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Trump weist Amerikas Rolle als Weltpolizist zurück

Bei einem überraschenden Truppenbesuch im Irak bekräftigt US-Präsident Donald Trump seine neue Nahostpolitik – und löst eine heftige Kontroverse in Bagdad aus.
Micheal Wrase, Limassol
Trump spricht im Hangar eines US-Stützpunktes im Irak zu Soldaten. (Bild: Keystone/AP Photo/Andrew Harnik, 26. Dezember 2018)

Trump spricht im Hangar eines US-Stützpunktes im Irak zu Soldaten. (Bild: Keystone/AP Photo/Andrew Harnik, 26. Dezember 2018)

Dem Truppenbesuch von Donald Trump im Irak war, wie schon so häufig in seiner Amtszeit, ein handfester Streit vorausgegangen. Wenn er ihn treffen wolle, hatte der US-Präsident dem irakischen Premierminister Adel Abdul-Mahdi ausrichten lassen, dann müsse er schon zur Luftwaffenbasis Al-Asad kommen, die 160 Kilometer von Bagdad entfernt liegt. Abdul-Mahdi wollte seinen amerikanischen Gast dagegen in seiner Hauptstadt begrüssen. Ein Handschlag mit Trump in einer Kantine der US-Army kam für den Iraker nicht in Frage.

Trump fand das offenbar nicht weiter tragisch. Er telefonierte anstandshalber mit Abdul-Mahdi und lud ihn nach Washington ein, ehe er im Kreise von 100 ausgesuchten Soldaten seine neue Nahostpolitik verteidigte. Er habe ­seinen Generälen mehrfach eine weitere Truppenpräsenz von sechs Monaten in Syrien zugesagt. Diese Zeit sei nun endgültig abgelaufen. Der «viel zu lange Militäreinsatz» in dem Nachbarland werde daher jetzt zügig beendet.

Zusagen vom türkischen Präsidenten Erdogan

Den IS könne man auch vom Irak aus angreifen, wo die US-Armee ihre Stützpunkte behalten werde, präzisierte Trump. Auch vom Irak aus werde man so hart und schnell gegen den IS zuschlagen, dass der Terrormiliz Hören und Sehen vergehen werde. Zur ­Bekämpfung der Terrormiliz stünde zudem auch die türkische Armee bereit. Entsprechende Zusagen habe er von Präsident Recep Tayyip Erdogan erhalten, verkündete der US-Präsident sichtlich zufrieden.

Schliesslich könnten die USA «nicht weiter der Weltpolizist sein». Es sei nicht fair, wenn sämtliche Lasten von den Vereinigten Staaten getragen werden, lautete die Kernbotschaft von Donald Trump an die Bürger zu Hause und die Soldaten in der irakischen Wüste. Sie durften in dem weihnachtlich geschmückten Luftwaffenstützpunkt Selfies mit ihrem Präsidenten machen, bekamen Autogramme sowie überschwängliches Lob und Anerkennung. Es seien «unglaubliche Truppen», schwärmte Trump, der zwei Jahre gebraucht hatte, bis er sich zu einem Besuch bei seinen Truppen in einem Kampfgebiet durchringen konnte.

Im inzwischen befriedeten und ruhigen Bagdad löste die dreistündige Visite des amerikanischen Präsidenten dagegen wütende Proteste aus. Trumps Besuch sei eine «eklatante Verletzung der Souveränität des Irak», empörte sich Sabah al-Saadi. Der Anführer des vom Schiitenführer Moktada al-Sadr dominierten Islah-Blocks verlangte eine Dringlichkeitssitzung des irakischen Parlaments, um «das aggressive Vorgehen von Donald Trump zu stoppen». Der US-Präsident habe wohl nicht begriffen, dass die Zeit der amerikanischen Besatzung schon lange vorbei sei.

Alle diplomatischen Normen verletzt

Ins gleiche Horn stiess auch ein Sprecher des proiranischen Al-Bina-Blocks im Parlament. Mit seinem Besuch auf dem Stützpunkt habe Trump alle diplomatischen Normen verletzt und dem irakischen Volk und seiner Regierung erneut seine Verachtung demonstriert. Sollten die USA nach ihrem geplanten Truppenabzug in Syrien ihre Militärpräsenz im Irak verstärken wollen, werde man dies nicht zulassen.

Nach türkischen Medienberichten wollen die USA in den kommenden Monaten zwei neue Militärstützpunkte im Irak errichten. Dafür ausgewählt worden seien die Städte Rutba und Er-Rumana in der Provinz Anbar im Dreiländereck zwischen dem Irak, Jordanien und Syrien. Aufgabe der dort einmal stationierten Soldaten werde es sein, die irakische Armee bei der Grenz­sicherung zu unterstützen. Das Gebiet wurde bis vor 18 Monaten von der Terrormiliz IS kontrolliert, die laut Donald Trump «zu 99 Prozent» geschlagen wurde. Die meisten Experten bezweifeln das jedoch.

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