze: Ein Mann im Flüchtlingscamp Idomi im stillen Protest: «Betet für Belgien». (Bild: EPA / ARMANDO BABANI)
Solidarität in den USA: Das Baseball-Team «Minnesota Twins» gedenkt vor einem Spiel der Opfer von Brüssel. (Bild: AP Photo / Tony Gutierrez)
Eine Frau und ein Kind stellen eine Kerze vor die belgische Botschaft in Budapest. (Bild: Balazs Mohai/MTI via AP)
Zeichen der Solidarität vor der belgischen Botschaft in Berlin. (Bild: EPA/PAUL ZINKEN)
Menschen haben Blumen bei den Fenstern des belgischen Konsulats in in St. Petersburg gelegt. (Bild: EPA / ANATOLY MALTSEV)
Menschen bringen Blumen und Kerzen zur belgischen Botschaft in Warschau. (Bild: EPA/BARTLOMIEJ ZBOROWSKI)
In den belgischen Nationalfarben beleuchtet: Das Brandenburger Tor in Berlin … (Bild: AP Photo / Markus Schreiber)
… der Trevi-Brunnen in Rom, … (Bild: AP Photo / Andrew Medichini)
… das Denkmal Los Arcos in Guadalajara, Mexico, … (Bild: EPA/ULISES RUIZ BASURTO)
… das One World Trade Center in New York, … (Bild: AP Photo / Frank Franklin II)
… die Blue Bridge in Grand Rapids, Michigan, … (Bild: (Nick Gonzales/The Grand Rapids Press via AP)
… das Stadthaus von Lissabon, … (Bild: EPA / ANTONIO COTRIM)
… der Burj Khalifain Dubai, … (Bild: EPA / ALI HAIDER)
… Der Kulturpalast in Warschau, … (Bild: AP Photo / Czarek Sokolowski)
… das Kapitol in Rom, … (Bild: AP Photo / Andrew Medichini)
… das Nagyardei Stadium in Debrecen, … (Bild: Balazs Mohai/MTI via A)
… der Neptunbrunnen in Florenz, … (Bild: EPA / MAURIZIO DEGL' INNOCENTI)
… das Stadthaus in San Francisco, … (Bild: EPA / JOHN G. MABANGLO)
… und der Eiffelturm in Paris. (Bild: EPA / IAN LANGSDON)
Am Hauptsitz der EU in Brüssel wehen die Fahnen auf Halbmast. (Bild: AP Photo / Virginia Mayo)

Der Place de la Bourse vor der Brüsseler Börse war in der Nacht Ort der Trauer und der Solidarität. (Bild: EPA/CHRISTOPHE PETIT TESSON)