Kommentar

Trotz Trump: Die Abneigung der Europäer gegenüber Amerika ist unvernünftig

Analyse zur unvernünftigen Abneigung der Europäer gegenüber Amerika

Patrik Müller
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Patrik Müller.

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Für einen Moment schien wieder alles gut zu sein. Am TV konnte man am Montag live verfolgen, wie Königin Elisabeth II. und Donald Trump friedlich nebeneinander tafelten und wohlfeile Reden hielten. Er würdigte die Rolle der Queen während des Zweiten Weltkriegs, und sie betonte die Bande zwischen Grossbritannien und den USA: «Ich freue mich sehr, dass wir hier die Gelegenheit haben, die immense Bedeutung der Partnerschaft unserer beiden Länder zu demonstrieren.»

Heute und morgen werden wir wieder schöne Reden hören, denn gefeiert wird die Landung der alliierten Truppen in der Normandie vor 75 Jahren – der Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg, der zur Befreiung Europas von Hitlers Nazi-Terror führte. Die Ansprachen werden aber nicht darüber hinwegtäuschen können, dass die transatlantische Beziehung grundsätzlich in Frage gestellt ist. Denn der aktuelle US-Präsident mag Europa nicht, und Europa mag ihn nicht. Das hat mit seiner Persönlichkeit und mit seiner Politik zu tun: Der Rumpel-Politiker stieg aus dem Pariser Klimaabkommen aus, er kündigte das Atomabkommen mit Iran, er verteuerte europäische Exporte mit Strafzöllen. Und er will der Nato, dem transatlantischen Verteidigungsbündnis, US-Geld entziehen, da dieses Europa schütze, ohne dass dessen Staaten selber genug dafür bezahlen.

Mit dieser Nato-Kritik trifft Trump einen wunden Punkt: Die Europäer sind militärisch schwach, wie im Zweiten Weltkrieg sind sie im Notfall auf die US-Unterstützung angewiesen. Dies macht die Bedeutung eines guten transatlantischen Verhältnisses auch im Jahr 2019 offensichtlich – zumal in einer Zeit, in der Putins Russland zum Unruhestifter in Europa geworden ist. Doch sind sich die USA und Europa fremd geworden, oder bloss dessen oberste politische Vertreter?

Die Personifizierung der Weltpolitik hat Folgen, auch in der Schweiz. Letzte Woche ergab eine ETH-Studie, dass die Schweizer den USA als Führungsmacht immer weniger vertrauen. Jenem Land also, das vor 75 Jahren entscheidend half, auf unserem Kontinent die Nazis zu vertreiben. Die ETH-Wissenschafter führen den Image-Zerfall der USA auf Trump zurück. Besonders auffällig: Das Vertrauen in die aufstrebende Grossmacht China ist hierzulande nur noch unwesentlich tiefer als jenes in die USA. Das ist irrational. Trump hin oder her, aber mit den USA teilen wir dieselben Werte von Freiheit und Demokratie. China ist und bleibt eine Diktatur. Mit brutalsten Methoden agiert das kommunistische Regime auch heute und nutzt die neusten Technologien, um jeglicher Opposition die Luft abzuklemmen.

US-Aussenminister Mike Pompeo monierte gestern im Interview mit der NZZ zu Recht eine gewisse Naivität des Westens und ausdrücklich auch der Schweiz: «Es besteht die Gefahr, dass wir gegenüber China nicht wachsam genug sind und China eines Tages strukturelle Elemente der Weltwirtschaft besitzen wird – Elemente, die dann nicht westliche Werte spiegeln werden.» Der Schweizer Aussenpolitik muss man zugutehalten, dass sie keine systematische Anti-USA-Schlagseite hat. Der Empfang von Bundespräsident Ueli Maurer im Weissen Haus und das Treffen der beiden Aussenminister Mike Pompeo und Ignazio Cassis sind ein Zeichen der Unverkrampftheit. Diese fehlt den grossen europäischen Ländern wie Deutschland und Frankreich. Das dürfte so bleiben, solange Trump im Amt ist . Ganz zur Freude von China und Russland.