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TODESFALL: Neues Kapitel in Argentiniens Justiz-Krimi

War es doch Mord? Das jüngste Urteil eines Richters in Buenos Aires im Fall des vor drei Jahren tot aufgefundenen jüdischen Staatsanwaltes Alberto Nisman bringt indirekt auch Ex-Präsidentin Cristina Kirchner in Bedrängnis.
Sandra Weiss, Puebla
Demonstration zum zweiten Todestag des mutmasslich ermordeten argentinischen Staatsanwaltes Alberto Nisman. (Bild: Victor R. Caivano/Keystone (Buenos Aires, 18. Juni 2017))

Demonstration zum zweiten Todestag des mutmasslich ermordeten argentinischen Staatsanwaltes Alberto Nisman. (Bild: Victor R. Caivano/Keystone (Buenos Aires, 18. Juni 2017))

Sandra Weiss, Puebla

Vor drei Jahren wurde Alberto Nisman in seiner Wohnung in Buenos Aires mit einem Kopfschuss tot aufgefunden. Ein mysteriöser Tod, der in Argentinien eine Krise auslöste. Denn Nisman war Sonderstaatsanwalt, beauftragt mit den Ermittlungen des Bombenanschlags auf das jüdische Gemeindezentrum Amia von 1994, der 85 Menschen das Leben gekostet hatte. Zunächst ging die Staatsanwaltschaft von einem Selbstmord aus. Am Dienstag erklärte nun ein Richter, dass Nisman ermordet wurde.

In den Fall ist auch die linke Ex-Präsidentin Cristina Kirchner (2007–2015) verwickelt. Sie wurde vor kurzem wegen Vertuschung und Vaterlandsverrats angeklagt und könnte in den kommenden Wochen in U-Haft kommen. Ihre Unterstützer sprechen von einer Hexenjagd, denn inzwischen herrscht am Rio de la Plata eine rechtskonservative Regierung unter Mauricio Macri. Der Fall Amia, hinter dem seinerzeit von der iranischen Botschaft aus gesteuerte Fundamentalisten vermutet wurden, wird immer undurchsichtiger.

Verfahren gegen ehemaligen Agenten eröffnet

Bundesrichter Juan Ercolini schloss in einem am Dienstag vorgelegten Urteil einen Selbstmord aus und eröffnete ein Verfahren gegen den Ex-Agenten und Nismans Ex-Mitarbeiter Diego Lagomarsino wegen Beihilfe zum Mord. Ercolini stützte sein Urteil auf eine Autopsie. Demnach haben zwei Personen Nisman geschlagen und unter Drogen gesetzt, bevor er starb. In einer ersten Autopsie hatte es ­geheissen, die Rückstände im Blut seien von Medikamenten, die Nisman habe einnehmen müssen, und die blauen Flecken von seinem Sturz im Bad. Es hatte aber keine Zeichen auf ein ­gewaltsames Eindringen Fremder in die Wohnung gegeben.

Nisman war seinerzeit von Kirchner eingesetzt worden und war nach zehn Jahren fruchtloser Recherchen in Sachen Attentat zunehmend frustriert. Kurz vor seinem Tod hatte er Kirchner in aufgeregten Medienauftritten ­beschuldigt, die Rolle des Irans beim Bombenanschlag verschleiert zu haben. Nisman starb kurz vor einer wichtigen Parlamentsanhörung zu dem Fall.

Kirchner spricht von «Verschwörung»

Bei den Ermittlungen tauchten zahlreiche Ungereimtheiten auf. Seine vier Leibwächter hatten Nisman an dem Tag angeblich auf seinen Wunsch allein gelassen und erst Stunden, nachdem sie kein Lebenszeichen erhielten, Alarm geschlagen. Ein Nachbar Nismans, ein russischer Diplomat, war jahrelang als möglicher Zeuge «vergessen» worden. Er verweigerte nun unter Berufung auf seine Immunität die Aussage. Der angestammte Zeitungs­verkäufer Nismans verschwand und tauchte erst vor kurzem – inzwischen als Angestellter eines Ministeriums – mit einer widersprüchlichen Aussage wieder auf.

Ex-Präsidentin Kirchner, die inzwischen als Senatorin Immunität geniesst, sprach von einer Verschwörung. Ihren Anhängern zufolge handelt es sich um eine politische Abrechnung. Hinter dem Nisman-Mord steckten rechte Kreise des Geheimdienstes, verbündet mit dem Mossad und der US-amerikanischen Finanzelite. Nisman hatte gute Kontakte zum Geheimdienst und zur US-Botschaft. Der Wall Street waren die Kirchners – vor Cristina war ihr inzwischen verstorbener Ehemann Nestor Präsident – ein Dorn im Auge wegen ihrer harten Haltung bei der Umschuldung nach der Staatspleite von 2002.

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