Kongress-Rede
Trumps ungewöhnlicher Tweet – und was Tochter Ivanka damit zu tun hat

Der Tag nach Trumps Rede vor dem Kongress ist geprägt von Optimismus. Einen grossen Anteil am überraschend sanften Auftritt des Präsidenten soll seine Tochter Ivanka Trump gehabt haben.

Corsin Manser
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Ivanka Trump während der Rede ihres Vaters am Dienstagabend. Rechts ihr Ehemann Jared Kushner.

Ivanka Trump während der Rede ihres Vaters am Dienstagabend. Rechts ihr Ehemann Jared Kushner.

EPA

Das dürfte sich gut angefühlt haben. Nach über einem Monat im Amt durfte Donald Trump gestern Morgen die Zeitungen aufschlagen und wurde dabei nicht gleich vom Schlag getroffen. Für einmal hagelte es nicht scharfe Kritik, sondern Anerkennung für eine bemerkenswert präsidiale Rede.

Und da passierte etwas Ungewöhnliches. Donald Trump bedankte sich. Auf der Twitter-Timeline des Präsidenten, wo sonst um die frühen Morgenstunden bereits die ersten Schimpftiraden gegen die Presse zu lesen sind, stand in Grossbuchstaben «THANK YOU!»

Nicht nur der Präsident hatte gute Laune gestern, auch an der Wall Street lief das Geschäft. Bange hatte man an den Finanzmärkten auf die Rede des Präsidenten gewartet, nun hat der souveräne Auftritt Trumps den Dow Jones Index erstmals auf über 21'000 Punkte gehievt. Auch der Schweizer Leitindex SMI schloss auf einem Jahreshoch.

Witwe instrumentalisiert?

Dies hielt Trumps Kritiker aber nicht davon ab, auch auf die problematischen Punkte seines Auftritts aufmerksam zu machen. Kritisiert wurde unter anderem, dass der Präsident bisher noch keine konkreten Vorschläge dazu machte, wie er Obamacare ersetzen möchte. Auch wird stark bezweifelt, ob Trumps Steuersenkungen, der Bau der Mauer und die erhöhten Militärausgaben finanziell überhaupt tragbar sind.

Einige warfen dem Präsidenten zudem vor, dass er die Witwe des verstorbenen Navy SEAL für seine Zwecke ausgenutzt habe. Beim Einsatz im Jemen, wo der gestern Gewürdigte verstorben war, sei lange nicht alles so heroisch abgelaufen, wie Trump es verkündet habe.

Mächtige Präsidententochter

Am Tag nach der grossen Rede wurden auch Details bekannt, was im Hintergrund abgelaufen ist. Zehn Tage lang soll Trumps Team an der Rede geschliffen haben, welche sich von der Tonalität her komplett von seiner aggressiven Antrittsrede vom 20. Januar unterschied.

Trump sei der Hauptautor der Rede gewesen, heisst es aus Insiderkreisen. Doch der US-Präsident zählte auch auf die Hilfe seiner engsten Vertrauten. Dabei soll sich die Stimme einer Person besonders stark in der Rede niedergeschlagen haben: jene von Ivanka Trump.

Für einen emotionalen Moment sorgte der Präsident, als er sich an Carryn Owens, die Witwe eines Soldaten wandte, der im Januar bei einer Bodenoperation von Spezialkräften gegen Al-Kaida-Mitglieder im Jemen getötet worden war - der ersten Militäraktion in Trumps Amtszeit.
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Neben dem Soldaten waren mehrere Zivilisten ums Leben gekommen. Ihr Mann sei als Held gestorben, sagte der Präsident der sichtlich bewegten Witwe.
US-Präsident Donald Trump hat in seiner ersten Rede vor dem Kongress die Umsetzung vieler seiner umstrittenen Wahlversprechen angekündigt, aber dabei einen deutlich versöhnlicheren Ton an den Tag gelegt als bisher.
Trump will weiterhin eine "grosse Mauer" an der Grenze zu Mexiko bauen und ein Infrastrukturprogramm als Jobmaschine auflegen.
Trump hielt die Rede vor den Abgeordneten und Senatoren im Washingtoner Kapitol in der Nacht auf Mittwoch.
Zudem plant der US-Präsident, Millionen Arbeitsplätze aus dem Ausland zurückzuholen, die USA vor einem "radikalen islamischen Terrorismus" zu schützen und die Terrororganisation Islamischer Staat zu zerstören.
Die Medien, die Trump zuletzt häufig angegriffen und "Feind des amerikanischen Volkes" genannt hatte, erwähnte er nur einmal.
Trump versprach einen optimistischen Ausblick.
Zur Nato bekannte sich Trump deutlich. Die US-Regierung unterstütze das Bündnis entschieden, sagte er. Er wiederholte zugleich seine Forderung, dass alle Nato-Mitglieder ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen müssten.
Immer wieder bekam Trump stehende Ovationen von den republikanischen Parlamentariern im Saal. Hin und wieder schlossen sich vereinzelt auch Demokraten an.
Ivanka Trump während der Rede ihres Vaters am Dienstagabend. Rechts ihr Ehemann Jared Kushner.

Für einen emotionalen Moment sorgte der Präsident, als er sich an Carryn Owens, die Witwe eines Soldaten wandte, der im Januar bei einer Bodenoperation von Spezialkräften gegen Al-Kaida-Mitglieder im Jemen getötet worden war - der ersten Militäraktion in Trumps Amtszeit.

AP

Die Präsidententochter soll massgeblich dazu beigetragen haben, dass ihr Vater die Tonalität änderte. «Sie hat ihn dazu ermutigt», sagt ein Insider gegenüber Reuters.

Doch nicht nur das. Die 35-Jährige soll es auch gewesen sein, die den Präsidenten dazu bewegt haben soll, sich vor dem Kongress für eine bezahlbare Kinderbetreuung und bezahlten Familienurlaub einzusetzen. Zwei Anliegen, die Ivanka schon länger unterstützt und bei denen das Trump-Team auch die Unterstützung der Demokraten erhalten könnte.

Was schon länger vermutet wurde, erhärtet sich nun immer mehr. Die Rolle der «First Lady» übernimmt Ivanka, nicht Melania Trump. Während sich die Ehefrau des Präsidenten weitestgehend aus dem politischen Tagesgeschäft heraushält, spielt Trumps Tochter eine wichtige Rolle im Regierungsteam. Eine derart einflussreiche Präsidententochter hat es in der jüngeren US-Geschichte wohl noch nicht gegeben.