Trump mit Coronavirus infiziert: «Die grösste Gefährdung für einen US-Präsidenten und eine Regierung in Jahrzehnten»

Donald Trump wurde positiv auf das Coronavirus getestet. Für den US-Präsidenten ist dies in vielerlei Hinsicht gefährlich: Der 74-Jährige gehört zur Risikogruppe. Auch droht ihm, dass seine Infektion eine negative Auswirkung auf seinen Wahlkampf haben wird.

Kevin Capellini
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US-Präsident Donald Trump besteigt die Air Force One.

US-Präsident Donald Trump besteigt die Air Force One.

Keystone

US-Präsident Donald Trump wurde in der Nacht auf Freitag positiv auf das Coronavirus getestet. Auch seine Frau Melania, die First Lady, ist an Covid-19 erkrankt, das bestätigte der Leibarzt des Weissen Hauses. Für den Präsidenten kommt diese Nachricht mehr als ungelegen: Er befindet sich mitten in der heissen Phase des US-Wahlkampfs.

Weiterführung der Amtsgeschäfte

Aus gesundheitlicher Sicht ist die Diagnose durchaus besorgniserregend: Trump ist 74 Jahre alt, übergewichtig und ernähre sich ungesund. Er gehöre daher gleich mehrfach zur Hoch-Risikogruppe, schreiben US-Medien. Ein schlimmer oder komplizierter Verlauf der Coronavirus-Erkrankung sei daher möglich.

Dieser Umstand führe dazu, dass Trumps Erkrankung die wohl «grösste Gefahr für einen amtierenden US-Präsidenten in Jahrzehnten» darstelle. Zwar versicherte der Leibarzt des Weissen Hauses, Sean Conley, zügig, dass der Präsident seine Pflichten ohne Unterbruch erfüllen könne». Doch bereits in der Nacht auf Freitag wurde in US-Medien darüber diskutiert, wie es im Falle eines schweren Verlaufs des Präsidenten weitergehen könnte.

Denn nicht nur der Präsident gehört zur Risikogruppe, sondern auch sein Stellvertreter, Vize-Präsident Mike Pence, ist mit 61 Jahren nicht mehr der Jüngste. Beide hatten am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz Kontakt. Auch der Gesundheitsminister und die Bildungsministerin waren beim Treffen anwesend. Mehrere hochrangige Angestellte des Weissen Hauses waren ebenfalls anwesend und hatten auch in den folgenden Tagen Kontakt zu Trump und Pence. Ansteckungen untereinander wären also möglich.

Die «Chain of Command»

Präsident Donald Trump, Vize-Präsident Mike Pence und Sprecherin Nancy Pelosi. Archivbild.

Präsident Donald Trump, Vize-Präsident Mike Pence und Sprecherin Nancy Pelosi. Archivbild.

Keystone

Der Gesundheitsexperte Jonathan Reiner empfiehlt der Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sich sofort zu isolieren. Als Sprecherin ist sie die Nummer drei in der «Chain of Command» – nach Trump und Pence.

Im Fall einer Erkrankung in Folge einer Corona-Infektion von US-Präsident Donald Trump und Vizepräsident Mike Pence, bei dem bisher noch nicht bekannt ist, ob er infiziert ist, wäre es möglich, dass Pelosi ad interim die Regierungsverantwortung übernehmen müsste. Nur: Pelosi selber ist 80 Jahre alt und gehört ebenfalls zur Hoch-Risikogruppe.

Über den genauen Ablauf dieses Szenarios wird in den USA aktuell diskutiert. Die US-Verfassung regelt klar, dass im Fall des Todes des Präsidenten und des Vizepräsidenten die Sprecherin des Repräsentantenhauses die Regierungsverantwortung übernimmt. Strittig ist, was passiert, wenn – im Worst-Case-Szenario – beide Männer beatmet werden müssten und so den Amtsgeschäften zeitweise nicht nachkommen könnten.

Diese Ungewissheit liess dann auch die Börsen taumeln: Die europäischen Börsen öffneten am Freitagmorgen etwa ein Prozent tiefer als am Vortag. Für die Wall Street gelten ähnliche Prognosen, wenn die Börse im Verlauf des Tages eröffnet.

