Überblick
Omikron greift in Europa rasant um sich – diese Länder sind im Lockdown

Ob in den Niederlanden, in Grossbritannien oder Frankreich: Die Massnahmen-Schraube wird in zahlreichen europäischen Ländern angezogen.

Drucken
Die Zahl der positiven Coronatests schnellt in Europa in die Höhe.

Die Zahl der positiven Coronatests schnellt in Europa in die Höhe.

Sebastian Kahnert / AP

Die hoch ansteckende Omikron-Variante des Coronavirus breitet sich in Europa atemberaubend schnell aus und droht mancherorts die Gesundheitsversorgung zu überlasten. Um die Infektionswelle zu bremsen, verhängten mehrere Länder kurz vor Weihnachten nun eilends einen strengen Lockdown. Die Lage im Einzelnen:

Niederlande

Die Regierung in Den Haag hat wenige Tage vor Weihnachten einen neuen strengen Lockdown verhängt. Seit Sonntag müssen fast alle Geschäfte, Gaststätten, Kultur- und Sporteinrichtungen, Schulen und Friseure schliessen. Ausgenommen sind nur Läden wie Supermärkte und Apotheken, die für die Versorgung wichtig sind. Die extrem schnelle Verbreitung der Omikron-Variante erzwinge die harten Massnahmen, sagte Ministerpräsident Mark Rutte.

Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte.

Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte.

Robin Utrecht / EPA

Jeder Haushalt darf nun in der Regel nur noch zwei Gäste empfangen. Nur über Weihnachten und zum Jahreswechsel sind bis zu vier Besucher erlaubt. Der Lockdown soll zunächst bis zum 14. Januar gelten. Eine Ausgangssperre soll es vorerst nicht geben.

Die Omikron-Variante breitet sich nach Angaben von Experten viel schneller aus als erwartet. In Amsterdam verdoppelt sich die Zahl der Infektionen alle zwei bis drei Tage. Bereits vor Weihnachten werde diese Variante in der Hauptstadt dominant sein, hiess es. Zurzeit sinkt die Zahl der Neuinfektionen zwar. Doch die Krankenhäuser stehen unter hohem Druck, so dass sie nach Befürchtung der Experten einen weiteren Zustrom von Patienten nicht auffangen könnten. Die Sieben-Tage-Inzidenz in den Niederlanden lag am Samstag bei 617.

Dänemark

Auch Dänemark fährt grosse Teile des öffentlichen Lebens wieder herunter: Theater, Kinos, Zoos, Vergnügungsparks und Sportstätten müssen nun wieder geschlossen bleiben. Restaurants dürfen nur noch bis 23 Uhr öffnen. In dem Land mit knapp sechs Millionen Einwohnern steigen die Corona-Zahlen seit einigen Wochen wieder stark an. Am Freitag erreichte die Zahl der täglichen Neuinfektionen einen Rekordwert von rund 12'000. In mehr als einem Fünftel der Fälle handele es sich um die Omikron-Variante. Die strengeren Regeln gelten zunächst bis Mitte Januar.

Grossbritannien

Die Omikron-Mutante ist in England schon dominierend: Sie mache nun 60 Prozent aller Fälle aus, sagte der britische Gesundheitsminister Sajid Javid im Sky News-Interview. Allein am Samstag waren im Vereinigten Königreich 10'059 neue Omikron-Fälle gemeldet worden - dreimal so viele wie am Tag zuvor.

Premierminister Boris Johnson steht unter Druck: Laut Experten muss er die Massnahmen verschärfen. Seine zahlreichen politische Skandale, die aktuell zu Reden geben, könnten ihn davon aber abhalten.

Premierminister Boris Johnson steht unter Druck: Laut Experten muss er die Massnahmen verschärfen. Seine zahlreichen politische Skandale, die aktuell zu Reden geben, könnten ihn davon aber abhalten.

Kirsty O'Connor / AP

Gleichzeitig spitzt sich in Grossbritannien, wo bislang noch weitreichende Freiheiten gelten, die Debatte um schärfere Corona-Massnahmen zu. London hat schon den Katastrophenfall ausgerufen. Medienberichten zufolge laufen Diskussionen über eine Art Wellenbrecher-Lockdown nach den Weihnachtstagen.

Wissenschaftliche Berater fordern eine möglichst schnelle Verschärfung der Beschränkungen, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Man sei «fast sicher, dass es aktuell Hunderttausende neue Omikron-Infektionen pro Tag» in England gebe - also eine hohe Dunkelziffer. Einige Modellierer warnten dem «Guardian» zufolge, ohne schärfere Massnahmen drohten bis zum Jahreswechsel bis zu zwei Millionen Neuinfektionen täglich.

Frankreich

Die Regierung in Paris greift im Kampf gegen die fünfte Welle auf strengere Impfregeln zurück. Im Januar kann eine Auffrischungsimpfung nach bereits vier statt fünf Monaten erfolgen. Gesundheitsminister Olivier Véran kündigte an, dass eine dritte Injektion für Pflegekräfte und Feuerwehrleute Pflicht wird. Vor wenigen Tagen begannen die Schutzimpfungen für Kinder zwischen fünf und elf Jahre. Das zu Silvester geplante Feuerwerk und Konzert auf den Champs-Élysées fällt wegen der vielen Neuinfektionen aus.

Die EU-Kommission erwartet, dass Omikron schon im Januar in ganz Europa die dominierende Variante sein wird. (dpa)