Fragen & Antworten

Trump hat Corona: Was bedeutet das für den Wahlkampf? 7 Fragen und Antworten

US-Präsident Donald Trump und seine Frau Melania haben sich mit dem Coronavirus angesteckt. Das erklärte Trump am Freitagmorgen. Beiden gehe es soweit gut. Was seine Infektion bedeutet.

Fabian Hock
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Kann Trump weiter regieren?

Der Leibarzt des Präsidenten versicherte, Trump könne seine Amtsgeschäfte «ohne Unterbrechung» weiterführen. Trump und seiner Ehefrau Melania gehe es gut, während der Genesung würden beide vorerst im Weissen Haus bleiben, so Sean Conley. Ihnen stünden dort die «grossartigsten» medizinischen Experten zur Verfügung.

Öffentliche Auftritte des US-Präsidenten wie hier an einer Medienkonferenz in Washington dürfte es vorerst nicht geben: Donald Trump hat sich mit dem Coronavirus infiziert.

Öffentliche Auftritte des US-Präsidenten wie hier an einer Medienkonferenz in Washington dürfte es vorerst nicht geben: Donald Trump hat sich mit dem Coronavirus infiziert.

Chris Kleponis / Pool / EPA

Wie gefährlich ist die Infektion für den Präsidenten?

Trump habe nur «milde» Symptome, vergleichbar mit einer Grippe, sagte sein Stabschef Mark Meadows am Freitag im Weissen Haus. Der Präsident sei «guten Mutes» und an der Arbeit, versicherte Meadows. Eine Erkrankung mit Covid-19, die in den USA bislang gegen 208'000 Menschen das Leben kostete, könnte für den Präsidenten jedoch schlimme Folgen haben. Denn auch wenn er regelmässig mit seiner «hervorragenden» Gesundheit prahlt, zählt er doch zur Risikogruppe: Trump ist 74 Jahre alt und gilt mit rund 110 Kilogramm bei einer Grösse von 1,90 Meter als übergewichtig.

Was passiert, wenn der Präsident schwer erkrankt?

Donald Trumps Coronainfektion ist die schwerste gesundheitliche Gefährdung eines amtierenden US-Präsidenten seit dem Attentatsversuch auf Ronald Reagan im März 1981. (Reagan befand sich damals, zu Beginn seiner Amtszeit, fast zwei Wochen in Spitalpflege.) Sollte Trump tatsächlich so schwer erkranken, dass er seine Amtsgeschäfte nicht weiterführen kann, gibt es ein klares Protokoll: Zuerst würde, natürlich, der Vizepräsident übernehmen. Mike Pence steht bereit: Er gab am Freitag bekannt, sein Coronatest sei negativ ausgefallen. Aber was, wenn die Nummer zwei ebenfalls aufgrund einer schweren Krankheit ausfällt? Dann käme die Vorsitzende des Repräsentantenhauses zum Zug – Trumps erbittertste Gegnerin, die Demokratin Nancy Pelosi.

Wie hat sich Trump angesteckt?

Das ist unklar. Was man weiss: Zwei Personen im Umfeld von Trump haben sich infiziert. Da ist zum einen seine enge Beraterin Hope Hicks, die am Donnerstag positiv auf das Virus getestet wurde. Als dies (entgegen den Bestrebungen des Weissen Hauses) publik wurde, gab Trump bekannt, er werde sich in Quarantäne begeben. Und da ist Ronna Romney McDaniel, die Parteichefin der Republikaner. Sie trat zuletzt am Freitag der vergangenen Woche gemeinsam mit Trump auf, in ihrem Heimatstaat Michigan; am Mittwoch erfuhr McDaniel dann von ihrem positiven Testresultat.

Schadet Trump seine Ansteckung im Wahlkampf – oder nützt sie ihm sogar?

