Kriegsgefahr
Türkische Erdgassuche könnte Krieg mit Griechen provozieren

Der deutsche Aussenminister versucht, die Wogen zu glätten. Doch aus Ankara kommen aggressive Töne.

Susan Güsten aus Istanbul
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CH Media

Provozieren, das kann die Türkei. Just, als Deutschlands Aussenminister Heiko Maas gestern in Ankara landete, um im Streit zwischen den beiden Nachbarstaaten Griechenland und der Türkei um Gebiete vor der griechischen Insel Kreta zu vermitteln, veröffentlichte Ankara ein Video, das die Kampfbereitschaft der Türkei unterstrich und die Suche nach Erdgas in den umstrittenen Gebieten vor der kretischen Küste als heldenhafte Mission präsentierte.

Vor seiner Weiterreise nach Ankara sprach Maas in Athen von der Gefahr eines Krieges zwischen Griechenland und der Türkei:

Jeder noch so kleine Zündfunke kann zur Katastrophe führen.

Davon zeigte sich der deutsche Aussenminister überzeugt.

Maas besuchte Athen und Ankara wenige Tage vor einem Treffen der EU-Aussenminister, bei dem über Sanktionen gegen die Türkei beraten werden soll. Griechenland fordert von der EU sofortige Massnahmen und verweist auf die mit «neo-osmanische Ideologie» untermauerten «Expansionspläne» der Türken im Mittelmeer.

Die Sanktionsdrohung hat die türkische Regierung nicht beeindruckt. Energieminister Fatih Dönmez erklärte, die Türkei werde auch weiter im Mittelmeer nach Erdgas suchen. Und Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nutzte eine Fernsehrede am Montagabend, um scharfe Kritik an der EU zu üben. Die EU sei mit der Türkei noch nie ehrlich gewesen und unterstütze Türkei-feindliche «Terrorgruppen» wie die PKK.

Nach Kompromissbereitschaft hörte sich das nicht an. Griechenland hat derweil baldige Militärmanöver vor der Küste Kretas angekündigt. Die Kriegsgefahr ist alles andere als gebannt.