Neuer UNO-Syrien-Vermittler: Uneitel, effektiv und konzentriert

Der norwegische Botschafter in China, Geir Pedersen, ist der neue Syrienbeauftragte der UNO. Trotz seines beeindruckenden Lebenslaufs hat er eine schwere Aufgabe vor sich – denn Assad, Russen und Türken blockieren jegliche Fortschritte im Konflikt.

Martin Gehlen, Tunis
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Der neue UNO-Syrienbeauftragte Geir Otto Pedersen. (Bild: Loey Felipe/EPA (New York, 17. Oktober 2014))

Der neue UNO-Syrienbeauftragte Geir Otto Pedersen. (Bild: Loey Felipe/EPA (New York, 17. Oktober 2014))

Er ist der schwierigste und undankbarste Job, den die Vereinten Nationen derzeit zu vergeben ­haben – die Aufgabe des UNO-Vermittlers für Syrien. Kein Konflikt auf dem Globus ist derzeit brutaler und vertrackter als der fast acht Jahre dauernde Bürgerkrieg im Assad-Reich. Auf dessen Territorium kreuzen sich die Machtinteressen von Russland und den USA, von Iran und Israel, aber auch von der Türkei, Saudi-Arabien und dem Iran.

Drei UNO-Vermittler haben sich hier bisher die Zähne aus­gebissen, angefangen von Kofi Annan über Lakhdar Brahimi bis zu Staffan de Mistura, der die letzten vier Jahre vergeblich versuchte, das Assad-Regime und Syriens Opposition an einen Tisch zu bringen. Der 71-jährige Mistura, der schon länger als amtsmüde galt, warf nun das Handtuch, aus persönlichen Gründen, wie es offiziell hiess.

Zum Nachfolger ernannte UNO-Generalsekretär Antonio ­Guterres den Norweger Geir Otto Pedersen, der gegenwärtig noch Botschafter seines Landes in ­China ist. Pedersen, der Arabisch spricht, kennt die Fallstricke des Nahen und Mittleren Ostens. 1993 gehörte er zu dem norwegischen Diplomatenteam, welches in der Epoche des später ermordeten Premierministers Yitzhak Rabin die geheimen Oslo-Gespräche zwischen der israelischen Regierung und der Palästinen­sischen Befreiungsorganisation (PLO) moderierte. Den damaligen Teilnehmern blieb Pedersen durch seine uneitle, effektive und auf die Sache konzentrierte Arbeitsweise in guter Erinnerung.

«Er ist kein Selbstdarsteller»

Am 28. September 1955 geboren, studierte er Geschichte, bevor er 1985 in den diplomatischen Dienst seines Landes eintrat. Erste Erfahrungen im Ausland sammelte der Vater von fünf Kindern nach den Oslo-Verträgen von 1998 bis 2003 als Repräsentant Norwegens in Jericho und Ramallah, wo die ausländischen Vertretungen auf der palästinensischen Seite ihren Sitz hatten.

«Geir arbeitete geräuschlos und effektiv im Hintergrund», erinnert sich Aaron David Miller, einer der Chefunterhändler des Gipfels von Camp David im Jahr 2000, als US-Präsident Bill Clinton kurz vor Ende seiner Amtszeit noch einmal vergeblich versuchte, den Nahostkonflikt mit einem grossen Kompromiss zwischen dem damaligen israelischen Premier Ehud Barak und Palästinenserpräsident Jassir Arafat zu ­lösen. Von 2005 bis 2008 war ­Pedersen dann UNO-Gesandter im Libanon, wo er mit allen Fraktionen das Gespräch suchte, auch mit der Hisbollah. «Er ist ein sehr professioneller Mensch, der die Probleme systematisch anpackt. Er ist kein Selbstdarsteller», lobte ihn der damalige libanesische Regierungschef Fuad Siniora.

Das innere Gefüge der Vereinten Nationen kennt Pedersen von seinen fünf Jahren als Norwegens UNO-Botschafter in New York. 2017 betraute ihn seine Heimat mit der heiklen Mission, als neuer Botschafter in China den diplomatischen Riss zwischen beiden Ländern zu kitten, der 2010 nach dem Friedens­nobelpreis für den Dissidenten Liu Xiaobo entstanden war.

In Syrien muss Pedersen, der als pragmatisch, ideenreich und unkonventionell gilt, dort anknüpfen, wo sein Vorgänger ­Mistura aufgehört hat. Das Assad-Regime fühlt sich militärisch auf der Siegerstrasse und lehnt jeden Kompromiss mit der Opposition ab. Die Vereinten Nationen dagegen wollen Damaskus zu einem glaubwürdigen und inklusiven politischen Übergangsprozess bewegen, an dessen Beginn eine neue Verfassung und an dessen Ende Wahlen unter UNO-Aufsicht für alle Syrer stehen sollen.

Mistura hatte für diesen Neuanfang einen 150-köpfigen Verfassungskonvent vorgeschlagen, der sich aus 50 Vertretern der Regierung, 50 Vertretern der Opposition sowie 50 Mitgliedern der ­Zivilgesellschaft zusammensetzt, die von den Vereinten Nationen nominiert werden sollen. Doch bislang mauert Damaskus. Umstritten ist vor allem die Auswahl der Vertreter der Zivilgesellschaft, bei der sich das Regime jede «ausländische Einmischung» durch die UNO verbittet. Ohne massiven internationalen Druck auf Damaskus werde auch Pederson hier wenig ausrichten können, befürchtet der langjährige US-Nahostdiplomat Aaron David Miller. «Selbst wenn man den besten Unterhändler der Welt hinschickt, solange Russen, Türken, Iraner und Assad nicht kooperieren, ist das wie ein Schlüssel zu einem leeren Raum.»