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Undurchdachte Strategie nach dem Terroranschlag in Ägypten

Auslandkorrespondent Martin Gehlen zur Situation in Ägypten nach dem Blutbad im Sinai.
Martin Gehlen. (Bild: PD)

Martin Gehlen. (Bild: PD)

Ägypten ist bis ins Mark erschüttert. Ein solch monströses Massaker an Betern in einer Moschee hat es in der 95-Millionen-Nation noch nie gegeben. Das Land erlebt eine Zäsur, zumal sich diese Apokalypse auf dem Nordsinai eines Tages auch im Kernland entlang des Nils wiederholen könnte.

Dabei war Präsident Abdel Fattah al-Sisi angetreten, den Terrorismus zu besiegen und sein Land zu stabilisieren. Seitdem wird wahllos verhaftet, gefoltert und mit dem Tode bestraft. Auf dem Nordsinai eskalierte der Konflikt sogar in einem offenen Krieg zwischen Armee und IS-Dschihadisten. Ungeachtet dessen beklagen die USA seit Jahren, dass Ägypten sich weigert, bei der jährlichen 1,4-Milliarden-Dollar-Militärbestellung geeignete Ausrüstung für den Sinai-Kampf zu kaufen. Stattdessen plädieren die Generäle für neue Panzer, Kampfjets und Hubschrauber, mit denen sich militärisch protzen, aber gegen die IS-Kommandos auf der zerklüfteten Halbinsel wenig ausrichten lässt.

Vor allem aber können weder Militäroffensive noch Polizeistaat die sozialen und gesellschaftlichen Missstände beseitigen, die der «Islamische Staat» für seine mörderische Ideologie als Nährboden nutzt. Unter den 60'000 politischen Häftlingen in Ägyptens Gefängnissen formen sich neue IS-Kommandos. Sinais Beduinen fühlen sich seit Jahrzehnten von Kairo vernachlässigt und missachtet. Früher lebten sie vor allem vom Schmuggel in den Gazastreifen. Seit Al-Sisi die über 8000 Tunnel zerstören liess, wachsen Arbeitslosigkeit, Armut und Verzweiflung. Gleichzeitig macht Ägyptens Luftwaffe ganze Dörfer dem Erdboden gleich. Den Fanatikern aber treibt eine solche undurchdachte Militärstrategie nur neue Rekruten zu.

Martin Gehlen, Tunis

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