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Trump will kein Schwächling sein

Donald Trump attackiert den kanadischen Premierminister und lässt den G-7-Gipfel platzen. Der amerikanische Präsident will kurz vor dem Treffen mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un keine Schwäche zeigen.
Renzo Ruf, Washington
Donald Trump am G7-Gipfel in La Malbaie mit seinem Wirtschaftsberater Larry Kudlow (rechts). (Bild: Cole Burston/Bloomberg (9. Juni 2018))

Donald Trump am G7-Gipfel in La Malbaie mit seinem Wirtschaftsberater Larry Kudlow (rechts). (Bild: Cole Burston/Bloomberg (9. Juni 2018))

Auch am Tag danach kochte Larry Kudlow immer noch vor Wut. Was der kanadische Premierminister gemacht habe, komme einem «diplomatischen Verrat» gleich, einem «Betrug», einem «Dolchstoss», zürnte der Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump am Sonntagmorgen während eines Auftrittes in einer Gesprächssendung auf dem Nachrichtensender CNN. Justin Trudeau habe aus innenpolitischen Gründen versucht, eine Nummer abzuziehen, sagte Kudlow. «So benimmt man sich auf der Weltbühne nicht.»

Der Anlass für diesen gut inszenierten Zornesausbruch? Eine Stellungnahme von Trudeau an der Abschluss-Pressekonferenz des G-7-Gipfels am Samstag, wonach sich Kanada von seinem südlichen Nachbarn nicht länger herumkommandieren lasse und nötigenfalls amerikanische Importe mit Strafzöllen belege – falls die Regierung Trump nicht von ihrer konfrontativen Handelspolitik ablasse. Zum Zeitpunkt dieser Pressekonferenz allerdings hatten die G-7-Staaten bereits ihr Schlusscommuniqué veröffentlicht, und der amerikanische Präsident befand sich in der Luft, auf dem Weg zum Treffen mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un in Singapur.

Trump reagierte deshalb höchst ungehalten auf Trudeaus Kampfansage und sonderte (irgendwo zwischen Québec und Kreta, wo die präsidiale Maschine aufgetankt wurde) zwei Botschaften über den Kurznachrichtendienst Twitter ab. Nachdem Trump den Gipfel vor seiner Abreise aus Kanada noch als «höchst erfolgreich» bezeichnet hatte, beleidigte er Trudeau nun mit den Worten «sehr unehrlich» und «schwach» und kündigte an, dass die USA die Schlusserklärung des G-7-Gipfels nicht mehr unterstütze. Dies kommt einer historischen Premiere gleich. Bisher vermieden es die Mitglieder dieses exklusiven Klubs westlicher Industriestaaten, ihre Konflikte in der Öffentlichkeit auszutragen.

Kudlow sagte, Trump habe aus zwei Gründen zurückschlagen müssen. Erstens habe der kanadische Premierminister mit dieser Aussage sein wahres Gesicht gezeigt – nachdem die Amerikaner zuvor bei der Verfassung der Abschlusserklärung weitreichende Kompromisse eingegangen seien. Detail am Rande: Kudlow war Teil der US-Delegation und verhandelte mit Trudeau über einzelne Formulierungen. Dabei ging er allem Anschein nach so weit, dass ein anderer Wirtschaftsberater des Präsidenten das Communiqué am Sonntag als «sozialistisch» beschimpfte.

Viel wichtiger aber, sagte Kudlow, sei Grund Nummer zwei: Trudeau habe Trump just zwei Tage vor dem Gipfel mit Nordkorea blossgestellt – als habe der Kanadier versucht, die Bemühungen des Amerikaners zu sabotieren und ihn zu schwächen. «Das eine führt zum andern», sagte Kudlow, der – natürlich – versicherte, dass der amerikanische Präsident alles andere als ein Schwächling sei.

Streit mit dem wichtigsten Handelspartner

Auch wenn es sich dabei ein wenig um Theaterdonner handelte, wird dieser Punkt dem Weissen Haus in den nächsten aufregenden Stunden in Singapur noch einiges Kopfzerbrechen bereiten. Trump war nach Kanada gereist, um seinen Verbündeten das amerikanische Wirtschaftsmodell als Vorbild anzupreisen. Er soll in den G-7-Verhandlungen den anderen sechs Regierungschefs gar gesagt haben, dass er sich eine Freihandelszone zwischen den USA, Kanada, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien und Japan vorstellen könne, in der es keine Zölle und keine Subventionen gäbe. Nach dem Zusammenstoss mit Trudeau, dem Regierungschef des wichtigsten US-Handelspartners, steht er mit leeren Händen da. Dies könnte dazu führen, dass er sich gezwungen sieht, Nordkorea gegenüber Zugeständnisse zu machen – damit seine Auslandreise nicht in einem politischen Desaster endet.

Trump hatte am Samstag gesagt, er werde bereits in der ersten Minute seines Zusammentreffens mit Kim Jong Un wissen, ob er dem Nordkoreaner vertrauen könne. (Der Gipfel soll am Dienstag um 3 Uhr Schweizer Zeit beginnen.) Falls er keinen positiven Eindruck habe, dann werde er keine Zeit vergeuden und das Treffen beenden. Er vertraue seinem Bauchgefühl.

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