Türkischer Besuch im Weissen Haus

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USA/Türkei Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat gestern bekräftigt, dass er die amerikanische Unterstützung für die syrisch-kurdische YPG-Miliz für einen Fehler hält. Während eines Auftrittes im Weissen Hauses, an der Seite von US-Präsident Donald Trump, sagte Erdogan: Die Türkei werde niemals akzeptieren, dass Washington die Miliz als legitime Kraft ansehe.

In der Region habe es keinen Platz für «terroristische Organisationen». Und er stellte sich erneut auf den Standpunkt, dass die Miliz versuche, mit Hilfe terroristischer Methoden die «religiöse und ethnische Struktur» des Nahen Ostens zu ändern. Die Türkei werde dies nie und nimmer erlauben.

Der IS als gemeinsamer Gegner

Trump sagte in seiner kurzen Stellungnahme, die er vor dem gemeinsamen Mittagessen abgab, dass die USA und die Türkei ein gemeinsames Ziel verfolgten: die Bekämpfung der Terrororganisation IS. Der amerikanische Präsident fand zudem lobende Worte über türkische Soldaten, die an der Seite Amerikas im Korea-Krieg gekämpft hätten – ein Konflikt, der vor mehr als 60 Jahren mit einem Waffenstillstand endete. Hingegen schwieg sich Trump über die antidemokratischen Reflexe Erdogans aus, mit denen der Türke auch in der Nato-Allianz zunehmend auf Kritik stösst. Der US-Präsident weigerte sich auch, die Hinweise Erdogans zu kommentieren, wonach die Türkei die Auslieferung des islamischen Predigers Fethullah Gülen erwarte, der im Exil in Pennsylvania lebt.

Die Türkei wirft Gülen und seiner Bewegung vor, den Putsch im vergangenen Juli in der Türkei geplant zu haben. Gülen bestreitet dies. Zuletzt publizierte er gestern einen Meinungsbeitrag in der «Washington Post», in dem er kritisch mit Erdogan ins Gericht ging.

 

Renzo Ruf, Washington