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Tod auf der Flucht: Dutzende sterben in Flammeninferno bei Athen

Die Regierung spricht von einer «nationalen Tragödie», Polizei und Feuerwehr nennen es das «schlimmste mögliche Szenario». Selbst diese dramatischen Worte können das Grauen kaum fassen nach den verheerenden Waldbränden im dicht bewohnten Feriengebiet im Osten und Westen Athens.
Takis Tsafos, dpa
Ein Haus brennt in Mati, einem Vorort von Athen. (Bild: EPA/Yannis Kolesidis, 23. Juli 2018)

Ein Haus brennt in Mati, einem Vorort von Athen. (Bild: EPA/Yannis Kolesidis, 23. Juli 2018)

Mindestens 74 Menschen kamen in den Flammen ums Leben, viele von ihnen verbrannten bei lebendigem Leibe. Und das ist nur eine vorläufige Bilanz - Dutzende Menschen wurden am Dienstagvormittag noch vermisst. Ein riesiges Gebiet von gut 40 Quadratkilometern wurde zerstört. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Die meisten Brände konnten am Dienstag unter Kontrolle gebracht werden.

Die schlimmsten Szenen müssen sich am Montag in der Region der Hafenstadt Rafina abgespielt haben, rund 25 Kilometer in gerader Linie östlich von Athen gelegen. Rettungsmannschaften entdeckten am Dienstagmorgen 26 Leichen an einem Steilhang.

«Der Einsatzleiter weinte», berichtet ein Reporter vor Ort und beschreibt das ganze Drama: Die Opfer, darunter etliche Familien, hatten versucht, den Flammen zu entkommen und waren von ihren Häusern in Richtung Küste gerannt.

Doch dieser Küstenabschnitt kann nur über einen schmalen Pfad erreicht werden, in dem dichten Rauch und in ihrer Panik finden ihn die Menschen nicht. Die Flammen kommen von allen Seiten, schliessen die Menschen ein. Sie bleiben stehen, umarmen sich ein letztes Mal und sterben.

Andere Reporter berichten von einer Frau, die mit ihrem Kind in einem Haus in der Ortschaft Mati entdeckt wurde. Die Mutter hatte ihr Kind schützend mit ihrem Körper abgeschirmt, bevor beide verbrannten.

«Flammeninferno»

«Flammeninferno», «Hölle», «Schutt und Asche im Grossraum Athen» - die Schlagzeilen der griechischen Presse am Dienstag beschreiben das Ausmass der Feuersbrunst in ihrer ganzen Wucht.

Waldbrände gibt es in Griechenland immer wieder im Sommer - sie gehören zum Alltag der Einsatzkräfte. Alle fragen sich, wie es zu der Tragödie kommen konnte. Der Zivilschutz hatte bereits am Sonntag vor grosser Waldbrandgefahr gewarnt. Es hatte fast zwei Wochen lang nicht geregnet. Überall lag vertrocknetes Gras herum. Es herrschten Temperaturen um die 39 Grad Celsius. Am Montag kam starker Wind hinzu.

Grosse Rauchwolken über einem Vorort von Athen. (Bild: EPA/ Alexandros Vlachos (23. Juli 2018))
Feuerwehrmännder versuchen in Neo Voutsa, einem Vorort von Athen, ein Waldbrand zu löschen. (Bild: EPA/ Alexandros Vlachos (23. Juli 2018))
Ausgebrannte Autos. (EPA/Pantelis Saitas, 24. Juli 2018)
Ein Mann sucht nach seinen Habseligkeiten in Kineta (AP Photo/Yorgos Karahalis, 24. Juli 2018)
In den Flammen kamen mindestens 50 Menschen ums Leben. (Bild: EPA/ Alexandros Vlachos (23. Juli 2018))
Ein Motorradfahrer schaut in Kineta, westlich von Athen, auf brennende Büsche. (Bild: AP Photo/Thanassis Stavrakis (23. Juli 2018))
Ein Löschflugzeug fliegt über Mati. (Bild: AP Photo/Thanassis Stavrakis (23. Juli 2018))
Ein Feuerwehrmann. (Bild: AP Photo/Thanassis Stavrakis (23. Juli 2018))
Ein Helikopter ist in Penteli unterwegs. (Bild: EPA/ Alexandros Vlachos (23. Juli 2018))
Die Behörden haben in der Region um Athen den Notstand ausgerufen. (Bild: EPA/ Alexandros Vlachos (23. Juli 2018))
Die Flammen wüten in einem dicht bewaldeten Gebiet. (Bild: EPA/ Alexandros Vlachos (23. Juli 2018))
Gebäude in Mati stehen in Flammen. (Bild: AP Photo/Thanassis Stavrakis (23. Juli 2018))
12 Bilder

Schwere Waldbrände in Griechenland

Zunächst brach ein Brand im Westen Athens aus. Ursache unbekannt, heisst es von der Feuerwehr. Mehrere Häuser wurden zerstört, Opfer gab es aber nicht. Um die Mittagszeit kam die Katastrophe: Neue Feuer entstanden im Osten Athens. Die bereits stark ausgelasteten Feuerwehrleute, die Löschflugzeuge und Helikopter mussten nun an zwei grossen Fronten kämpfen.

Tausende flüchten in Panik

Und die zweite Front - entlang der Ostküste Athens- ist ein riesiges Feriengebiet. Pinienwälder überall und mittendrin verstreut Tausende Ferienhäuser und Wohnungen. Viele Athener haben dort ihren zweiten Wohnsitz, wo sie mit ihren Familien den Sommer verbringen. Die Flammen fegen mit hoher Geschwindigkeit über das Gelände. Tausende Menschen flüchten in Panik.

Wer Glück hat, kann den Strand erreichen. Dort ist man sicher vor der Feuersbrunst. Viele gehen ins Wasser. Fischer holen sie am Dienstagmorgen aus den Fluten und aus schwer zugänglichen Küstenabschnitten.

Doch der Bürgermeister der Hafenstadt Rafina, Vangelis Bournous, spricht am Dienstag im Rundfunk aus, was viele befürchten: Die Opferzahl könnte noch steigen. «Wir suchen von Haus zu Haus. Ich gehe von 60 Opfern aus», sagt er. Allein in seiner Region sollen mindestens 1200 Häuser zerstört sein.

Ganze Wohnviertel zerstört

Das Staatsfernsehen (ERT) zeigt am Dienstag das Ausmass der Katastrophe. Ganze Wohnviertel in den Ortschaften Mati, Nea Makri und Rafina mit völlig zerstörten oder schwer beschädigten Häusern. Hunderte verbrannte Autos, die ihre Besitzer auf der Flucht vor den Flammen mitten auf der Strasse abgestellt hatten. Verstörte und verletzte Tiere irren herum.

Ein schwacher Trost für die betroffenen Menschen: Die Regierung unter Ministerpräsident Alexis Tsipras will die Ursachen klären. Und die EU will den Menschen unter die Arme greifen. Mehrere Länder sagten die Entsendung von Löschflugzeugen zu. Am Dienstagabend und am Mittwoch wurde zudem Hilfe von oben erwartet: Laut Wetteramt sollte es stark regnen.

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