USA
Tischte uns Obama bei Bin Ladens Tötung nur eine Lügengeschichte auf?

Die Tötung von Top-Terrorist Osama Bin Laden soll gar nicht so abgelaufen sein, wie es die USA uns weismachen wollen. Ein Star-Journalist hegt Zweifel an der offiziellen Version. War alles nur als Wiederwahl-Hilfe für Obama gedacht?

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Terrorist Osama Bin Laden (links) und US-Präsident Barack Obama.

Terrorist Osama Bin Laden (links) und US-Präsident Barack Obama.

Keystone

Der Terrorfürst Osama Bin Laden ist möglicherweise anders ums Leben gekommen als bisher angenommen. Laut dem Journalisten und Pulitzer-Preisträger Seymour Hersh ist die offizielle Version der US-Behörden, wonach allein die Amerikaner für die Tötung von bin Laden verantwortlich waren, frei erfunden. Stattdessen sollen die Pakistanis von Anfang an mit an Bord gewesen sein, schreibt Hersh in der "London Review of Books". Mehr noch: Der Top-Terrorist soll sogar seit 2006 unter Arrest des Pakistanischen Geheimdienstes ISI gestanden haben.

Die Kommandoaktion 2011 in Abbottabat, bei der bin Laden erschossen wurde, soll ebenfalls anders abgelaufen sein: Laut Hersh sollte bin Laden in jener Nacht von den Amerikanern erschossen – sein Tod jedoch nach einem angeblichen Drohnenangriff im afghanisch-pakistanischen Grenzland vermeldet werden. Dass gleich zu Beginn der Aktion ein US-Helikopter im Garten des Anwesens abstürzte, habe den Plan jedoch zunichte gemacht.

Jenes Anwesen soll dabei vom pakistanischen Militär selbst angemietet worden sein – genau wie ein Haus in unmittelbarer Nähe, in dem US-Militärs Baupläne des Bin-Laden-Hauses studieren konnten. Als die US-Elitesoldaten ankamen, sollen die Pakistanis das Haus verlassen und den Strom im Quartier gekappt haben.

Auch die Geschichte des sich wehrenden Terroristenführers ist laut Hersh eine Lüge. Kein gezielter Schuss auf den bewaffneten Terroristen, sondern ein wahrer Kugelhagel soll Bin Laden getötet, regelrecht zerfetzt haben – von seinem Körper blieben demnach nur Einzelteile, die die Navy Seals in einen Leichensack steckten und auf dem Rückflug aus dem Helikopter warfen. Die Seebestattung, deren Bilder um die Welt gingen, war laut Hersh ebenfalls inszeniert und hat so nie stattgefunden.

Weit mehr als eine Verschwörungstheorie

Nun könnte man diese Geschichte einfach als eine von vielen Verschwörungstheorien abtun, die im Nachgang solcher Ereignisse aus allen Ecken des Internets spriessen – wäre es nicht jener Seymour Hersh, der die Vorwürfe erhebt. Hersh ist einer der renommiertesten Journalisten überhaupt und in Sachen Geheimdienste, Militär und Terrorismus so gut informiert wie kaum ein Zweiter. Er unterhält beste Kontakte zu den US-Geheimdiensten und zum Militär. Verschiedene Enthüllungen rund um den Vietnam- und später den Libanonkrieg gehen auf sein Konto. Hersh war es auch, der zuerst über das berüchtigte US-Foltergefängnis Abu Ghraib schrieb.

Bleibt die Frage, warum die Amerikaner den Alleingang vortäuschen sollten. Der Grund ist vor allem bei US-Präsident Barack Obama und dessen auf der Kippe gestandenen Wiederwahl 2012 zu suchen. Obama, der von seinen republikanischen Kontrahenten als zu zaghaft und unfähig im Kampf gegen den Terrorismus bezeichnet wurde, musste dringend einen Erfolg vorweisen – und das tat er.

Für die Pakistanis auf der anderen Seite war die Situation noch heikler: wäre herausgekommen, dass die Regierung den in weiten Teilen der Bevölkerung als Helden verehrten Bin Laden an die Amerikaner ausgeliefert hätte, wäre es wohl zu Unruhen im Land gekommen. Also erfand man, laut Seymour Hersh, die Lüge von Abbottabat. (fho)