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Trump gibt den Kohle-Arbeitern neue Hoffnung

Aufbruchstimmung Eigentlich ist Sheriff Martin West nicht zu Scherzen aufgelegt. Soeben ist er von einer Beerdigung zurückgekehrt, in den neu bezogenen Hauptposten der Polizei des Verwaltungsbezirkes McDowell County im Bundesstaat West Virginia. Drogen, murmelt der Ordnungshüter, als nach der Todesursache gefragt wird. Was denn sonst. McDowell ist eines der Epizentren des amerikanischen Medikamenten-Missbrauchs – weil skrupellose Pharmakonzerne hier buchstäblich Millionen von Pillen absetzten. In keinem anderen Landstrich von West Virginia sterben derzeit, gemessen an der Bevölkerungszahl, so viele Menschen an einer Überdosis potenter Schmerzmittel, darunter besonders häufig junge, weisse Männer.

Jung ist Sheriff West zwar nicht mehr, er ist aber weiss. Und unverblümt räumt er ein, dass er im vergangenen November für den Republikaner Donald Trump gestimmt habe – weil er als ehemaliger Bergbau-Arbeiter die Nase voll von der Regierung von Präsident Barack Obama hatte. Und weil er mit Hillary Clinton, der demokratischen Anwärterin auf das Weisse Haus, nichts anfangen konnte. Hier verzieht der Sheriff kurz seinen Mund zu einem Grinsen und sagt: «Dabei sind wir doch Parteikollegen.» Denn West ist, wie die meisten Amtsträger in diesem Winkel, ein in der Wolle gewaschener Demokrat. Mit der nationalen Parteiführung aber, oder mit den Demokraten in Charleston, der Hauptstadt von West Virginia, hat der seit 2013 amtierende Sheriff nichts am Hut. Ganz im Gegenteil. Er macht seine Parteifreunde dafür verantwortlich, dass es McDowell County derzeit so schlecht geht. Schon vor Jahrzehnten hätten «Charleston» und «Washington» wirtschaftspolitisch Gegensteuer geben müssen, sagt West, weil absehbar gewesen sei, dass «König Kohle» nicht ewig regieren werde. Weil dies aber vergessen ging, traf die letzte Bergbau-Krise den Verwaltungsbezirk mit alter Wucht – als während der Amtszeit von Präsident Obama der Kohlepreis einbrach und die Bundesregierung zugleich die staatlichen Auflagen an Bergwerke erhöhte.

An der Hauptstrasse haben nur drei Geschäfte überlebt

Heute macht Welch, einst sicherlich eine malerische Ortschaft, einen bemitleidenswerten Eindruck. An der Hauptstrasse im Zentrum haben nur gerade drei Geschäfte überlebt: eine Apotheke, eine Anwaltskanzlei und ein Kleiderladen. Letzterer wird von Elaine LaCaria geführt, und im Gespräch stellt sich rasch heraus, dass auch sie ums Überleben kämpft. In den Augen LaCarias ist die lokale Wirtschaft mehr oder weniger zusammengebrochen. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: von den 6000 Stellen, die im Herbst 2011 im Verwaltungsbezirk gezählt wurden, sind noch knapp 4300 Jobs übriggeblieben. Selbst der lokale Wal-Mart musste im vorigen Jahr seine Türen schliessen. «Früher waren wir stolz, in McDowell County zu leben», sagt LaCaria – früher, als hier fast 100000 Menschen wohnten und Kohle aus West Virginia die amerikanische Industrie antrieb. «Heute schämen wir uns», für die verfallenen Gebäude an der Hauptstrasse, die Abfallberge in den Vorgärten, die Almosen. «Und niemand kann uns helfen, niemand – solange wir nicht bereit sind, in die Hände zu spucken.»

LaCaria sagt, es sei deshalb falsch, allzu grosse Erwartungen in die Regierung Trump zu setzen. Natürlich habe auch sie bemerkt, dass einige stillgelegte Bergwerke wieder Kohle förderten. Nun rumpelten mehr Schwertransporter durch die Hauptstrasse von Welch. «Das ist Musik in meinen Ohren», sagt die Ladenbesitzerin, denn letztlich profitiere jeder Bewohner des Bezirks von diesen neuen Aktivitäten. «Aber wir sollten nicht erneut den Fehler machen, uns zufrieden zurückzulehnen. Denn längerfristig werden uns die Politiker nicht helfen.» Gordon Lambert sieht dies, naturgemäss, etwas anders. Der gross gewachsene ehemalige Football-Spieler steht seit zwei Jahrzehnten an der Spitze der Regierung im Verwaltungsbezirk McDowell. Auch er ist Demokrat, und auch er hat im November Trump gewählt. Lambert ist mit der bisherigen Leistungsbilanz des Präsidenten sehr zufrieden. Seiner Meinung nach ist seit der Amtseinführung von Trump ein Ruck durch seinen Bezirk gegangen, weil der Präsident die Kohleförderung erleichtert habe. «Jetzt herrscht wieder Optimismus.»

Eine Schnellstrasse auf der Wunschliste

Nun hofft Lambert darauf, dass McDowell County Geld aus dem Infrastrukturprogramm bekommt, das der Präsident versprochen hat. Zuoberst auf seiner Wunschliste: der Bau einer Schnellstrasse ins 50 Kilometer entfernte Regionalzentrum Beckley, das heute nur über eine kurvige Bergstrasse erreichbar ist. Eine solche Verbindung würde die Ansiedlung von Industriebetrieben erleichtern. Ob Trump aber die Mittel für den Bau des Coalfield Expressway, wie die Strasse heisst, auftreiben wird, ist fraglich. Vorige Woche sagte sein Wirtschaftsberater an einer Veranstaltung in Washington: «Wir wollen gescheite Infrastruktur bauen», von der möglichst viele Menschen profitierten. McDowell County zählt noch 19000 Bewohner, Tendenz stark sinkend. Bald wird sich zeigen, ob dieser liebliche Flecken Erde wirklich einen Fürsprecher im Weissen Haus hat.

Renzo Ruf, Welch

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