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Trump knüpft sich Merkel vor

Der US-Präsident attackiert Bundeskanzlerin Angela Merkel frontal und fordert die sofortige Erhöhung des Militär-Budgets auf zwei Prozent der Wirtschaftsleistung.
Remo Hess, Brüssel
Die Mymik spricht Bände - Angela Merkel traf heute in Brüssel auf einen wütenden Donald Trump. (Bild: Markus Schreiber/AP)

Die Mymik spricht Bände - Angela Merkel traf heute in Brüssel auf einen wütenden Donald Trump. (Bild: Markus Schreiber/AP)

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg meint von sich, einen ­guten Draht zu Donald Trump zu haben und zu wissen, wie man mit dem US-Präsidenten umgehen muss. So auch heute Morgen, als er Trump in der US-Botschaft in Brüssel zu einem Arbeitsfrühstück vor dem eigentlichen Nato-Gipfel getroffen hat. Es sei Trump zu verdanken, dass die Nato-Alliierten ihre Militär-Budgets im vergangenen Jahr um 40 Milliarden Dollar aufgestockt hätten, versuchte Stoltenberg dem US-Präsidenten zu schmeicheln.

Doch dieser war nicht auf Harmonie aus. Im Gegenteil: Das sei noch lange nicht genug, sagte Trump und setzte zu einer Wutrede an. Darin nahm er vor allem die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ins Visier. Nicht nur, dass die Deutschen ihre Verteidigungsausgaben umgehend auf die vereinbarten zwei Prozent der Wirtschaftsleistung zu steigern hätten. Trump: «Es ist sehr unangemessen, dass Deutschland massive Gas-Deals mit Russland macht, während von uns erwartet wird, es gegen Russland zu verteidigen.» Er sprach damit die neue Gas-Pipeline «Nordstream 2» an, die russisches Gas über die Ostsee direkt nach Deutschland bringen soll. «Milliarden und Milliarden» würde Berlin nach Moskau pumpen, während die USA es genau gegen dieses Moskau schützen solle. «Erklären Sie das», sagte Trump an die Adresse Stoltenbergs.

Stoltenberg hält dagegen

Der verdutzte Norweger versuchte dagegenzuhalten und die Wogen zu glätten. Es sei in einer Allianz von 29 Staaten normal, dass es zu verschiedenen Ansichten komme. Wichtig sei, dass sich die Nato um ihren Kernauftrag der gemeinsamen Verteidigung versammle. Selbst während des Kalten Krieges hätten Nato-Staaten mit Russland Handel ­betrieben, versuchte Stoltenberg zu relativieren. Doch damit drang er bei Trump nicht durch. Handel und Energie seien zwei vollkommen unterschiedliche Sachen. Deutschland sei ein «Gefangener» und «total von Russland kontrolliert», setzte Trump noch einen drauf.

Tatsächlich trifft der US-Präsident mit seiner Kritik einen Punkt, wo ihm viele europäische Staaten zumindest inhaltlich ­zustimmen würden. So fürchten etwa auch Polen und die baltischen Staaten das Nordstream-Projekt, weil sie als Transitländer umgangen und kurzerhand von der Energieversorgung abgeschnitten werden könnten. Ratspräsident Donald Tusk sagte erst noch am Dienstag, dass er Nordstream 2 für falsch halte.

Angela Merkel war bei ihrer Ankunft auf dem Nato-Gipfel auf Gegenwehr bedacht. Sie habe selber einen Teil ihres ­Lebens unter sowjetischer Fremdbestimmung verbracht und sei froh, dass Deutschland in Freiheit vereint sei und eine «eigenständige Politik» machen könne, antwortete sie Trump. Selbstbewusst betonte sie, Deutschland verdanke der Nato sehr viel, leiste als zweitstärkster Truppensteller aber auch sehr viel. Nach ihrem bilateralen Meeting mit Trump am Nachmittag zeigte sich dieser dann auch plötzlich wieder viel freundlicher. Sie hätten ein «grossartiges» Treffen gehabt, und er pflege ein «sehr, sehr gutes Verhältnis zur Kanzlerin». Trotzdem: Der atmosphärische Flurschaden war angerichtet.

Bedenken vor Treffen Trump-Putin

Völlig in den Hintergrund rückte, dass die Nato-Mitglieder per gemeinsamer Schlusserklärung die transatlantische Partnerschaft weitgehend gestärkt haben. Unter anderem wurde die Einrichtung einer Bereitschaftsinitiative beschlossen, wonach 30000 Soldaten innert 30 Tagen mobilisiert werden sollen. Die Nato-Staaten bekräftigten ausserdem noch ­einmal ihr «uneingeschränktes Bekenntnis» zu dem «Zwei-Prozent-Ziel».

Ob das Gipfeltreffen wegen Trumps verbalen Querschläger als Misserfolg gewertet werden muss, hängt zuletzt auch vom Ausgang seiner Begegnung mit Wladimir Putin am kommenden Montag ab. Die Befürchtungen sind gross, Trump könnte die russische Annexion der Krim-Halbinsel indirekt goutieren oder ­Putin sonstige Zugeständnisse machen. Zusätzlich für Nervosität sorgte, dass Trump offenbar vorhat, den russischen Präsidenten auch unter vier Augen, also ohne die Präsenz jeglicher Berater, zu treffen. Was die beiden dann vereinbaren könnten, mag sich niemand so recht vorstellen.

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