Syrien
«Tow King» schiesst Assads Panzer reihenweise ab

Rebellen leisten heftige Gegenwehr zur Offensive des Regimes – mit Waffen aus den USA

Michael Wrase, Limassol
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Verifiziertes Bild eines Videobeitrages der Aktivisten-Mediengruppe Syrian Revolutionary - Rauchschwaden steigen nach einem russischen Luftangriff in die Luft.

Verifiziertes Bild eines Videobeitrages der Aktivisten-Mediengruppe Syrian Revolutionary - Rauchschwaden steigen nach einem russischen Luftangriff in die Luft.

Keystone

Die Staatsmedien schweigen normalerweise, wenn die Offensiven der Assad-Armee nicht die anvisierten Ziele erreichen oder von den Rebellen zurückgeschlagen werden. Eine Ausnahme bildete gestern das Regime-nahe Internet-Portal «The Arab Source», das ausführlich über Armeeerfolge und Rückschläge nördlich von Hama berichtet. 33 Soldaten seien von den Rebellen getötet worden. Bei heftigen Abwehrgefechten habe die Armee neun T-72 Panzer sowie gepanzerte Truppentransporter verloren.

Ungewöhnlich hohe Verluste

Mitverantwortlich für die ungewöhnlich hohen Verluste der Assad-Armee ist nach Informationen der New York Times ein von der CIA ausgebildeter Syrer mit dem Spitznamen «Tow King». Kein anderer Aufständischer kann die drahtgelenkte amerikanische «Tow»-Panzerabwehr-Rakete so perfekt bedienen wie er. Seine Trefferquote, hiess es, liege bei über 90 Prozent. Bezahlt werden die Tow-Raketen von Saudi-Arabien. Geliefert werden sie über türkisches Territorium.

Militärbeobachter in Beirut sind sich einig, dass die Rebellen die Erfolge in diesem Jahr vor allem dem Einsatz der amerikanischen Panzerabwehrwaffe zu verdanken haben. Weder Syrien noch der russische Verbündete habe Mittel zur Entschärfung der Tow-Rakete gefunden, die auch von Kämpfern des Kaida-Ablegers Nusra-Front eingesetzt wird. Über 100 syrische Panzer der russischen T-Serie seien in diesem Jahr bereits in Brand geschossen. Die Tow-Rakete sei ähnlich effizient wie einst die amerikanische Stinger-Boden-Luft-Rakete, der die afghanischen Mudschaheddin ihren Sieg über die Russen zu verdanken haben. Es ist daher kein Wunder, dass auch die syrischen Rebellen jetzt Stinger-Raketen fordern, um sich gegen die russische Luftwaffe zu wehren.

Soweit wird es vermutlich nicht kommen. Auch ohne den Einsatz von Stinger-Raketen droht der Bürgerkrieg in Syrien weiter zu eskalieren. Russische Kampfflugzeuge werden auch weiterhin «hart» an der Grenze zur Türkei fliegen, um Nachschublieferungen des türkischen Geheimdienstes an die Rebellen zu verhindern. Diese können sich auf türkisches Territorium zurückziehen, ihre Offensiven dort vorbereiten. Verletzte Rebellen werden in türkischen Spitälern gesund gepflegt. Damit nimmt das Nato-Mitglied Türkei aktiv am Krieg in Syrien teil. Je länger er dauert, desto grösser ist die Chance einer direkten Konfrontation zwischen Russland und dem Nato-Land Türkei, die über ein einfaches Abfangmanöver von Ankaras Luftwaffe hinausgeht.

Nächste Offensive folgt

Nach den Rückschlägen bei Hama startete die syrische Armee gestern eine weitere Grossoffensive in der gleichnamigen Provinz. Ziel ist die Rückeroberung der strategisch wichtigen Ghab-Ebene, welche die Grenze zur Provinz Latakia bildet. Beide Seiten prahlten gestern Nachmittag mit Erfolgen. Syrische Rebellen meldeten den Abschuss eines russischen Helikopters. Auch ein russischer Marine und mehrere Iraner seien in der Provinz Hama getötet worden. Der syrische General Ajub sieht dagegen die Rebellen durch russische Bombardierungen geschwächt.