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Türkische Diaspora in der Schweiz ist anders

Integration Die Resultate mögen erstaunen – auf den ersten Blick: Während die Einführung des Präsidialsystems in der Türkei bei den an der Abstimmung teilnehmenden Türken in Deutschland deutlich Zustimmung fand, in Österreich gar überdeutlich (73,5 Prozent), sprachen sich in der Schweiz nur 38 Prozent dafür aus; die Nein-Mehrheit überwog also klar. Dieses Abstimmungsergebnis ist deshalb wenig überraschend, weil sich die Zusammensetzung der Gemeinschaft der Menschen mit türkischem Migrationshintergrund in der Schweiz unterscheidet von jener der genannten Länder, insbesondere von Deutschland.

Anders als in Deutschland gab es in der Schweiz im letzten Jahrhundert keine zwischenstaatliche Vereinbarung zur Rekrutierung von Arbeitsmigranten aus der Türkei. Die Mehrheit der in der Schweiz lebenden Türken kam aus eigener Initiative. Dabei sind drei «Einwanderungswellen» zu konstatieren: Wie in Deutschland kamen in den frühen Sechzigerjahren in einer ersten Welle vor allem Arbeitsmigranten. Verglichen mit Deutschland, war es jedoch eine bescheidene Zahl. Wenig gebildet, arbeiteten diese Türken in der Schweiz vornehmlich in der Industrie, in der Textilbranche und im erweiterten Gastrobereich.

Für die anderen beiden Wellen war nicht mehr primär die Hoffnung auf eine bessere wirtschaftliche Situation ausschlaggebend, es waren vielmehr politische Gründe: So kamen 1980 vergleichsweise viele Türken aus Anlass des Militärputsches in die Schweiz. Zehn Jahre später war der Kurdenkonflikt treibende Kraft: Viele verfolgte Linke und Kurden ersuchten damals um Asyl. Auch ist der Anteil der Aleviten in der Schweiz einiges höher als in der Türkei selber. Mitglieder dieser Gruppe entschlossen sich aufgrund ihrer schwierigen Situation im Herkunftsland zur Auswanderung.

Prokurdische HDP hat in der Schweiz viele Anhänger

Vor allem bei den Türken der kopfstarken zweiten und der dritten «Einwanderungswelle» dürfte eine AKP-kritische und damit Erdogan-kritische Einstellung verbreitet sein, was sich beim Ergebnis des Referendums manifestierte. Bekannt ist zudem, dass die prokurdische Partei HDP in der Schweiz viele Anhänger hat. Zudem ist hier – erneut anders als etwa in Deutschland – die kurdische Arbeiterpartei PKK nicht verboten. Die rund 120000 Menschen mit türkischem Migrationshintergrund, die heute in der Schweiz leben, gelten mehrheitlich als gut integriert. Dies zeigt sich schon daran, dass nicht weniger als 56000 von ihnen den Schweizer Pass besitzen. Die übrigen haben grossmehrheitlich den unbefristeten C-Ausweis als Aufenthaltsbewilligung.

Geografisch gesehen leben Personen mit türkischem Hintergrund mehrheitlich in den Kantonen Zürich, Aargau und Basel. In der Ost- und der Zentralschweiz sind sie nur gerade in den Kantonen Schwyz (rund 5000), Luzern (1500) und Thurgau (gegen 3000) in nennenswerter Zahl ansässig. In den übrigen Ost- und Zentralschweizer Kantonen sind es lediglich wenige hundert. (cla)

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