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TUNESIEN: Briten rufen Touristen zurück

Weil Grossbritannien einen neuen Terroranschlag fürchtet, ruft die Londoner Regierung ihre Touristen aus dem nordafrikanischen Land zurück. Die Schweiz ist hingegen zurückhaltend.
Nachdem die Londoner Regierung die britischen Touristen aufgefordert hat, Tunesien zu verlassen, wurden die ersten abreisenden Gäste gestern bereits am Flughafen Tunis von den Helfern vor Ort in Empfang genommen. (Bild: AFP/Fethi Belaid)

Nachdem die Londoner Regierung die britischen Touristen aufgefordert hat, Tunesien zu verlassen, wurden die ersten abreisenden Gäste gestern bereits am Flughafen Tunis von den Helfern vor Ort in Empfang genommen. (Bild: AFP/Fethi Belaid)

Martin Gehlen

Zwei Wochen nach dem Terroranschlag im tunesischen Sousse mit 38 Toten droht Tunesien jetzt der komplette Zusammenbruch seiner Ferienindustrie: In der Nacht auf gestern rief Grossbritannien als erstes europäisches Land seine Bürger auf, ihren Urlaub abzubrechen und Tunesien so schnell wie möglich zu verlassen. Die von der Regierung in Tunis veranlassten Sicherheitsvorkehrungen seien «nicht ausreichend» und ein weiterer Terroranschlag «sehr wahrscheinlich», hiess es in London zur Begründung.

In dem nordafrikanischen Mittelmeeranrainerstaat, dessen Wirtschaft zu einem erheblichen Teil vom internationalen Tourismus abhängt, löste diese Ankündigung Entsetzen und Verzweiflung aus – zumal andere europäische Grosskunden wie Frankreich, Italien und Deutschland in den nächsten Tagen folgen könnten.

Touristen in 48 Stunden ausgeflogen

Die Aussenministerien in Berlin und Paris jedoch änderten gestern ihre Reise­warnungen zunächst nicht. Sie riefen die Urlauber lediglich zu erhöhter Vorsicht auf und warnten vor Ausflügen in die Grenzgebiete zu Libyen und Algerien.

Die Ferienkonzerne Thomas Cook, Thomson und First Choice kündigten derweil an, die 3000 britischen Urlauber in den nächsten 48 Stunden mit Charterflugzeugen abzuholen. Gleichzeitig stornierten sie alle weiteren Flüge bis zum 31. Oktober dieses Jahres, dem Ende der Hauptsaison in Tunesien.

Präsident Beji Caid Essebsi indes rea­gierte aufgebracht und kündigte an, er werde mit dem britischen Premierminister David Cameron telefonieren. Erst letzte Woche hatte der Staatschef in einer Fernsehrede an die Nation den Ausnahmezustand verhängt und erklärt, wenn sich die Ereignisse von Sousse wiederholten, werde der Staat zerbrechen.

Gouverneur des Amtes enthoben

Essebsi zog auch personelle Konsequenzen. Der zuständige Gouverneur von Sousse wurde seines Amtes enthoben. Mit ihm entlassen wurden mehrere hohe Polizeioffiziere – in Sousse, aber auch in Kairouan, wo der 23-jährige Attentäter studierte, sowie in Gaafour, wo dessen Familie wohnt. Acht Verdächtige nahm die Polizei bisher fest, die mit dem Terroristen in Verbindung gestanden und ihm möglicherweise bei der Vorbereitung des Massakers geholfen haben.

Darüber hinaus kündigte die tunesische Führung an, sie wolle bis Ende 2015 entlang der 158 Kilometer langen Grenze zu Libyen eine Sperranlage mit Sandwällen und Gräben errichten. Bisher können Dschihadisten unbehelligt zwischen beiden Ländern hin und her wechseln – so auch der Sousse-Attentäter sowie die Terroristen des Bardo-Massakers im März dieses Jahres, das 22 Menschen das Leben kostete. Sie alle wurden in einem libyschen Camp der Terrorgruppe «Ansar al-Scharia» an der Kalaschnikow ausgebildet.

Massive Kritik gegen Polizeikräfte

Nach eigenen Angaben hinderte die Regierung bislang 15 000 junge Tunesier, sich dem Islamischen Staat in Syrien und Irak auszuschliessen. Die britischen Behörden, die zeitweise ein Dutzend Scotland-Yard-Ermittler nach Sousse geschickt hatten, gehen offenbar davon aus, dass das Massaker von zwei Attentätern verübt worden war. Dann aber würde der flüchtige Komplize noch frei herumlaufen und könnte nach einem neuen Terrorziel suchen.

Auch an dem Einsatz der Polizei vor Ort gab es im Nachhinein heftige Kritik. Augenzeugen berichteten, Polizisten seien zwar sehr rasch im Hotelgarten erschienen, sie hätten sich aber nicht getraut, den Attentäter anzugreifen. Die Pistole eines Beamten, mit der dann ein Hotelangestellter auf eigene Faust auf den Mordschützen losgehen wollte, klemmte.

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