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Türkische Lira im freien Fall

Der Kursverfall der türkischen Währung hat sich beschleunigt. Nun heizt US-Präsident Donald Trump die Krise um den Verfall der Lira mit einer Verdoppelung von US-Strafzöllen zusätzlich an.
Gerd Höhler, Athen
Staatschef Erdogan forderte die Bevölkerung dazu auf, ihr Geld in Lira umzutauschen. (Bild: Mucahid Yapici/AP (Istanbul, 10. August 2018))

Staatschef Erdogan forderte die Bevölkerung dazu auf, ihr Geld in Lira umzutauschen. (Bild: Mucahid Yapici/AP (Istanbul, 10. August 2018))

Der Kursverfall der türkischen Lira hat sich am Freitag dramatisch beschleunigt. Zeitweilig verlor die Währung gegenüber dem Dollar fast 23 Prozent. Das war der grösste Kursverlust an einem einzigen Tag seit der schweren türkischen Finanzkrise von 2001. Auch zum Euro stürzte die Lira auf ein neues historisches Tief. Vor allem die hohe Inflation, Zweifel an der Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank und die Sorgen vor politischen Spannungen mit den USA sowie drohenden Wirtschaftssanktionen drücken die Lira.

Am Freitag bestätigten sich die Befürchtungen: US-Präsident Donald Trump schrieb auf Twitter, er habe eine Verdoppelung der Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium aus der Türkei angeordnet. «Unsere Beziehungen zur Türkei sind im Moment nicht gut», twitterte Trump.

Wachstumsziel gesenkt

In Ankara erläuterte Finanz­minister Berat Albayrak derweil vor Wirtschaftsvertretern die Leitlinien eines neuen mittelfristigen Wirtschaftsplans. Danach nimmt die Regierung ihr diesjähriges Wachstumsziel von bisher 5 auf «3 bis 4 Prozent» zurück. Im vergangenen Jahr war das türkische Bruttoinlandprodukt (BIP) noch um 7,4 Prozent gewachsen, vor allem dank staatlicher Konjunkturprogramme.

Die Inflation, die im Juli 15,8 Prozent erreichte, will Finanzminister Albayrak bis zum Jahres­ende unter 10 Prozent und das Leistungs­bilanzdefizit von derzeit 5 auf 4 Prozent des BIP drücken. Das Haushaltsdefizit soll auf 1,5 Prozent der Wirtschaftsleistung begrenzt werden. Albayrak versicherte, die Zentralbank bleibe unabhängig.

Die Eckdaten des neuen Wirtschaftsplanes deuten darauf hin, dass die Regierung beim Wachstum den Fuss vom Gas nimmt, um eine drohende Überhitzung zu vermeiden. Ob das reicht, das erschütterte Vertrauen der Anleger und Investoren zurückzugewinnen, ist aber offen. Marktbeobachter sahen am Freitag noch keine Anzeichen einer Wende. Einer kurzen Erholung der Lira am Nachmittag folgte später ein neuerlicher Kurssturz.

Die Anleger warten nun auf Signale der Zentralbank. Die Währungshüter könnten mit Zinserhöhungen versuchen, die Währung zu stützen und die Inflation zu bremsen, stossen damit aber bisher bei Erdogan auf ­Widerstand. Bei ihrer letzten Sitzung des für die Geldpolitik zuständigen Gremiums hatte die Notenbank am 23. Juli die Leitzinsen unverändert gelassen. Das nächste Treffen des Komitees ist erst für den 13. September angesetzt. Möglicherweise wird es aber vorgezogen.

Der Kursverfall der Lira sorgte auch für Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten und Börsen. Der Schweizer Franken wurde seinem Ruf als «sicherer Hafen» vor allem gegenüber dem Euro gerecht und legte am Freitag Nachmittag stark zu.

Volk soll Dollar in Lira umtauschen

Staatschef Erdogan sprach bei einem Besuch in der nordtürkischen Provinz Bayburt nach dem Freitagsgebet vor Gläubigen von einem «Wirtschaftskrieg», den sein Land jedoch gewinnen werde. Er sieht hinter dem Währungsverfall eine Verschwörung gegen die Türkei. Bei einem Besuch seiner Heimatstadt Rize am Schwarzen Meer hatte Erdogan bereits am Donnerstagabend versucht, seine Zuhörer zu beruhigen: «Ignoriert diese Kampagnen gegen die Türkei», rief Erdogan dem Publikum zu. «Die anderen mögen ihre Dollars haben, aber wir haben unser Volk und Allah.»

Am Freitag rief Erdogan die Türken erneut dazu auf, Dollar, Euro und Gold in die Landeswährung umzutauschen. Dabei handle es sich um eine «nationale Anstrengung», so der Staatschef. Die meisten Türken legen ihre Ersparnisse traditionell in harten Währungen oder in Gold an, um der Inflation ein Schnippchen zu schlagen. Während der vergangenen Wochen hatte Erdogan bereits mehrfach an die Bevölkerung appelliert, Devisen und Gold in Lira umzutauschen. Wer Erdogans Appell folgte, hat ein schlechtes Geschäft gemacht: Vor einem Monat bekamen die Türken für 100 Lira 18 Euro. Am Freitag waren es nur noch 15.50 Euro.

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