Trumps grösste Stärke ist das Bad in der Menge. Seine Reden vor Tausenden begeistern die Anhänger. Darauf wird er nun bis zu zwei Wochen lang verzichten müssen. Gerade in den politisch umkämpften Bundesstaaten könnte diese Zwangspause in der heissen Wahlkampf-Phase Spuren hinterlassen – so musste Trump Auftritte in Florida und Wisconsin am Wochenende absagen. Auch ein Ausflug in den Westen des Landes, für den Beginn der kommenden Woche geplant, wird wohl nicht stattfinden. Offen ist, wie die breite amerikanische Öffentlichkeit auf die Erkrankung Trumps reagieren wird. Normalerweise profitiert ein Präsident in solchen Momenten von einem Sympathiebonus. In einem tief gespaltenen Land wie Amerika allerdings kann Trump nicht darauf zählen, dass sich diese Anteilnahme positiv auf seine Wiederwahlchancen auswirken wird, obwohl natürlich die meisten Amerikaner hoffen, dass sich der Präsident rasch erholt. Hinzu kommt, dass ihm sein Gegner Joe Biden, der demokratische Präsidentschaftskandidat, schon lange vorwirft, er spiele die Gefahr, die vom Virus ausgehe, herunter. Nun haben unentschlossene Wählerinnen und Wähler einen weiteren Beweis dafür, dass dieser Vorwurf nicht aus der Luft gegriffen ist.

Was sagt Trump selbst?

Der Präsident äusserte sich vorerst nur auf Twitter: «@FLOTUS und ich wurden positiv auf COVID-19 getestet. Wir beginnen unsere Quarantäne und den Erholungsprozess umgehend. Wir stehen das ZUSAMMEN durch!»

Im Weissen Haus wurde am Freitag darüber diskutiert, ob sich Trump mit einer formalen Rede an die Nation wenden solle, um die nervösen Gemüter zu beruhigen. Bis zu Redaktionsschluss dieser Ausgabe allerdings meldete sich der Präsident, der sich in den privaten Räumlichkeiten des Weissen Hauses aufhielt, nicht zu Wort.

Welche Auswirkungen hat Trumps Infektion auf den Wahlkampf seines Rivalen?

Im Gegensatz zum Präsidenten verzichtete Joe Biden im Wahlkampf bisher weitgehend auf Grossanlässe – weil die Gesundheitsexperten stark von solchen Auftritten während einer Pandemie abrieten. Der Demokrat, 77 Jahre alt, trägt zudem in der Öffentlichkeit häufig eine Maske. Der demokratische Präsidentschaftskandidat meldete am Freitag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, dass er «glücklich» darüber sei, dass weder er noch seine Gattin Jill sich mit dem Virus infiziert hätten. Auch bedankte er sich bei seinen Unterstützern, die sich bei ihm um seine Gesundheit erkundigt hätten.

Biden hatte am Freitag einen Wahlkampfauftritt in Michigan geplant. Vorerst war unklar, ob er an diesen Plänen festhalten werde. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter wünschte Biden seinem Rivalen und der First Lady aber eine rasche Genesung.

Boris Johnson, Silvio Berlusconi und Jair Bolsonaro

Boris Johnson: «Verdanke ihnen mein Leben»

Grossbritanniens Premierminister Boris Johnson, 56, war bereits im Frühjahr an Covid-19 erkrankt und musste zeitweise auf der Intensivstation behandelt werden. Ähnlich wie Trump nahm es Johnson zu Beginn mit der Coronadisziplin nicht so genau. Doch seine schwere Erkrankung läuterte den Briten: «Ich kann ihnen nicht genug danken», sagte er kurz nach seiner Entlassung von der Intensivstation über seine Ärzte und Pfleger. «Ich verdanke ihnen mein Leben.» (dpa)

Silvio Berlusconi: Geburtstag in der Isolation

Der ehemalige italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi feierte kürzlich seinen 84. Geburtstag – in Quarantäne. Berlusconi war nach seiner Covid-19-Erkrankung vor mehr als zwei Wochen aus dem Spital entlassen worden. Insgesamt zehn Tage verbrachte er im Krankenhaus. «Das Härteste waren die ersten drei Tage. Ich hatte überall Schmerzen, ich konnte nicht länger als eine Minute in der gleichen Position bleiben. Ich hatte Angst, es nicht zu schaffen», sagte er über seine Infektion. (fho)

Jair Bolsonaro: Beliebt dank Corona

Seine Coronapolitik hat sich für den brasilianischen Präsidenten ausgezahlt: Die grosszügige Verteilung von Coronahilfen, die vor allem ärmeren Landsleuten zugutekommen, liessen Jair Bolsonaros Popularitätswerte zuletzt kräftig steigen. Aber nicht nur das: Bolsonaro, der das Virus immer wieder verharmlost hatte, steckte sich im Juli selbst an. Nach überstandener Infektion konnte er sich bereits – wie übrigens auch Boris Johnson – über steigende Beliebtheitswerte freuen. (fho)

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