Anklage
Türkei: Staatsanwalt fordert 4,5 Jahre Haft für Schweizer Diplomatengattin

Der Gattin eines Schweizer Konsuls in Istanbul wird «rücksichtslose Beschädigung» vorgeworfen. Sie soll im Februar ein Motorrad gerammt, mitgeschleift und Fahrerflucht begangen haben. Das Opfer liegt immer noch in kritischem Zustand im Spital.

Dean Fuss
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Schweizer Diplomatengattin soll in Istanbul ein Motorrad gerammt und Fahrerflucht begangen haben

Schweizer Diplomatengattin soll in Istanbul ein Motorrad gerammt und Fahrerflucht begangen haben

DHA

Der für den Fall zuständige türkische Staatsanwalt fordert 4,5 Jahre Gefängnis für die Diplomatengattin und hat Anklage erhoben, wie der «Blick» heute berichtet. Ihr werde «rücksichtslose Beschädigung» vorgeworfen - ein Eventualvorsatz, übertragen auf das Schweizer Rechtssystem. Nach Abschluss der Untersuchungen präsentiere sich der Unfallhergang noch schlimmer, als zuvor berichtet worden sei, so die Boulevardzeitung weiter.

Die Anklageschrift habe das Eidgenössischen Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) nicht erhalten, da es im laufenden Verfahren keine Partei sei, sagt EDA-Mediensprecher Stefan von Below auf Anfrage der «Nordwestschweiz». «Das EDA verfolgt das laufende Verfahrenaufmerksam.» Weiter wolle sich das EDA aber nicht äussern.

Motorrad mitgeschleift und Alkohol im Blut

So hätte die Untersuchung gezeigt, dass der Jeep mit dem Diplomatenkennzeichen das Motorrad auf einer Strecke von 17 Metern mitgeschleift hat. Zudem soll die Angeklagte Ehefrau des Schweizer Konsuls in Istanbul alkoholisiert gefahren sein.

Weil sie erst fünf Stunden nach dem Unfall von der Polizei abgeholt und auf Alkohol getestet werden konnte, habe der Wert zum Unfallzeitpunkt hochgerechnet werden müssen. Diese Berechnung habe einen Wert zwischen 0,59 und 0,84 Promille im Blut ergeben. Erlaubt sind in der Türkei, genau wie auf Schweizer Strassen, 0,5 Promille.

Diplomatengattin bestreitet Fahrerflucht

Der Diplomatengattin wird vorgeworfen, dass sie am 5. Februar mit dem Fahrzeug ihres Ehemannes, einem Jeep Grand Cherokee, ein Motorrad gerammt, mitgeschleift und Fahrerflucht begangen haben soll.

«Die Frau fuhr hinten in das Motorrad. Es gab einen Knall. Meine Frau flog nach hinten weg und prallte mit dem Hinterkopf in voller Wucht auf den Asphalt», schilderte der Ehemann des Opfers im Februar den Unfallhergang gegenüber der «Schweiz am Sonntag». Er selber sei noch rund 50 Meter weiter mit dem Motorrad geschleudert, sei dabei aber praktisch unverletzt geblieben.

Der Unfallwagen sei ohne anzuhalten einfach weitergefahren. Dies bestreite die Diplomatengattin trotz gegenteiliger Zeugenaussagen vehement, wie die türkische Zeitung «Hürriyet» schreibt.

Keine diplomatische Immunität

Seit dem Unfall darf die Frau die Türkei nicht verlassen und muss sich jeden Freitag bei der Polizei melden und eine Unterschrift leisten. Die Angeklagte kooperier voll und ganz mit den türkischen Behörden, sagte die Schweizerische Generalkonsulin Monika Schmutz Kirgöz gegenüber «Hürriyet».

Das EDA mache keine Immunität geltend und die Diplomatengattin werde nötigenfalls auch persönlich vor Gericht erscheinen, sagt die Generalkonsulin weiter. In den kommenden Wochen soll der Strafprozess stattfinden.