USA
Trump-Mitarbeiterinnen angefeindet: Der Tonfall wird schärfer

Nachdem der Sprecherin von Präsident Trump in einem Restaurant die Bedienung verweigert wurde, debattiert Amerika über den Zerfall der Sitten.

Renzo Ruf, Washington
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Nicht bedient und beschimpft, weil sie für Trump arbeiten: Sarah Sanders (l.) und Kirstjen Nielsen.

Nicht bedient und beschimpft, weil sie für Trump arbeiten: Sarah Sanders (l.) und Kirstjen Nielsen.

Reuters

Amerika macht sich zunehmend Sorgen über den Zerfall der politischen Sitten und den gehässigen Ton, in dem Debatten ausgetragen werden. Anlass für diese (neuerliche) Gewissensforschung: eine Reihe von emotionalen Konfrontationen zwischen hochrangigen Republikanern und linken Aktivisten, die sich in den vergangenen Tagen abgespielt haben. So musste Sarah Huckabee Sanders, die Sprecherin von Präsident Donald Trump, am Freitagabend ein kleines Restaurant im Städtchen Lexington (Virginia) verlassen, weil sich die Besitzerin geweigert hatte, sie zu bedienen.

Auch waren die Sicherheitsministerin Kirstjen Nielsen und der einflussreiche Präsidentenberater Stephen Miller vorige Woche in Restaurants in Washington von Demonstranten beschimpft worden. Nielsen wurde mit Sprechchören wie «Schande! Schande!» eingedeckt; und ein Demonstrant beklagte sich darüber, dass die Sicherheitsministerin, die für eine harte Einwanderungspolitik einsteht, ausgerechnet ein mexikanisches Restaurant ausgewählt hatte.

«Triumph für Trumps Vision»

Die Demokratin Maxine Waters sagte am Samstag, sie unterstütze solche Auseinandersetzungen. An einer Mini-Demonstration in Los Angeles sagte Waters: «Wenn sie jemanden von diesem Kabinett in einem Restaurant, in einem Warenhaus oder an einer Tankstelle sehen, dann gehen sie raus und sorgen dafür, dass ein Auflauf entsteht und dann wehren sie sich gegen sie und sie sagen ihnen, dass sie nicht mehr willkommen sind, nirgendwo.» Waters ist keine Hinterbänklerin; sollten die Demokraten bei der nationalen Wahl im November die Mehrheit im Repräsentantenhaus gewinnen, würde die seit 1991 amtierende Volksvertreterin den Vorsitz des einflussreichen Bankenausschusses übernehmen.

Umgehend meldeten sich Stimmen aus dem rechten und linken Lager zu Wort, die zu mehr Ruhe und Gelassenheit anmahnten, selbst wenn über emotionale Themen wie die Einwanderungspolitik diskutiert werde. So sagte David Axelrod, langjähriger Berater von Ex-Präsident Barack Obama – der einst über die Versöhnung des roten (republikanischen) und blauen (demokratischen) Amerikas gesprochen hatte: «Dies ist ein Triumph» für Trumps Vision von Amerika. Die Besitzerin des Restaurants in Lexington hingegen widersprach im Gespräch mit der «Washington Post». Stephanie Wilkinson sagte: Dies fühle sich an wie ein Moment in der langen Geschichte der amerikanischen Demokratie, «in dem Menschen unangenehme Entscheidungen treffen müssen, um ihre Moral aufrechtzuerhalten.»

Natürlich musste sich auch Präsident Trump in die Debatte einmischen. Am Montag kritisierte er auf Twitter das Restaurant in Lexington, weil es angeblich «dreckig» sei. Und er verbreitete die Botschaft von Senator Marco Rubio aus Florida: «Trump-Hasser haben immer noch nicht begriffen, wie stark sie ihm helfen», wenn sie seine Anhänger herablassend behandelten.