Tödlicher Unfall – TV-Sendung enthüllt: Unglücks-Schweizer fuhren nicht zu schnell

Im Januar starben sechs Schweizer, davon einer aus dem Aargau, bei einem Unfall in Schweden. Das dortige Fernsehen deckt neue Fakten auf. Die Behörden wussten von der Gefährlichkeit der Unfallkurve.

Tobias Keller aus Västervik (S)
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Tödlicher Unfall Schweden - neue Fakten (25.09.2019)
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David Maurer, dessen Sohn beim Unfall ums Leben kam, äussert sich im schwedischen Fernsehen. (Bild: Screenshot «Uppdrag granskning»)
Rahel Böhm-Maurer und David Maurer, Schwester und Vater des verunglückten Joel Maurer. (Bild: Screenshot «Uppdrag granskning»)
Rahel Böhm-Maurer (Bild: Screenshot «Uppdrag granskning»)
Der Überlebende des Unfalls vor der Kamera. (Bild: Screenshot «Uppdrag granskning»)

Tödlicher Unfall Schweden - neue Fakten (25.09.2019)

Der tragische Unfall geschah im vergangenen Januar: Sechs junge Schweizer kamen im Norden Schwedens ums Leben. Sie waren in einem Minibus unterwegs, der mit einem Lastwagen kollidierte. Der Fahrer des Lastwagens wurde verletzt.

Bis heute ist die Unglücksursache nicht geklärt. Das schwedische Fernsehen hat in seiner Recherchesendung «Uppdrag granskning» versucht, dem Unfall auf die Spur zu kommen.

Vater des Opfers aus Aarau tritt am TV auf

In der TV-Sendung spricht erstmals ein Angehöriger eines Opfers offen über die Tragödie. Es ist der Vater von Joel Maurer aus Aarau. Er redet im Fernsehen über seinen verstorbenen Sohn, äussert sich aber nicht zu den möglichen Hintergründen des Unglücks. Ein direkter Zeuge berichtet am TV, dass der Bus der jungen Schweizer nicht zu schnell unterwegs gewesen sei.

Womöglich liegt Behördenversagen vor. Das Fernsehen nimmt die Rolle des schwedischen Verkehrsamtes kritisch unter die Lupe. Wie verschiedene Zeugen aussagen, war die Behörde seit Februar 2017 über die Gefährlichkeit der Kurve im Bild. Der Mailverkehr eines Anwohners beweist, dass die Behörde Kenntnisse der Situation hatte, aber auch, dass der Anwohner nicht ernst genommen wurde. Das Tempolimit betrug in der Zeit des Unfalls 90 km/h. Unmittelbar danach wurde die Höchstgeschwindigkeit jedoch um fast ein Viertel auf 70 km/h gesenkt.
Die Strassenbehörde verstrickt sich in der Sendung in Widersprüche und lässt gewisse Fragen unbeantwortet. Das Reporterteam versuchte mit aufwendigen Simulatorfahrten zu beweisen, dass die 90 km/h eine Fehlbeschilderung der Kurve waren.

Nicht aufgenommen wurde dagegen die Frage, warum auf dieser Strecke 90-Tonnen-Fahrzeuge fahren dürfen. So schwer war auch der Lastwagen, der in den Bus der Schweizer knallte. Wie diese Zeitung bereits im Januar berichtete, hatte die Minenbetreiberin keine gültige Betriebsbewilligung, um ihre Lastwagen über die Unfallstrecke fahren zu lassen. Die Transporte verstiessen also gegen Auflagen der Umweltbehörde. Denn in einer amtlichen Verfügung steht klar und deutlich, dass der Transport über die heutige Strecke gegen die Betriebsbewilligung verstösst.

Hier geschah das Unglück:

Umso erstaunlicher ist es, dass die Strassenbehörde erst am 26. Juni dieses Jahres die Ausnahmebewilligung für 90-Tonnen-Lastwagen auf der Unglücksstrecke verlängert hat. Wie ist es möglich, einem Unternehmen eine Ausnahmebewilligung zu verlängern für eine Strecke, auf der es laut Betriebsbewilligung eigentlich gar nicht fahren dürfte? Und warum sagt die Strassenbehörde ja zu Transporten, und die Umweltbehörde sieht diese als Verstoss gegen die Betriebsbewilligung? Fragen, die das schwedische Fernsehen leider nicht stellt.