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TRUPPENEINSATZ: Problemlöser Donald Trump ändert Afghanistanrezept

Präsident Trump setzt sich nun für die Fortsetzung von Amerikas längstem Krieg ein – obwohl er in der Vergangenheit den Feldzug in Afghanistan scharf kritisiert hatte. Was steckt hinter dieser Kehrtwende?
Renzo Ruf, Washington
Amerikanische Truppen im Einsatz in Afghanistan. Donald Trump will die Anzahl der US-Soldaten im Land nun aufstocken. (Bild: Justin T. Updegraff/AP (Bost, 10. Juni 2017))

Amerikanische Truppen im Einsatz in Afghanistan. Donald Trump will die Anzahl der US-Soldaten im Land nun aufstocken. (Bild: Justin T. Updegraff/AP (Bost, 10. Juni 2017))

Renzo Ruf, Washington

Mehr oder weniger scherzhaft ist in Washington von der «Kommission zur Rettung Amerikas» die Rede – einer informellen Gruppierung hochrangiger Berater, die es sich zum Ziel gesetzt haben, den launischen Präsidenten und die verunsicherte Nation vor einem Desaster zu bewahren. Zentrale Mitglieder dieser «Kommission», die selbstverständlich ohne Tagesordnung auskommt, sind drei Generäle, die das Vertrauen von Donald Trump geniessen: Verteidigungsminister James Mattis, Sicherheitsberater H. R. McMaster und Stabschef John Kelly.

Am Montagabend, in einem Versammlungsraum der Militärbasis Myer-Henderson Hall vor den Toren Washingtons, zeigte sich nun, welch grossen Einfluss diese hochdekorierten Soldaten besitzen. Obwohl Trump nämlich in der Vergangenheit immer wieder mit einem Abzug der US-Truppen aus Afghanistan geliebäugelt hatte, sprach er sich in seiner ersten Fernsehrede für einen Verbleib der Soldaten aus. Explizit sagte er: «Mein ursprünglicher Instinkt war es, zurückzuziehen. Und normalerweise schätze ich es, meinen Instinkten zu folgen.» In diesem Fall habe er sich aber, «nach vielen Sitzungen», von seinem Kabinett und seinen Generälen davon überzeugen lassen, dass es im Interesse von Amerika sei, den Krieg in Afghanistan fortzusetzen – und die Zahl der Soldaten (derzeit gegen 8000) gar aufzustocken. Trump wollte allerdings die genaue Zahl nicht verraten, angeblich aus strategischen Gründen. Die Rede ist von rund 4000 zusätzlichen Soldaten.

Fotos von afghanischen Frauen in kurzen Röcken

In Hintergrundartikeln erklärten amerikanische Zeitungen gestern, wie diese Kehrtwende zu Stande kam. So habe Sicherheitsberater McMaster dem Präsidenten eine Schwarz-Weiss- Aufnahme von 1972 gezeigt, auf der Frauen in Kabul abgebildet waren, die kurze Röcke trugen, schrieb die «Washington Post». Damit überzeugte der Dreisternegeneral, der in Afghanistan gedient hatte, den Präsidenten von der These, dass die Unterschiede zwischen der afghanischen und der amerikanischen Gesellschaft gar nicht so gross seien.

Stabschef Kelly, der in seiner Dienstzeit mit vier Generalsternen dekoriert worden war, sprach über den hohen Preis, den amerikanische Familien in den vergangenen 16 Jahren für den Krieg in Afghanistan bezahlt hatten. Kelly hatte 2010 seinen Sohn Robert verloren, nachdem dieser im Süden des Landes auf eine Mine getreten war. Zudem sagte er dem Präsidenten, dass mit einem Rückzug der US-Truppen aus Afghanistan die Sicherheit Amerikas gefährdet sei, diene das Land doch terroristischen Kreisen als Rückzugsort. Verteidigungsminister Mattis schliesslich versicherte Trump, dass die amerikanischen Streitkräfte der Aufgabe gewachsen seien – und es deshalb nicht notwendig sei, den Anti-Terror-Feldzug dem Auslandgeheimdienst CIA und Söldnern im Dienste privater Sicherheitsfirmen zu überlassen.

Bannon kritisiert Trumps Entscheidung

Diese Variante war durch den Chefstrategen Steve Bannon favorisiert worden, der das Weisse Haus vorige Woche verlassen musste. Bannon arbeitet wieder für die Internetplattform «Breitbart News», die einen scharfen Rechtskurs steuert – wenig überraschend wurde die Afghanistan-Strategie Trumps gestern in mehreren Artikeln heftig kritisiert.

Am Freitag, während einer Sitzung auf dem präsidialen Landsitz Camp David in Maryland, liess sich Trump schliesslich von den Argumenten überzeugen, die seine Generäle, Vizepräsident Mike Pence und Aussenminister Rex Tillerson ins Feld führten. Am Montag betonte er allerdings, dass er seine Kehrtwende mit Bedingungen verknüpfe. So ging er hart mit der Regierung von Pakistan ins Gericht und verlangte, dass diese endlich damit aufhöre, Terroristen Unterschlupf zu gewähren. Auch Indien erwähnte Trump. Delhi müsse einen grösseren Beitrag zur Stabilisierung der Region leisten.

Am wichtigsten aber war die Aussage des Präsidenten, dass der Konflikt in Afghanistan, der im Herbst 2001 nach den Anschlägen vom 11. September begonnen hatte, mit «einem Sieg» Amerikas enden werde. «Ich bin ein Problemlöser», sagte Trump – und die Mitglieder der «Kommission zur Rettung von Amerika» werden wohl erleichtert aufgeatmet haben.

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