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Trumps Steilvorlage für die Hardliner

Seit dem Arabischen Gipfeltreffen von Kairo am 19. November tobt in den sozialen Medien ein Streit zwischen Palästinensern und Saudis. Unter dem Hashtag «Riyadh is more important than Jerusalem» werfen Letztere der fundamen­talistischen Hamas vor, «gemeinsame ­Sache mit terroristischen Hisbollah» zu machen und damit «den Arabern in den Rücken zu fallen». Der Streit war – und ist – ganz nach dem Geschmack der Herrscher in Riad, die bekanntlich den Iran als die Wurzel allen Übels sehen und klammheimlich begannen, ihre Mittelost-Politik mit Israel abzustimmen.

Die Pläne des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, Jerusalem endgültig als Hauptstadt Israels anzuerkennen, zwingen die Saudis nun, in der Jerusalem-Frage Farbe zu bekennen. Der «empörte» Saudi-König Salman erinnerte das Weisse Haus an die «historischen Rechte» der Palästinenser. Mit milden Worten warnte der «Hüter der heiligen Stätten von Mekka und Medina» vor einer Statusveränderung Jerusalems. Sehr viel deutlicher reagierte das haschemitische Königshaus in Jordanien, das als Minderheit im eigenen Land ein mehrheitlich palästinensisches Volk regiert.

Für den jordanischen König Abdullah sind jetzt «alle Optionen offen». Der Monarch muss dem Volkszorn freien Lauf lassen, um von seinen Untertanen nicht als Kollaborateur abgestempelt zu werden. Auch in Damaskus, Bagdad und Kairo sind Demonstrationen geplant, welche morgen ihren Höhepunkt erreichen werden. Obwohl der sogenannte Friedensprozess allenfalls noch auf dem Papier besteht, spielt «Al Quds al Sharif» – zu Deutsch: das heilige oder ehrwürdige Jerusalem – im Bewusstsein aller Muslime noch immer eine besondere Rolle.

Das wissen auch die Herrscher in der islamischen Welt, die immer dann eine Chance zur Profilierung sehen, wenn der Status von Jerusalem diskutiert und, wie jetzt von Trump, auf Kosten der Palästinenser verändert wird. Besonders laut tönte es aus Damaskus, wo die US-Pläne als «Krönung des Verbrechens der Usurpierung und Vertreibung des palästinensischen Volkes» verurteilt werden.

«Zeichen der Schwäche»

Bestätigt in ihrem Hass auf Israel und die USA sieht sich auch die islamische Geistlichkeit im Iran. Revolutionsführer Ali Khamenei wertete die Pläne des amerikanischen Präsidenten als «Zeichen der Schwäche». Sein Schritt werde die «Befreiung Palästinas von israelischer Besetzung aber nicht stoppen». Für den morgigen Freitag wurde die Bevölkerung ausdrücklich zu Massenprotesten aufgerufen.

Für den Iran bietet die Debatte um den Status der allen monotheistischen Religionen heiligen Stadt eine hervorragende Gelegenheit, sich einmal mehr als «wahrer Verteidiger» von Jerusalem zu präsentieren. Eine solche wittert auch der türkische Präsident Recep Tayyip ­Erdogan, der am Dienstag mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Israel drohte.

Dass das türkische Staatsoberhaupt den US-Präsidenten an Jerusalem als «rote Linie der Muslime» erinnerte, ist nicht nur populistische Rede. Nicht zum ersten Mal präsentierte sich Erdogan als Sprecher oder «Sultan» aller Muslime. Dieser war – allerdings vor gut 100 Jahren – auch der Hüter der heiligen Stätten in Jerusalem.

Michael Wrase, Limassol

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