Notfallplan aktiviert: USA lassen «Doomsday Plane» starten

Bevor die Nachricht von Donald Trumps Coronavirus-Infektion bekannt wurde, wurde von der US-Regierung der Notfallplan ausgelöst um die Weiterführung der Regierungsgeschäfte zu garantieren. Dabei ging auch umgehend das sogenannte «Doomsday Plane» in die Luft. Bei dem Flugzeug handelt es sich um eine E-6B Mercury. Diese dient im Ernstfall als luftgestützter nuklearer Gefechtsstand für das Pentagon um Atomraketen zum Erst- oder Verteidigungsschlag abfeuern zu können, sollte dem Präsidenten der USA etwas zustossen. Dadurch soll die Regierung zu jedem Zeitpunkt handlungsfähig bleiben.
Keystone
Bevor die Nachricht von Donald Trumps Coronavirus-Infektion bekannt wurde, wurde von der US-Regierung der Notfallplan ausgelöst um die Weiterführung der Regierungsgeschäfte zu garantieren. Dabei ging auch umgehend das sogenannte «Doomsday Plane» in die Luft. Bei dem Flugzeug handelt es sich um eine E-6B Mercury. Diese dient im Ernstfall als luftgestützter nuklearer Gefechtsstand für das Pentagon um Atomraketen zum Erst- oder Verteidigungsschlag abfeuern zu können, sollte dem Präsidenten der USA etwas zustossen. Dadurch soll die Regierung zu jedem Zeitpunkt handlungsfähig bleiben.

Die Auswirkungen auf den Wahlkampf

Trumps Corona-Infektion kann jedoch nicht nur Auswirkungen auf seine Gesundheit haben, sondern auch auf den Wahlkampf: Am 3. November wählen die USA einen neuen Präsidenten. Trump und sein Kontrahent Joe Biden (77 Jahre alt) befinden sich mitten in der heissen Phase des Wahlkampfs. Polit-Experten in den USA und Europa prognostizieren, dass sich Trumps Wahlchancen nun verschlechtern könnten, da der Präsident während Wochen nun nicht mehr an Wahlkampfveranstaltungen teilnehmen kann.

Alleine am Freitag und am Samstag hätte Trump an vier Wahlkampf-Events teilgenommen: Einem Treffen mit Unterstützern in Washington, einer Veranstaltung in Sanford (Florida ist als sogenannter Swing-State besonders wichtig), und an zwei Auftritten im politisch hart umkämpften Bundesstaat Wisconsin. Es ist daher möglich, dass Trumps zwingende Isolation seine Kampagne in den kommenden Wochen kollabieren lassen könnte.

Bei den Buchmachern wird Donald Trump im Schnitt mit einer Wahrscheinlichkeit von 31 Prozent eine Wiederwahl zugetraut. Vor Bekanntgabe seines positiven Coronatests lag Wahrscheinlichkeit für eine Wiederwahl Trumps im Schnitt bei 39 Prozent bis 45 Prozent. Bei politischen Kommentatoren lautet der Tenor daher bereits jetzt: «Trump droht ein politisches Debakel.»

Trump und Biden hatten diese Woche Kontakt

Trump und Biden beim gemeinsamen TV-Duell am Dienstagabend.

Trump und Biden beim gemeinsamen TV-Duell am Dienstagabend.

Keystone

Mit Trumps Infizierung stellt sich nun auch die Frage, welche Gefahr für den demokratischen Widersacher Joe Biden ausgeht. Die beiden trafen am Dienstagabend bei einer TV-Debatte sowohl vor der Kamera als auch hinter der Bühne aufeinander.

Zwar hielten die beiden Männer Abstand und verzichteten auf das Händeschütteln, trotzdem könne eine mögliche Ansteckung nicht ausgeschlossen werden – die Wahrscheinlichkeit sei aber eher gering. Trotzdem sei es zentral, dass nun auch Joe Biden und sein gesamter enger Stab vorerst in Quarantäne gehen und auf ihre Testresultate warten würden, sagte der Gesundheitsexperte Sanjay Gupta im US-Fernsehen.