«Unser Militärsektor ist glücklich»

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Waffenhandel US-Präsident Donald Trump hat sich in Saudi-Arabien zuvorderst als geschäftstüchtiger Handelsvertreter bewiesen. «Der Präsident hat mit dem Hause Saud Industrieverträge über insgesamt 350 Milliarden Dollar abgeschlossen», sagte US-Aussenminister Rex Tillerson. «Davon direkte Rüstungsgeschäfte von über 110 Milliarden.»

Die Verträge haben eine Laufzeit von zehn Jahren. Zu dem Paket gehören unter anderem Waffen und Wartungsverträge, Schiffe und Abwehrraketen.

Teure und ambitionierte Zukunftspläne

«Die Abkommen zeigen so deutlich wie nur möglich, wie die USA zu unserem Partner Saudi-Arabien stehen», hiess es aus dem Präsidialamt in Washington. Zudem schafften die Abkommen neue Stellen in der US-Rüstungsindustrie. Trump sagte nach der Unterzeichnung in Riad: «Unser Militärsektor ist glücklich.» Saudi-Arabien ist seit Jahren der Liebling der amerikanischen Rüstungsindustrie. Marilyn Hewson, die Chefin des Branchenführers Lockheed, lobte denn auch ihren Präsidenten und den saudischen König für deren Weitsicht.

Die gewaltigen Rüstungsaufträge hatte Trumps Schwiegersohn Jared Kushner laut «New York Times» bereits Anfang Mai mit einer Delegation aus Saudi-Arabien in Washington ausgehandelt. Sie könnten allerdings in dieser Höhe die letzten ihrer Art sein, denn die Monarchie will eine eigene Rüstungsindustrie aufbauen. Der neue Konzern Saudi Arabian Military Industries (Sami) solle nicht nur die Abhängigkeit von Waffenimporten verringern, er werde künftig international in der Branche mit­mischen, hatte das Königshaus zuvor verkündet. Bisher werden lediglich 2 Prozent der saudischen Rüstung im Land produziert. Das soll sich nun bis 2030 grundlegend ändern. Dannzumal sollen 40000 Angestellte die Hälfte der saudischen Rüstungsgüter selber produzieren und auch für den Export arbeiten.

Das ist vorerst aber Zukunftsmusik und macht den US-Konzernen noch kein Bauchweh. Lockheed teilte mit, dass die neuen Aufträge über 18000 seiner Jobs in den USA absicherten. Hinzu kämen in den nächsten zehn Jahren Tausende Arbeitsplätze für US-Experten in Saudi-Arabien. Allerdings hat das Land 2016 seine Rüstungsausgaben auch wegen sinkender Öleinnahmen um 30 Prozent auf 63,7 Milliarden Dollar gekürzt. Es stellt sich also nicht nur die Frage, wie das Land die neuen Verträge mit den USA finanzieren will, sondern auch, ob die ambitionierten Pläne für eine Rüstungsindustrie realistisch sind.

 

Walter Brehm