Hochzeit
Trotz Hochzeit: In Monaco ist nicht mehr alles Gold, was glänzt

In einer Woche heiratet Fürst Albert II. die Südafrikanerin Charlene – im prunkvollen Monaco. Doch die besten Jahre Monacos sind vorbei.

Stefan Brändle, Paris
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Fürst Albert II. und Charlene
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Fürst Albert II. und Charlene gut angezogen an der Red-Cross-Gala
Fürst Albert II. und Charlene
Charlene einmal anders mit ihrer sportlichen Figur
Monaco ist bereit für die Mega-Hochzeit
Monaco ist bereit und hat sich herausgeputzt
Souvenirs von der Hochzeit - alles Mögliche ist zu haben
Fürst Albert II. heiratet bald die Südafrikanerin Charlene

Fürst Albert II. und Charlene

Das waren noch People! Auf dem «Felsen», wie die Monegassen ihren Zwergstaat nennen, verkehrten Weltstars wie die Callas oder Sinatra; Onassis war ohnehin da, denn ihm gehörte das Casino von Monte-Carlo.

Am Blackjack-Tisch spielte der ägyptische Monarch Faruk: Einmal sagte er vier Könige an, konnte dann aber nur deren drei vorweisen; zur Erklärung meinte er: «Der vierte König bin ich.» Die Monegassen schauten über solche Schummeleien hinweg.

Monaco, der «sonnige Ort für lichtscheue Gestalten» (Somerset Maugham), florierte dank seinen Schönen und Reichen. Ein halbes Jahrhundert sorgte der schlitzohrige Patriarch Rainier III. dafür, dass seine Untertanen von Glitzer, Glamour und Geldwäsche lebten. Schon seine Heirat mit Grace Kelly 1956 war ein genialer Image-Coup gewesen. Die Roulettekugel rollte, die Banksafes füllten sich - womit, fragte niemand.

Björn Borg und Boris Becker lebten steuerfrei; und die Fürstentöchter Stephanie und Caroline liebten noch freier im einzige Land der Erde, das den Katholizismus zur Staatsreligion hat.

Noch glänzt Monaco

Und heute? Noch glänzt Monaco bei jedem Grand-Prix der Formel 1, und jeden Sommer strömen die Touristen auf den Platz vor dem Casino, wo die Ferraris nonchalant in der Sonne parken. Seit Rainiers Tod 2005 hat sich der Pulsschlag des Fürstentums unter dem blassen, korrekten und fleissigen Albert etwas verlangsamt.

Auch der 53-jährige Fürst wird dem Reich nun eine Traumhochzeit bescheren; die Paparazzi beschäftigen und, wer weiss, gar den Stammbaum der Grimaldis verlängern - seine südafrikanische Braut Charlene ist schliesslich erst 33. Die Zukunft scheint also gesichert in Monaco, wo das Durchschnittseinkommen mit 222 000 Dollar noch heute höher liegt als in jedem anderen Land.

Und doch. Hinter dem Reichtum grassiert eine strukturelle Krise. Auch in Monaco ist nicht mehr alles Gold, was glänzt. Das berühmteste Casino der Welt arbeitet heute defizitär. Anfang Jahr traten die Croupiers in den Streik, um bessere Arbeitsbedingungen zu verlangen.

Die Roulette-Tische tragen nur noch drei Prozent zum Staatshaushalt bei. 50 000 Euros zahlt man für eine Wohnung in Montecarlo ab und zu - pro Quadratmeter, versteht sich. Doch die Hälfte der Wohnungen stehen meist leer. Die Briefkasten- oder Zweitwohnungen bringen dem Staat nicht viel ein.

Keine Steuern

Monaco kennt keine Einkommens- und Vermögenssteuern; seine Haupteinnahmequelle ist die Mehrwertsteuer. Sie bringe drei Viertel der Staatseinnahmen, betont Albert, der Monaco vom Ruch eines obskuren Steuerparadieses befreien wird.

Die Einnahmen genügen aber nicht mehr: Das Haushaltdefizit von 94 Millionen Euro ist immerhin nicht dramatisch; die Kapitalzinsen des Grimaldi-Vermögens, auf 1,3 Milliarden Euro geschätzt, kommen vermutlich dafür auf.

Trotzdem geht die Rechnung im Staate Monaco nicht mehr auf. Der Finanzplatz hat in den letzten Jahren gelitten. Ein französischer Parlamentsbericht zwang Rainier, die Geldwäschepraktiken zu unterbinden. Sein Sohn Albert II. musste auch die Steuerflucht einschränken, damit die OECD das Fürstentum von der grauen Liste unkooperativer Steueroasen strich.

Der politisch aufgeschlossene Fürst verlagert nun die Gewichte. Er wertet den Fremdenverkehr massiv auf. Neue Docks bieten Platz für mehrere Ozeandampfer. Das Ozeanographische Museum, die Formel-1, Zirkusfestivals, die Altstadt, die Casinos, eine Reihe legendärer Hotels wie das Hermitage sollen die Reisenden stärker noch als bisher anziehen. Schon heute beschäftigt der Tourismus Monacos mehr als doppelt soviel Leute wie der Finanzsektor.

Zusätzliches Land

Ausserdem will Albert dem Meer zusätzliches Land abringen lassen. Sogar Fabriken sind geplant Er denkt vor allem an Hightechfirmen aus dem Bereich des Umweltschutzes, dem er sich persönlich verschrieben hat.

Symbolischerweise wird seine Heiratskarosse über einen Hybridmotor verfügen. Das entspricht dem neuen Bild, das Albert von seinem Reich schaffen will: moderner und technologischer; weniger glamourös und geldfixiert, sondern grüner und globaler.

Ob sich diese Pläne rechnen werden, ist unsicher. Der Platz fehlt, gut ausgebildetes Personal ebenfalls. Und verliert Monaco nicht seinen Zauber und seine Anziehungskraft, wenn es zu einem mediterranen Disneyland oder Silicon Valley mutiert?