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Ukrainische Kirche feiert Unabhängikeit von Russland: Konflikt zwischen Kiew und Moskau könnte sich verschärfen

An den orthodoxen Weihnachten feiern die Gläubigen in der Ukraine die Unabhängigkeit von der Moskauer Kirche. Politisch könnte Präsident Petro Poroschenko profitieren. Doch die Kirchenspaltung birgt auch grosse Risiken.
Paul Flückiger, Warschau
Historisches Spektakel: Orthodoxe Geistliche feiern in der Sophienkathedrale unter Anwesenheit von Präsident Petro Poroschenko (Zweiter von rechts) die Unabhängigkeit der ukrainischen Kirche von Moskau. Bild: Brendan Hoffman/Getty (Kiew, 7. Januar 2019)

Historisches Spektakel: Orthodoxe Geistliche feiern in der Sophienkathedrale unter Anwesenheit von Präsident Petro Poroschenko (Zweiter von rechts) die Unabhängigkeit der ukrainischen Kirche von Moskau. Bild: Brendan Hoffman/Getty (Kiew, 7. Januar 2019)

Die Kiewer Sophienkathedrale strotzt vor Feierlichkeit und Weihrauch: Zu den orthodoxen Weihnachten vom Montag kommt diesmal in der Tat auch ein historisches Spektakel. Zwei Geistliche tragen eine Schriftrolle vor den Altar, festigen sie an einem Rahmen und entrollen sie. Das Dokument ist handgeschrieben und verkündet in griechischer Sprache, dass die orthodoxe Kirche der Ukraine von nun an unabhängig sei.

Trotz heftiger Moskauer Proteste hatte in Istanbul (Konstantinopel) Papst Bartholomäus I. am Vortag diese neue, unabhängige orthodoxe Kirche anerkannt. Vor Gläubigen präsentierte der Ehrenvorsitzende über 300 Millionen Orthodoxe im Beisein ein entsprechendes Dekret. Der ukrainischen Staatspräsident Petro Poroschenko verglich diesen Schritt in einer kurzen Ansprache mit der Unabhängigkeit der Ukraine von 1991.

Der Patriarch von Moskau, Kyrill I., erklärte hingegen das ostpäpstliche Dekret sofort für nichtig. Papst Bartholomäus I. habe nicht das Recht, über die Unabhängigkeit der ukrainischen Kirche zu entscheiden. Die ukrainische Kirche war nämlich zuvor über 330 Jahre lang dem Patriarchen von Moskau unterstellt; ihre Unabhängigkeit kommt für Kyrill, dem Herr über bisher die Hälfte aller Orthodoxen weltweit, einer grossen Niederlage gleich.

Seit dem Zerfall der Sowjetunion lag die Unabhängigkeit der orthodoxen Kirche in der Ukraine in der Luft. Doch erst vergangenes Jahr hatte Poroschenko beim zuständigen Papst der Ostkirche, Bartholomäus I., Unterstützung für dieses von Moskau bekämpfte Begehren erhalten.

Schutz des Kremls

Die weltlichen Auswirkungen dieses Schrittes sind schwer abschätzbar. Immerhin 65 Prozent der orthodoxen Kirchengemeinden in der Ukraine gehörten bisher dem Moskauer Patriarchat an. Pessimisten befürchten nun nach der Unabhängigkeit einen Kampf um Gotteshäuser, Klöster und zugehörige Immobilien. Die Gläubigen, die in Kirchen des Moskauer Patriarchats beten wollten, genössen den Schutz des Kremls, drohte der Kreml bereits Ende November. Man könnte gezwungen sein, neben der Krim weitere Landstriche der Ukraine unter Russlands Schutz zu stellen, liess gar das Aussenministerium verlauten. Damit zielt Moskau auf eine weitere Spaltung ­innerhalb der Ukraine ab.

Laut einer Umfrage des Kiewer Razumkow-Instituts unterstützt nämlich in der mehrheitlich russischsprachigen Ostukraine und im Süden entlang der Schwarzmeer- und Asowküste nur jeder siebte Ukrainer die Kirchenspaltung. Darauf kann Präsident Wladimir Putin bauen, wenn Russland die Lage in der Ukraine weiter destabilisieren will. Vorbilder gibt es bereits: Im Frühjahr 2014 wurde die Sprachenfrage in der Ukraine vom Kreml derart aufgebauscht, dass dies im Donbas zur Gründung zweier prorussischer «Volksrepubliken» führte. Ein blutiger Stellungskrieg mit über 10300 Toten, der bereits viereinhalb Jahre dauert, ist die Folge.

Auch deswegen haben sowohl Papst Bartholomäus I. als auch das neue Kirchenoberhaupt, Metropolit Epiphanius, die Gläubigen zur Mässigung und Gewaltverzicht aufgerufen. Die jeweiligen Kirchengemeinden sollen selbst entscheiden können, welchem Patriarchat – dem neuen Kiewer oder dem Moskauer – sie angehören wollen. Laut Epiphanius wollen rund 7000 Kirchengemeinden ukrainisch werden, was etwa jeder zweiter Gemeinde des Moskauer Patriarchats gleichkäme. Allerdings ist unklar, ob dies das Moskauer Patriarchat einfach so hinnehmen wird.

Politisch dürfte von der Kirchenspaltung vor allem Poroschenko profitieren. Ende März stehen Präsidentschaftswahlen an, doch die bisherigen Umfragewerte des Amtsinhabers sind sehr bescheiden. Ende Jahr hätte er bloss 8 Prozent erreicht, 2014 wurde er noch mit 54 Prozent gewählt. Die nun errungene kirchliche Unabhängigkeit dürfte seine Werte verbessern. Poroschenko versucht, den Schritt politisch auszuschlachten. «Nun hat die Ukraine eine Kirche ohne Gebete für Russlands Staat und für Russlands Krieger. Weil der russische Staat und seine Krieger Ukrainer töten, ist dies nun eine Kirche mit Gott!», erklärte der Staatspräsident etwa kurz vor Weihnachten.

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