Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Und ewig dreht sich die Rüstungsspirale

Walter Brehm's Analyse zum Sipri-Bericht über weltweite Militärausgaben.
Walter Brehm (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Walter Brehm (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Zahlen sind absolut oder in Prozenten immer Interpretationssache. Der jährliche Bericht zur weltweiten Rüstung ist ein Beispiel dafür. Das schwedische Friedensinstitut Sipri weist für 2016 einen nur leichten Anstieg der globalen Militärausgaben aus. Konkret: im Vergleich zum Vorjahr um 0,4 Prozent. Auch eine absolute Zahl alarmiert auf den ersten Blick kaum. 2016 wurden demnach pro Kopf weltweit 227 US-Dollar für das Militär ausgegeben. Laut Weltbank allerdings ist dies nur ein bisschen weniger, als ein Afrikaner in Burundi in einem Jahr durchschnittlich verdient.

Ist also alles nur statistische Spielerei? Auch dies ist Interpretationssache. Denn die global ausgewiesenen 0,4 Prozent mehr Militärausgaben verstecken eine absolute Zahl, die sich dem menschlichen Erfassen eigentlich entzieht: 1686 Milliarden US-Dollar hat die Weltgemeinschaft insgesamt für den Unterhalt, die Ausbildung, die allgemeine Ausrüstung und die Bewaffnung ihrer Streitkräfte ausgegeben. Tatsächlich dürfte diese Zahl – und somit auch der prozentuale Anstieg der Militärkosten – noch höher sein. Aus der nordkoreanischen Diktatur oder auch aus Syrien liegen Sipri seit Jahren keine verlässlichen Zahlen mehr vor.

Bei der schieren Höhe der globalen Rüstungsausgaben sagen Schwankungen im einstelligen Prozentbereich also wenig aus. So ist der Militäretat der USA in den vergangenen zehn Jahren insgesamt um 4,8 Prozent geschrumpft. Dies ändert aber nichts an der gleich gebliebenen Spitzenposition der USA. Washington ist für mehr als einen Drittel der globalen Militärausgaben verantwortlich. Konkret sollen es laut Sipri im vergangenen Jahr 611 Milliarden Dollar gewesen sein. Hinter den USA rangiert China mit 215 Milliarden Dollar auf Platz zwei und Russland mit 69,2 Milliarden Dollar auf Platz drei.

In China ist deshalb auch die prozentuale Steigerung sehr hoch. Peking hat seinen Wehretat seit 2007 um insgesamt 118 Prozent erhöht. Die russische Erhöhung lässt sich indessen schwer beziffern, da ein Fünftel des russischen Haushalts geheim bleibt.

Auch in den europäischen Nato-Staaten wird aufgerüstet. Die Militärausgaben sind dort um insgesamt 2,6 Prozent angestiegen. Allein Deutschland hat seine Militärausgaben in den vergangenen zehn Jahren um 6,8 Prozent gesteigert und liegt 2016 wie im Vorjahr unverändert auf Platz neun der Staaten mit den höchsten Verteidigungsausgaben. Italiens Wehretat ist sogar um 11 Prozent gestiegen. Dies wird vor allem mit der «wachsenden Gefahr aus Russland» begründet. Diese Wahrnehmung hat sich verstärkt, obwohl Moskau trotz Steigerung der Militärausgaben 2016 nur 27 Prozent der Aufwendungen europäischer Nato-Staaten erreicht hat.

Wettrüsten wie im Kalten Krieg? US-Präsident Trump hat schon vor seinem Amtsantritt erklärt: «Lasst uns einen Rüstungswettlauf starten, und wir werden alle anderen übertrumpfen.» Demnach will Trump die Verteidigungsaus­gaben im neuen Haushalt von 611 auf 650 Milliarden Dollar steigern, was mit Abstand die bisher grösste Ausgaben­steigerung zu Gunsten des US-Militärs bedeuten würde.

Trump will nach eigenen Worten die «ausgelaugten Streitkräfte so ertüchtigen, dass niemand es wagt, uns anzugreifen». Leichtes Spiel für hohe Einsätze, mag mancher Militärexperte sagen. Der internationale Krieg gegen den Terrorismus und bewaffnete Auseinander­setzungen wie in der Ukraine bilden den Nährboden für weitere Aufrüstung. Doch diese Bereitschaft birgt Risiken.

Überrascht hat Sipri, dass viele Erdölexportländer ihre Verteidigungsausgaben zurückgefahren haben. Allen voran Saudi-Arabien, das 30 Prozent weniger für das Militär verwendet als noch 2015, und das, wie die Friedensforscher hervorheben, trotz der Verwicklung der Scheiche in regionale Konflikte wie im Jemen. Dennoch bleiben die Saudis mit Militärausgaben von 63,7 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr auf einem Spitzenplatz direkt hinter Russland.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.