Türkischer Aussenminister zum Khashoggi-Fall: Beweise bisher nicht an USA weitergegeben

Die Türkei hat die seit Tagen von Regierungsmitgliedern anonym zitierten Audiobänder von der angeblichen Ermordung des saudischen Regimekritikers Jamal Khashoggi bisher nicht an die USA weitergegeben. Das sagte der türkische Aussenminister Mevlüt Cavusoglu am Freitag.

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Der türkische Aussenminister Mevlut Cavusoglu (Bild: Keystone/Malton Dibra/Tirana, 19. Oktober 2018)

Der türkische Aussenminister Mevlut Cavusoglu (Bild: Keystone/Malton Dibra/Tirana, 19. Oktober 2018)

«Was ist mit Khashoggi passiert, wie ist es passiert und wer sind die Verantwortlichen? Darüber liegen uns natürlich Informationen und Beweise vor, als Ergebnis von bisherigen ... Ermittlungen», sagte Cavusoglu. Diese werde die Türkei «mit der gesamten Weltöffentlichkeit» teilen, sobald sich alles vollständig geklärt habe. «Denn die Welt fragt sich zu Recht, was mit Khashoggi passiert ist und wie.»

Türkische Regierungsmitglieder lancieren seit dem Verschwinden Khashoggis am 2. Oktober über türkische und US-amerikanische Medien Informationen zu dessen angeblicher Ermordung im saudischen Konsulat in Istanbul. Dort hatte Khashoggi Papiere für seine Hochzeit mit seiner türkischen Verlobten abholen wollen.

Laut Medienberichten hat die Regierung sowohl Audio- als auch Videobänder, die in grausigen Details nachweisen, dass der Regimekritiker gefoltert und getötet wurde.  Der Öffentlichkeit hat die Regierung ihre angeblichen Beweise bisher aber nicht offengelegt. Auch die Frage, wie sie sie bekommen haben könnte, ist weiter offen.

Immer mehr Schweizer Wirtschaftsvertreter bleiben Investorenkonferenz in Riad fern

Die Liste der Absagen für die Investorenkonferenz in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad von nächster Woche wird inzwischen immer länger. Zwei weitere Vertreter von Schweizer Unternehmen haben nun ihre Teilnahme abgesagt: Der Verwaltungsratspräsident des Rohstoffkonzerns Glencore, Anthony Hayward, und Partners Group-Verwaltungsrat Charles Dallara reisen nun nicht nach Saudi-Arabien, wie beide Unternehmen am Freitag einen Bericht von Radio SRF bestätigten.

Vor einigen Tagen wurde bereits bekannt, dass Credit Suisse-Chef Tidjane Thiam der Veranstaltung fern bleibt, obwohl die Grossbank als einer der «strategischen Partner» der Konferenz geführt wird. Zahlreiche weitere Manager aus anderen Ländern haben bereits abgesagt, darunter gemäss diversen Medienberichten JPMorgan-Chef Jamie Dimon oder die Chefs des Fahrdienstleisters Uber und des Vermögensverwalters Blackrock.

Auf der Gästeliste steht auch ABB-Chef Ulrich Spiesshofer. Bei dem Industrie- und Automationskonzern ist aber weiterhin noch kein definitiver Entscheid über die Teilnahme gefallen, wie ein Sprecher am Freitag gegenüber der AWP erklärte.

Grund für die Absagen ist der Fall des verschwundenen saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi. (awp/sda)

Khashoggis letztes Ausrufezeichen

Die «Washington Post» publiziert die letzte Kolumne von Jamal Khashoggi, dessen Verschwinden Saudi-Arabien in immer grösseren Erklärungsnotstand bringt.
Michael Wrase, Beirut

Türkei dehnt Suche nach Leiche von Saudi-Regierungskritiker aus

Auf der Suche nach regimekritischen saudiarabischen Journalisten Jamal Khashoggi hat die türkische Polizei ihre Suche auf ein Waldgebiet bei Istanbul ausgeweitet. Die Staatsanwaltschaft vernahm zudem türkische Mitarbeiter des saudiarabischen Konsulates in Istanbul.