Zuschauen auf eigene Gefahr: Donald Trump jubelt seinen Fans eine perfide Vertragsklausel unter

Social Distancing? Darauf pfeift der US-Präsident bei seiner ersten Wahlkampf-Rally am Samstag – und gefährdet damit auch sich selbst.

Samuel Schumacher
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Trump-Fans in Jacksonville, Florida, feierten am Sonntag den 74. Geburtstag des US-Präsidenten.

Trump-Fans in Jacksonville, Florida, feierten am Sonntag den 74. Geburtstag des US-Präsidenten.

Keystone

Donald Trump ist mächtig stolz: Fast eine Million Menschen wollten Tickets für seine Rally in Tulsa, Oklahoma, vom kommenden Samstag kaufen, twitterte der US-Präsident gestern. Platz bietet die Event-Halle in Tulsa aber «nur» 19'000 Trump-Fans. Auch das ist dem lokalen Gesundheitsdirektor allerdings schon ungeheuer: «Wir können die Teilnehmer nicht schützen – und wir können auch für die Gesundheit des Präsidenten nicht garantieren», sagte Bruce Dart der Zeitung «Tulsa World». Die Ansteckungsgefahr bei Grossveranstaltungen bleibt riesig und Social-Distancing-Massnahmen wird es keine geben in Tulsa.

Die Veranstalter der ersten Trump-Rally zu Coronazeiten sind sich der Gefahr durchaus bewusst. Wer sich für ein Ticket registriert, muss sich damit einverstanden erklären, im Fall einer Covid-19-Erkrankung weder Trump noch die Organisatoren zu verklagen.

«Wir können die Teilnehmer nicht schützen – und wir können auch
für die Gesundheit des Präsidenten
nicht garantieren.»

Doch während Trump so tut, als wäre alles wieder beim Alten, ist Amerika noch längst nicht über den Berg. Mit mehr als 117'000 Toten führen die USA die weltweite Coronastatistik nach wie vor an. Sogenannte «Super-Verbreitungs-Events» wie die anstehende Trump-Rally haben in den vergangenen Wochen zu einem Ausbruch von mehreren neuen Virenherden geführt. Insbesondere das Feiertagswochenende am «Memorial Day» Ende Mai liess die Ansteckungszahlen in rund einem Dutzend Bundesstaaten vergangene Woche in die Höhe schnellen. Die Bilder überfüllter Strände in Florida und voller Schwimmbäder in Missouri gingen um die Welt.

Besonders dramatisch ist die Lage im Bundesstaat Arkansas, dem Heimatstaat von Bill und Hillary Clinton, das seit dem «Memorial Day» am 25. Mai eine Verdreifachung von schwer Erkrankten verzeichnet und bald keine freien Spitalbetten mehr hat. «Wir werden in mehreren Bundesstaaten bald ähnliche Situationen sehen wie zuvor in New York, wo Spitäler mit der Pandemie völlig überfordert waren», sagte William Haseltine, Gesundheitsexperte der Harvard Medical School gegenüber «The Daily Beast».

Zum erneuten Anstieg der Ansteckungen dürften auch die Massenproteste beitragen, die nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd im ganzen Land ausgebrochen sind. Anthony Fauci, der US-Chefvirologe, sagte, die Protest würden dem Virus «perfekte Bedingungen» bieten. Ob Trump-Rally oder Anti-Rassismus-Demo: Das Virus ist neutral und nimmt, was es bekommt.