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Tochter von Putin-Sprecher
in Brüsseler Diensten

Spione, versteckte Parteienfinanzierung, Desinformation und jetzt Elisaweta Peskowa im EU-Parlament: In Brüssel steigt die Sorge vor russischer Einflussnahme.
Remo Hess, Brüssel
It-Girl Elisaweta Peskowa. (Bild: Mikhail Tereschchenko/Getty; Moskau, 27. Dezember 2018)

It-Girl Elisaweta Peskowa. (Bild: Mikhail Tereschchenko/Getty; Moskau, 27. Dezember 2018)

Dass Elisaweta Peskowa sich vor der Öffentlichkeit verstecken würde, kann man schlecht behaupten: Auf Instagram lässt die 21-jährige Russin ihre 80000 Fans grosszügig an ihrem Leben teilhaben. Fotos zeigen sie auf Partys, beim Flanieren in Paris – oder beim Tanz mit Tschetscheniens Gewaltherrscher Ramsan Kadyrow.

Peskowa ist denn auch kein normales russisches It-Girl. Sie ist die Tochter von Kreml-Sprecher und Putin-Intimus Dmitri Peskow. Angesichts dessen ist es höchst brisant, dass Peskowa zurzeit ein Praktikum beim französischen EU-Parlamentarier Aymeric Chauprade absolviert. Der ehemalige Front-National-Politiker war bis 2015 aussenpolitischer Berater von Parteichefin Marine Le Pen und politisiert in Brüssel stramm auf Russland-Linie. Er goutiert nicht nur die Krim-Annexion von 2014, sondern zweifelt auch an der Verantwortung der prorussischen Milizen beim Abschuss der MH17-Pas­sagiermaschine über der Ost­ukraine. Verschiedene EU-Parlamentarier äusserten ihre Besorgnis über das Engagement Peskowas, nachdem dieses diese Woche bekannt wurde. Immerhin sitzt Chauprade im mächtigen Auswärtigen Ausschuss und im Unterausschuss für Sicherheit und Verteidigung. Und auch wenn Assistenten nicht per se Zugang zu vertraulichen Dokumenten haben: Dass die Tochter eines Angehörigen von Putins innerstem Machtzirkel beim EU-Parlament ein- und ausgeht, hinterlässt bei vielen ein mulmiges Gefühl.

Café im Europaquartier besser meiden

Ohnehin ist in Brüssel die Sorge vor russischer Einflussnahme grösser denn je. Erst kürzlich riet der Auswärtige Dienst der EU-Kommission seinen Mitarbeitern, ein gewisses Café im Europaquartier nicht mehr zu besuchen, weil dort russische Spione verkehren würden. Und am vergangenen Sonntag enthüllte die italienische Zeitung «L’espresso», dass die Lega-Partei von Innenminister Matteo Salvini mit den Russen einen schmutzigen Deal verhandelt habe, der ihr für die EU-Wahlen 3 Millionen Euro in die Kasse spülen könnte.

Zuletzt warnte der lettische Premierminister Krisjanis Karins, nicht alle in der Europäischen Union hätten das Ausmass der russischen Einflussversuche ausreichend erkannt. Im Gespräch mit der «Financial Times» verwies er insbesondere auf Moskaus Desinformationskampagnen. Karins: «Wenn Sie Desinformation nicht als Problem erkennen, dann erhöht das Ihre Anfälligkeit.» In Lettland befinde man sich an der Frontlinie und erfahre dies jeden Tag. Das einzige Gegenmittel sei Bildung. Karins: «Wir müssen verstehen, dass unsere Gesellschaften angegriffen werden.»

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