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Boris Johnson lädt zum Gipfel: Wo das Treffen stattfindet, was besprochen wird und was davon erhofft wird

Ab Freitag findet im englischen Cornwall der G7-Gipfel statt. Die sieben wichtigsten Fragen und Antworten zum Spitzentreffen.

Sebastian Borger, London
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Ist gefordert: der britische Premier Boris Johnson.

Ist gefordert: der britische Premier Boris Johnson.

Bild: Getty

Wer nimmt überhaupt teil?

Aus Nordamerika fliegen US-Präsident Joe Biden und der kanadische Premier Justin Trudeau über den Grossen Teich, Europa ist durch Deutschland, Frankreich, Italien und Grossbritannien vertreten. Aus dem Fernen Osten kommen diesmal nicht nur ­Yoshihide Suga als Vertreter des Teilnehmerlandes Japan, sondern auch die Regierungschefs von Australien, Indien und Südkorea. Sie wurden von Gastgeber Boris Johnson als Beobachter eingeladen, ebenso wie Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa.

Soll also das G7-Format erweitert werden?

Den Verdacht hegten manche Kontinentaleuropäer auch, weshalb Johnson ausdrücklich zurückrudern musste. Vor allem durch angloamerikanische Thinktanks geistert das Konzept der D10, also der zehn westlichen Demokratien Nordamerikas, Europas und Australasiens – Afrika bleibt aussen vor. Kaum jemand bezweifelt, dass es dabei um die Eindämmung des zunehmend aggressiv auftretenden Giganten China gehen soll.

Wo wird getagt?

Die Wahl fiel auf das 3500-­ Einwohner-Städtchen Carbis Bay, malerisch an einer Bucht der Nordküste Cornwalls gelegen. Dabei hat die südwestlichste Grafschaft Englands und ­zumal die Gegend um das zwei Kilometer weiter westlich gelegene Künstlerstädtchen St.Ives zusätzlichen Tourismus eigentlich nicht nötig. Dementsprechend geteilt sind die Meinungen der Menschen vor Ort. Radfahrer freuen sich über die nun rasch beseitigten Schlaglöcher, Schulkinder fiebern einer dreitägigen Unterrichtsbefreiung entgegen, Neugierige hoffen darauf, Bundeskanzlerin Angela Merkel oder Präsident Biden beim morgendlichen Schwimmen im 11 Grad kalten Atlantik zu beobachten. Andere murren über Ausgangsbeschränkungen und die erzwungene Fortbewegung zu Fuss: Autos dürfen nicht fahren, die Buslinien werden unterbrochen, die örtliche Bahnstation bleibt geschlossen.

Wie steht es um die Sicherheit der Staatschefs?

Insgesamt sollen 5500 Ordnungshüter über die Sicherheit der Besucher wachen. Carbis Bay ist abgeriegelt, in der Bucht pa­trouillieren Kriegsschiffe. Protestversammlungen gibt es vor Ort überhaupt nicht, demonstriert werden darf lediglich in den eine Autostunde entfernten Ortschaften Truro und Falmouth. Dort befindet sich auch das Medienzen­trum für Journalisten.

Das Carbis Bay Hotel in Carbis Bay.

Das Carbis Bay Hotel in Carbis Bay.

Keystone
(9. Juni 2021)

Was steht auf der Tagesordnung?

Vor allem zwei Themen: die Bekämpfung des Klimawandels und die wirtschaftliche Erholung von der Covid-Pandemie. Umweltgruppen hoffen auf ein konkretes Enddatum für die Verbrennung von Kohle und anderen fossilen Brennstoffen. Im Kampf gegen Covid könnte sich der Westen darauf verpflichten, mehr Impfstoffe an den Rest der Welt abzugeben. Die Weltgesundheitsorganisation hofft auf 19 Milliarden Franken für das Covax-Programm.

Was wird sonst noch zu reden geben?

Von seinen Vorgängern hat Boris Johnson ein langfristiges Thema der Entwicklungspolitik geerbt: die Schulbildung von Mädchen in armen Ländern des globalen Südens besonders zu fördern. Dieses Ziel liege dem Premier am Herzen. Einen Erfolg haben den Staats- und Regierungschefs ­bereits ihre Finanzminister ­beschert: die Einigung auf eine weltweite Steuer auf digitale Dienstleistungen sowie die Mindestbesteuerung für globale Grosskonzerne von 15 Prozent. Wie beim Thema Covid und Klima wird sich erst im Dialog mit dem Rest der Welt, vor allem mit China, herausstellen, wie viel der erzielte Deal am Ende wert ist.

Was erhofft sich der Gastgeber, was die Gäste?

Die Briten, deren rasches Impfprogramm Schlagzeilen machte, wollen auch für den Rest der Welt aufs Tempo drücken. Bis Ende 2022, lautet Johnsons Parole, solle «die ganze Welt geimpft» sein. Beim Thema Klimaschutz braucht der Gastgeber schon deshalb Fortschritte, damit das UN-Treffen COP 26 im November im schottischen Glasgow zum Erfolg wird. Beim heutigen Vorabtreffen mit Biden muss Johnson deutlich machen, dass sein Flirt mit Bidens Vorgänger Donald Trump realpolitisch begründet war und nicht auf echten Gemeinsamkeiten beruhte. Hier dürfte Johnson punkten können. Bei vielen Europäern hingegen gilt er als Schaumschläger; den Streit mit der EU-Kommission über Nordirland beruht Brüssel zufolge auf Londons mangelnder Vertragstreue. Den Anrainern Chinas wiederum wird daran gelegen sein, mehr zu hören über die vorsichtige Abkehr Europas vom Regime in Peking.