US-Wahlen
Trump versöhnt sich mit Fox News – und punktet trotz Sexismus

Der Multi-Milliardär Donald Trump und der TV-Sender «Fox News» haben «reinen Tisch» gemacht.

Renzo Ruf, Washington
Merken
Drucken
Teilen
«Amerika soll wieder grossartig werden» – Donald Trump.

«Amerika soll wieder grossartig werden» – Donald Trump.

KEYSTONE

Alles vergessen, alles verziehen. Donald Trump hat dem Nachrichtensender «Fox News» gestern Dienstag ein Interview gegeben – und damit einen Schlussstrich unter eine ausnehmend peinliche Auseinandersetzung gezogen, die sich der republikanische Präsidentschaftskandidat im Nachgang zur ersten Fernsehdebatte mit einer «Fox News»-Moderatorin geliefert hatte.

Das Interview kam zustande, nachdem sich Trump am Montag mit Roger Ailes ausgesprochen hatte, dem einflussreichen Geschäftsführer des erfolgreichsten Nachrichtensenders Amerikas. «Wir hatten ein unverblümtes, aber herzliches Gespräch», verkündete Ailes hernach. Er stehe weiterhin 100 Prozent hinter seiner Moderatorin, habe aber mit Trump «reinen Tisch gemacht».

Trump teilt aus

Hintergrund der Konflikts war ein Kommentar Trumps über die Moderatorin Megyn Kelly vom rechtskonservativen Sender Fox News. Sie hatte die erste TV-Debatte der republikanischen Präsidentschaftskandidaten am vergangenen Donnerstag mitmoderiert. Trump hatte ihr bereits kurz danach vorgeworfen, ihn unfair behandelt zu haben. Am Freitag äusserte sich Trump auf CNN erneut über die Moderatorin. Der Kommentar wurde so verstanden, als habe Trump die harten Fragen von Kelly darauf zurückgeführt, dass diese ihre Tage gehabt habe. "Man kann sehen, dass Blut aus ihren Augen herauskam, dass Blut wo auch immer bei ihr herauskam", sagte Trump. Daraufhin wurde der Milliardär sogar von einem bedeutenden Treffen seiner Partei am Wochenende ausgeladen.

Nun handelt es sich bei diesem Umfragen bloss um Momentaufnahmen. Aber Trump zeigt sich überzeugt davon, dass er der beste Kandidat im grossen Feld der Republikaner ist. In einem nächsten Schritt will der Multi-Milliardär nun seinen persönlichen Stab ausbauen – und Berater anstellen, die mit den Gesetzen des amerikanischen Wahlkampfs vertraut sind. Er wolle seine Botschaft aber nicht verwässern, versicherte Trump im Gespräch mit «Fox News» und sich auf sein eigentliches Ziel konzentrieren: «Amerika soll wieder grossartig werden.»

In einem zweiten Schritt möchte Trump zudem seine Positionsbezüge zu umstrittenen politischen Themen verdeutlichen. Am Dienstag sprach er deshalb über seine Strategie im Krieg gegen den Islamischen Staat, über eine radikale Reform des US-Steuerrechts und seine Haltung in Abtreibungsfragen. Während er die islamischen Terroristen buchstäblich in die Steinzeit zurückbombardieren würde, gibt er in sozialpolitischen Fragen den gemässigten Republikaner.

Ob sich seine Anhänger um solche Positionsbezüge überhaupt kümmern, ist allerdings offen. Trump ist auch deshalb populär, weil er mit Schlagworten operiert und dennoch (trotzdem?) viel Geld gescheffelt hat. Er verkörpert damit den Anti-Politiker – in einem Zeitalter, in dem Politiker höchst unbeliebt sind.