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Tod von bulgarischer Journalistin vermutlich aufgeklärt

In Hamburg wurde ein Verdächtiger in der Causa der getöteten TV-Moderatorin Viktoria Marinova festgenommen. Man geht inzwischen von der Tat eines alkoholisierten Kleinkriminellen ohne politischen Hintergrund aus.
Frank Stier, Sofia
Ein Foto von Viktoria Marinova an einer Gedenkstätte in der Stadt Russe, wo die junge Journalistin umgebracht wurde. (Bild: Filip Dvorski/AP ;9. Oktober 2018)

Ein Foto von Viktoria Marinova an einer Gedenkstätte in der Stadt Russe, wo die junge Journalistin umgebracht wurde. (Bild: Filip Dvorski/AP ;9. Oktober 2018)

Mit der Verhaftung des 20-jährigen Bulgaren Severin Krassimov in der Nähe von Hamburg am Dienstagabend scheint der Mord an dessen Landsfrau und Journalistin Viktoria Marinova aufgeklärt. Die 30-jährige TV-Moderatorin war am Samstagmittag am Donauufer der nordbulgarischen Stadt Russe tot aufgefunden worden. Ihr lebloser Körper zeigte Spuren grausamer Misshandlung und mehrfacher Vergewaltigung. Die Tat erregte international grosses Aufsehen, da sie Medien und Vertreter internationaler Organisation als einen Angriff auf die Meinungsfreiheit in dem Balkanland werteten.

«Geschockt über den grausamen Mord an Viktoria Marinova», twitterte Frans Timmermans, Vizepräsident der EU-Kommission. «Wieder ist eine mutige Journalistin im Kampf für die Wahrheit und gegen Korruption gefallen. Die Verantwortlichen dafür sollten von den bulgarischen Behörden sofort zur Verantwortung gezogen werden», so Timmermans weiter.

Dagegen warnte die in Sofia ansässige Assoziation europäischer Journalisten in Bulgarien (AEJ Bulgaria) vor voreiligen Schlüssen. «Natürlich darf bei den Ermittlungen keine mögliche Version ausgeschlossen werden, auch die nicht, dass die Gründe für die Tat in Beziehung zur Arbeit des Opfers stehen. Es ist aber unhaltbar, darüber zu spekulieren, dass die Tat etwas zu tun hat mit der Meinungsfreiheit in Bulgarien, bevor es konkrete und belegbare Fakten gibt», erklärte AEJ Bulgaria.

Erst seit kurzem mit politischen Themen beschäftigt

Viktoria Marinova, Mutter einer siebenjährigen Tochter, führte die Geschäfte der TV-Gesellschaft My Fi, die den regionalen TV-Kanal TVN betreibt. Beide Unternehmen gehören ihrem Mann Sliven Maximov, der mit dem Unternehmen Networx auch einen von Bulgariens führenden Internetprovidern besitzt. Die früher als Model tätige Marinova thematisierte in ihrer TVN-Lifestyle-Sendung vor allem Themen wie Mode und gesunde Ernährung. Erst seit kurzem beschäftigte sie sich auch mit politischen Themen und übernahm im September die Moderation des Politmagazins «Detektor». Eine knappe Woche vor ihrem Tod thematisierte sie in ihrer ersten und einzigen «Detektor»-Sendung die kritische Situation der Medien in Bulgarien. Das Balkanland nimmt bei der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen (RoG) mit Rang 111 die schlechteste Position aller EU-Mitglieder ein.

Seit der Verhaftung von Severin Krassimirov scheint klar, dass Marinovas Ermordung nichts mit ihrer journalistischen Tätigkeit zu tun hat. Sie geriet beim Joggen an der Donau vermutlich zufällig in das Visier des alkoholisierten Kleinkriminellen, der sie aus sexuellem Antrieb attackierte und erwürgte. «Es gibt eine völlige Übereinstimmung der DNA des Festgenommenen mit an der Kleidung des Opfers gefundenen DNA-Spuren», teilte Generalstaatsanwalt Sotir Tsatsarov auf einer Pressekonferenz gestern Morgen mit.

Heftige Vorwürfe an Medien und EU-Vertreter

Krassimirovs Attacke sei derart brutal gewesen, dass sie Aufschluss gebe über seine «charakterliche Abweichung». Krassimirov, der Boxen trainiere, habe seinem Opfer durch Schläge ins Gesicht schwere Gehirnerschütterungen zugefügt. Krassimirov droht in Bulgarien nun lebenslange Haft ohne Aussicht auf Entlassung. Bulgariens Ministerpräsident Boiko Borissov richtete auf der gemeinsam mit dem Generalstaatsanwaltschaft durchgeführten Pressekonferenz heftige Vorwürfen gegen die Medien und Vertreter der EU. «Drei Tage lange habe ich ungeheuerliche Dinge über Bulgarien gelesen, und nichts davon ist wahr», sagte er. «Ich habe in diesen Tagen bewusst nicht mit den Leuten in Brüssel geredet. Sie haben uns mit Twitter-Posts überschüttet. Wenn ich nach Brüssel komme, wird es innerhalb der Europäischen Volkspartei ernsthafte Gespräche geben», kündigte er an.

Bulgarische Medien witterten ebenfalls eine Verschwörung der Weltgemeinschaft gegen ihr Land. «Das sind die Verleumder Bulgariens» titelte die Tageszeitung «Trud» zu abgebildeten Portraits von Frans Timmermans, dem EVP-Vorsitzenden Manfred Weber, UN-Generalsekretär Antonio Guterres und Christophe Deloire, Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen.

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