Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Treffen des Arktischen Rats: «Die Inuit spüren Klimawandel jeden Tag»

Bei einem Treffen der Nordpolarstaaten stellen sich die USA beim Thema Klimawandel quer.
Gerd Braune, Ottawa
Der Arktische Rat traf sich in Finnland. (Bild: Vesa Moilanen/Lehtikuva via AP, 7. Mai 2019)

Der Arktische Rat traf sich in Finnland. (Bild: Vesa Moilanen/Lehtikuva via AP, 7. Mai 2019)

Der Arktische Rat galt seit seiner Gründung vor mehr als 20 Jahren als Beispiel erfolgreicher regionaler Kooperation. Die acht Staaten des Nordpolarraums zogen an einem Strang, wenn es um Umweltschutz, wirtschaftliche Entwicklung und Forschung ging. Dies scheint nun Vergangenheit zu sein: Erstmals endete das alle zwei Jahre stattfindende Aussenministertreffen des Arktisrats ohne formale Abschlussdeklaration. Die USA weigerten sich, die Bedrohung der Arktis durch Klimawandel und die Notwendigkeit des Kampfes gegen Klimaerwärmung in das Dokument aufzunehmen.

Das 1996 gegründete und auf Konsens angelegte Gremium der acht Arktisanrainer USA, Kanada, Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark, Island und Russland sowie der indigenen Völker der Arktis hatte es bisher selbst bei Krisen wie dem Ukraine-Konflikt oder anderen globalen Spannungen geschafft, eine umfassende Deklaration vorzulegen. Damit wurde gezeigt, dass die Arktis eine «Region der Zusammenarbeit» ist. Dies war selbst 2017 beim Treffen von Fairbanks in Alaska der Fall, als in Washington bereits Donald Trump regierte; US-Aussenminister war damals der eher auf Ausgleich bedachte Rex Tillerson.

Nun kam sein Nachfolger, der Scharfmacher Mike Pompeo, zur Ministersitzung nach Rovaniemi in Nordfinnland. Er schaffte es, Reden ohne Hinweis auf Klimawandel zu halten. Nach 24 Stunden reiste er ab, nachdem er Gastgeber Finnland vor den Kopf gestossen und Attacken gegen Russland, China und sogar Kanada geritten hatte.

Arktis vom Klimawandel am stärksten betroffen

Eine politische Eiszeit droht sich auch über den Arktischen Rat zu legen. Statt mit einer Rovaniemi-Deklaration endete das Treffen am Dienstag nur mit einer unverbindlichen, einseitigen «ministeriellen Stellungnahme». Sie bekräftigt in dürren Worten die Verpflichtung zu «Frieden, Stabilität und konstruktiver Zusammenarbeit in der Arktis», gibt aber keine Anleitungen für die Arbeit des Rats bei den drängenden Problemen der Arktis. Die Arktis ist von Klimaerwärmung doppelt so stark betroffen wie der Rest der Welt. Der Permafrostboden taut, und Küstengemeinden rutschen in das Meer. Die Eisfläche in der Arktis nimmt ab, Schifffahrtswege öffnen sich. Die Rohstoffe der Arktis – Erdöl, Edgas, Mineralien und Metalle – wecken Begehrlichkeiten. Dies alles ruft nach verbindlichen Regeln. Mit mehreren internationalen Abkommen und der Mitarbeit beim «Polar Code», der Schifffahrt in der Arktis sicherer machen soll, hatte der Rat seine Kompetenz unterstrichen.

Gremium fürchtet um seine Glaubwürdigkeit

Finnlands Aussenminister Timo Soini verzichtete auf Schuldzuweisungen. Es sei aber klar, dass es in der Klimapolitik keine Einigung gegeben habe. «Eine Mehrheit von uns betrachtet Klimawandel als eine fundamentale Herausforderung für die Arktis und anerkannte die dringende Notwendigkeit, Gegenmassnahmen zu ergreifen.» Die kanadische Aussenministerin Chrystia Freeland sagte, Kanada sei «wie viele Mitglieder des Arktischen Rats» enttäuscht. Man sei aber nicht bereit gewesen, ein Dokument zu akzeptieren, das nicht klar Position zu Klimawandel beziehe.

Noch deutlicher wurde der Inuit Circumpolar Council (ICC), der Verband der 165000 Inuit (früher: Eskimo) von Grönland, Kanada, Alaska und der russischen Tschukotka. Die USA hätten ein «unglückliches Beispiel» abgegeben. Dies sei ein «moralisches Versagen», sagte die ICC-Vorsitzende Dalee Sambo Dorough aus Alaska. «Die Inuit spüren Klimawandel jeden Tag.» Dies sei ein «schwerer Schlag» für die Zukunft dieses auf Konsens basierenden Gremiums.

Nicht nur die Inuit als direkt Betroffene, die im Arktischen Rat ebenso wie andere indigene Völker der Arktis einen permanenten Sitz haben, fürchten, dass mit dem Eklat von Rovaniemi die Glaubwürdigkeit des Arktischen Rats unterminiert wird. Der kanadische Politikwissenschafter Michael Byers sieht auch im Arktischen Rat die Frontlinie: «Sieben Länder auf der einen Seite, die USA auf der anderen.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.