UNRUHEN: In Baltimore herrscht Ausnahmezustand

Strassenschlachten, Plünderungen und Brandstiftungen: Nach den schweren Ausschreitungen wegen des Todes eines Schwarzen im Polizeigewahrsam herrscht in Baltimore der Ausnahmezustand. Bereitschaftspolizisten patrouillierten am Dienstagmorgen auf den Strassen.

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Das grosse Aufräumen: Freiwillige kehren zusammen, war bei den Unruhen - und Plünderungen - zu Bruch gegangen ist. (Bild: Keystone / AP / Evan Vucci)

Das grosse Aufräumen: Freiwillige kehren zusammen, war bei den Unruhen - und Plünderungen - zu Bruch gegangen ist. (Bild: Keystone / AP / Evan Vucci)

«Freddie starb nicht umsonst! Bürgerrechte noch heute!» steht auf dem Transparent, das Demonstranten in die Höhe halten. (Bild: EPA/ John Taggart)
48 Bilder
Ein Konvoi der Nationalgarde fährt durch die Strasse. (Bild: AP Photo / David Goldman)
In der Nacht auf Mittwoch wird ein Demonstrant in den Nebel von Rauchpetarden gehüllt. (Bild: AP Photo/Matt Rourke)
Vor dem Polizeikordon macht sich ein Demonstrant davon. (Bild: AP Photo / David Goldman)
Ein Protestierender wirft eine rauchende Petarde zurück. (Bild: AP Photo / David Goldman)
Ein Demonstrant, dutzende Fotografen – die Proteste werden zum Medienereignis. (Bild: Lloyd Fox)
Ein Polizist in einem zertrümmerten Geschäft. (Bild: Keystone / Evan Vucci)
Jason Park (links) und sein Geschäftspartner Sung Kang in ihrem zerstörten Geschäft. (Bild: Keystone / Matt Rourke)
Helfer räumen in einem geplünderten Geschäft auf. (Bild: Keystone / Evan Vucci)
Szene nach den Unruhen: Ein Polizist hält Wache, ein Mann trägt den Abfall weg. (Bild: Keystone / EPA / John Taggart)
Am Dienstag wischt ein älterer Mann die Strasse. (Bild: AP Photo/Matt Rourke)
Gemeinsam geht es ans Zusammenräumen. (Bild: Keystone / Evan Vucci)
Ein Polizeioffizier vor einem brennenden Haus in der Kravallnacht. (Bild: Keystone/EPA/Noah Scialom)
Polizisten stehen vor einem Geschäft. (Bild: AP Photo/Patrick Semansky)
In der Nacht auf Dienstag muss die Feuerwehr Brände löschen. (Bild: Jerry Jackson/The Baltimore Sun via A)
In der Nacht auf Dienstag muss die Feuerwehr Brände löschen.i) (Bild: Keystone / Evan Vucci)
In der Nacht auf Dienstag muss die Feuerwehr Brände löschen. (Bild: Keystone / Evan Vucci)
Ein Polizeioffizier steht in der Nähe eines Brandplatzes. (Bild: AP Photo/Matt Rourke)
Sam Wirtz (links) ist Angestellter in einem Geschäft, das geplündert wurde. (Bild: Lloyd Fox/The Baltimore Sun via AP)
Am Montag protestieren Leute. (Bild: EPA/ Michael Reynolds)
Eine Demonstrantin wird von Polizisten abgeführt. (Bild: AP Photo/Matt Rourke)
Jugendliche und ein zerstörtes Polizeifahrzeug. (Bild: EPA/ Michael Reynolds)
Ein verletzter Polizist wird von seinen Kollegen weggetragen. (Bild: Erica Green/The Baltimore Sun via AP)
Ein Radfahrer demonstriert – seine Künste. (Bild: Algerina Perna/The Baltimore Sun via AP)
Ein Demonstrant mit Gasmaske. (Bild: AP Photo/Patrick Semansky)
Ein Rebell und seine Trophäe: Die Demonstrationen wurden genutzt, um Geschäfte zu plündern. (Bild: Keystone/EPA/Noah Scialom)
Plünderer tragen ihre Beute weg. (Bild: Keystone/EPA/Noah Scialom)
Ein Mann posiert mit seinem erbeuteten Diebesgut. (Bild: AP Photo/Patrick Semansky)
Hier gehts zur Selbstbedienung: Leute klettern durch ein Fenster in ein Geschäft. (Bild: AP / Juliet Linderman)
Ein Mädchen beschaut sich ein demoliertes Polizeiauto. (Bild: Keystone/EPA/Noah Scialom)
Ein Demosntrant referiert auf einem Stuhl. (Bild: Keystone/EPA/Noah Scialom)
Ein junger Demonstrant wird von einem älteren Herrn zurückgehalten. (Bild: Keystone/EPA/Noah Scialom)
Ein Mann passiert die Unruhezone. (Bild: Keystone/EPA/Noah Scialom)
Ein Mann wagt sich vor die Polizeilinie. (Bild: EPA/ Michael Reynolds)
Schon am Montag müssen Feuerwehrleute ausrücken. (Bild: AP Photo/Patrick Semansky)
Das Baseball-Spiel zwischen den Baltimore Orioles und den Chicago White Sox findet nicht statt. (Bild: AP / Nick Wass)
Voll drauf auf einen Linienbus. (Bild: Keystone/EPA/Noah Scialom)
Ein Feuer zerstört ein Polizeifahrzeug. (Bild: AP Photo/Patrick Semansky)
Ein brennendes Polizeiauto wird gelöscht. (Bild: Keystone/EPA/Noah Scialom)
Protestierende und die Polizei treffen aufeinander. (Bild: EPA/ Michael Reynolds)
Ein Demonstrant schleudert einen Stab gegen ein Fahrzeug. (Bild: EPA/ Michael Reynolds)
Ein Junge wirft einen Stein in Richtung Polizeitransporter. (Bild: AP Photo/Patrick Semansky)
Ein Vermummter, wohl bei einer Mutprobe. (Bild: AP Photo/Patrick Semansky)
Demonstranten rennen vor Polizisten davon. (Bild: AP Photo / Jose Luis Magana)
Demonstranten schmeissen Steine in Richtung Polizisten. (Bild: AP Photo / Jose Luis Magana)
Dieser Demonstrant ist verhaftet. (Bild: AP Photo / Jose Luis Magana)
Aus einem Polizeifahrzeug erhält ein Demonstrant eine Dosis Pfefferspray. (Bild: AP Photo / Jose Luis Magana)
Freddie Gray starb am 19. April in Polizeigewahrsam. Sein Tod war Auslöser der Unruhen in Baltimore. (Bild: AP Photo/Patrick Semansky)

