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TERRORMILIZ IS: Aus dem Irak in die libysche Wüste

Der irakische Premierminister Haidar al-Abadi verkündet die Vertreibung der islamistischen Terrormilizen aus seinem Land. Zu Euphorie besteht jedoch kein Anlass.
Michael Wrase, Limassol
Ein Knabe hilft nach der Vertreibung des IS bei Aufräumarbeiten im irakischen Mosul. (Bild: Chris McGrath/Getty (6. November 2017))

Ein Knabe hilft nach der Vertreibung des IS bei Aufräumarbeiten im irakischen Mosul. (Bild: Chris McGrath/Getty (6. November 2017))

Michael Wrase, Limassol

Frenetischer Beifall brandete auf, als der irakische Premierminister Haidar al-Abadi am Wochenende auf einer Konferenz der «Arabischen Journalistenunion» die «gute Nachricht» von der «vollständigen Befreiung unseres, eures Landes» verkündete.

Selbst über dem «fernsten Grenzposten» an der Grenze mit Syrien wehe die irakische Flagge. Die Vertreibung des sogenannten Islamischen Staats (IS) sei nicht nur ein Sieg für die Iraker, sondern auch für die Araber, Muslime und die ganze Welt, freute sich der schiitische Politiker.

Explosion in Kirkuk nach «Siegesverkündigung»

Zu erwarten war dieser unbestreitbare Erfolg nicht. Gerade einmal drei Jahre sind vergangen, seitdem der IS grosse Teile von Syrien und dem Irak nahezu kampflos erobert hatte und binnen weniger Stunden die Zwei-Millionen-Stadt Mosul unter seine Kontrolle bringen konnte. Das Zweistromland galt nach dem Zusammenbruch der staatlichen Strukturen als ein «gescheiterter Staat». Experten diskutierten die Dreiteilung des Irak in einen sunnitischen, schiitischen und kurdischen «Kanton». Derartige Planspiele sind nach dem militärischen Sieg über den IS, zu dem auch die US-geführte Militär­koalition beigetragen hat, erst einmal vom Tisch.

Zu Euphorie besteht freilich kein Anlass. Nur wenige Stunden nach der «Siegesverkündung» des Ministerpräsidenten sprengten sich im nordirakischen Kirkuk fünf Selbstmordattentäter des IS in die Luft, nachdem ihr Versteck von Sicherheitskräften umzingelt worden war. Derartige «Schläferzellen» dürfte es auch noch in anderen irakischen Städten geben. Gleiches gilt für Syrien, wo die Terrormilizen trotz Siegesmeldungen des Moskauer Verteidigungsministeriums noch längst nicht geschlagen sind. «Der IS ist noch da. Er bleibt ein Akteur am Boden, wird sich in die Wüste zurückziehen, um sich neu zu gruppieren, zurückzukehren und weiterzukämpfen», glaubt Schiraz Maher, Vizedirektor des internationalen Zentrums für die Erforschung von Radikalisierung und politischer Gewalt am King’s College in London.

Weitaus bessere Chancen für eine Neuformierung böten sich den Dschihadisten in der südlibyschen Wüste, die nicht von den dortigen Konfliktparteien kontrolliert werde. Glaubt man dem Beiruter Internetportal Al Monitor, dann soll der schon mehrfach totgesagte IS-Führer Al-Baghdadi seine Kämpfer zum Umzug nach Libyen aufgefordert haben. Derartige Befürchtungen äusserste in der letzten Woche auch Marc Mitchel, ein Berater des US-Verteidigungsministers James Mattis. Libyen, sagte er dem US-Fernsehsender CNS, sei das «erste Ziel der IS-Kämpfer aus Syrien und dem Irak». Die Zerschlagung des Kalifats, so Mitchel weiter, bedeute noch lange nicht das Ende des IS als eine internationale Organisation.

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