Trotz Coronavirus: Ferien an der Ostseeküste und Golfen in Bayern

Deutschlands Bundesländer setzen Angela Merkel unter Druck.

Christoph Reichmuth aus Berlin
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Angela Merkel wünscht sich eine einheitliche Strategie.

Angela Merkel wünscht sich eine einheitliche Strategie. 

Keystone

Punkto Coronalockerungen scheint Bundeskanzlerin Angela Merkel die Zügel aus der Hand zu geben. Verschiedene Bundesländer preschen in diesen Tagen entgegen dem Willen Berlins mit eigenen Lockerungen vor.

Mecklenburg-Vorpommern will schon Ende Mai wieder Ferien an der Ostseeküste erlauben, Niedersachsen öffnet am Montag einen Teil seiner Restaurants, Nordrhein-Westfalen will die Kleinsten wieder in die Kita schicken, in Bayern soll man wieder golfen und Tennis spielen dürfen und Sachsen-Anhalt erlaubt Treffen von kleinen Menschengruppen.

Merkel, die für Deutschland am liebsten eine einheitliche Linie in der Coronakrise gefahren wäre, kann das nicht passen. Schon vor zwei Wochen hatte sie sich in CDU-internen Debatten über die «Öffnungsdiskussionsorgien» aufgeregt.

Doch die Rufe nach einem raschen Ausweg aus dem Lockdown werden inzwischen auch in ihren eigenen Parteireihen lauter. Deshalb berät Merkel heute mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer das weitere Vorgehen in der Coronakrise. Mit weiteren Lockerungen etwa in der Gastronomie oder im Sport ist zu rechnen. Anzeichen gibt es etwa dafür, dass Geisterspiele in der Fussball-Bundesliga ab dem 15. Mai wieder möglich sein sollen.

Laut der Zeitung «Bild» will Merkel neue Lockerungen aber nur unter Vorbehalt zustimmen. Die Kanzlerin fordert eine Art Obergrenze für Infektionszahlen. Sollte ein Landkreis innerhalb von sieben Tagen mehr als 35 Neuinfektionen auf 100'000 Einwohner verzeichnen, muss der jeweilige Landkreis zu den Beschränkungen zurückkehren, die am 20. April in Kraft waren.