«Freddie starb nicht umsonst! Bürgerrechte noch heute!» steht auf dem Transparent, das Demonstranten in die Höhe halten. (Bild: EPA/ John Taggart)

In der Grossstadt im US-Bundesstaat Maryland schwelten vielerorts weiterhin Brände. Die Schulen in Baltimore blieben am Dienstag aus Sicherheitsgründen geschlossen. Tausende Polizisten und eine einwöchige nächtliche Ausgangssperre sollen die Krawalle in der Ostküstenstadt nun beenden.

«In weiten Teilen der Stadt beruhigt sich die Lage langsam aber sicher, abgesehen von einigen Autobränden und Feuern auf den Strassen», sagte Baltimores Polizeichef Anthony Batts.

Nach Polizeiangaben wurden bei den Krawallen mindestens 15 Beamte verletzt. Die Zeitung «Baltimore Sun» berichtete ausserdem über zwei Verletzte mit Schusswunden. Die Behörden sprachen am Dienstag von fast 200 Festnahmen sowie 15 Gebäuden und 144 Autos, die angezündet worden seien.

Plünderer räumen Geschäfte aus

Die Randalierer bewarfen die Polizisten mit Steinen und Flaschen oder griffen sie mit Stöcken an, zündeten mehrere Autos an und demolierten Polizeiwagen. Plünderer räumten Geschäfte aus und fuhren mit der Beute davon, ein Supermarkt sowie ein grosses Gebäude wurden angezündet.

Augenzeugen meinten, Teile der Stadt seien in eine «Kriegszone» verwandelt worden. Der Gewalt waren mehrere Tage mit friedlichen Protesten vorangegangen.

Die Bilder erinnerten an die schweren Krawalle in der US-Kleinstadt Ferguson. Dort waren im Sommer wochenlange Unruhen ausgebrochen, nachdem ein weisser Polizist den unbewaffneten schwarzen Jugendlichen Michael Brown erschossen hatte.

Nationalgarde mobilisiert

Die Behörden bemühen sich nun, wieder für Ordnung in Baltimore zu sorgen. Die «Plünderungen und Gewalttaten» würden nicht toleriert, erklärte Gouverneur Larry Hogan. Er verhängte den Ausnahmezustand über Baltimore und mobilisierte die Nationalgarde.

5000 Beamte stehen bereit, um die Einsatzkräfte in der Ostküstenstadt zu unterstützen. Der Polizeichef von Maryland, William Pallozzi, beorderte 500 zusätzliche Beamten in die Stadt und bat um die Entsendung von 5000 weiteren Polizisten aus Maryland und den umliegenden Bundesstaaten.

Baltimores Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake verhängte eine einwöchige nächtliche Ausgangssperre. Diese gilt zwischen 22.00 Uhr und 05.00 Uhr und tritt am Dienstagabend (Ortszeit; Mittwoch 04.00 Uhr MESZ) in Kraft. Bei Bedarf soll das nächtliche Ausgehverbot verlängert werden. «Zu viele Menschen haben über Generationen diese Stadt aufgebaut, um sie von Rowdys zerstören zu lassen», erklärte die schwarze Bürgermeisterin.

Gewaltausbruch nach Tod eines Schwarzen

Die Gewalt in der 620'000-Einwohner-Stadt, in der vielerorts Armut herrscht, war nach der Trauerfeier für den 25-jährigen Schwarzen Freddie Gray ausgebrochen, der am 19. April - eine Woche nach seiner Festnahme - an schweren Rückenmarksverletzungen gestorben war. Die genauen Umstände sind noch unklar.

Auf Videos ist aber zu sehen, wie Polizisten Gray zu Boden drücken, bevor sie den vor Schmerz schreienden jungen Mann zu einem Polizeibus schleifen. Kurz darauf fiel er im Spital ins Koma.

Viele Afroamerikaner sehen Gray als das jüngste Opfer in einer Serie von Fällen tödlicher Polizeigewalt gegen Schwarze. Die Behörden leiteten eine Untersuchung ein, sechs Polizisten wurden suspendiert.

Zu der Trauerfeier für Gray versammelten sich rund 3000 Menschen in einer Kirche im ärmlichen Viertel Sandtown. «Wir sind hier wegen Freddie Gray, aber wir sind auch hier, weil es viele Freddie Grays gibt», sagte der Anwalt der Familie.

(sda afp reu dpa)