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Präsidentschaftskandidat Joe Biden kommt unter Druck

Am Donnerstag haben auch die führenden demokratischen Präsidentschaftskandidaten vor laufenden Kameras debattiert. Das zweite TV-Duell war lebhafter als das erste, auch weil sich zwei der zehn Anwärter auf das Weisse Haus in die Haare gerieten.
Renzo Ruf, Washington
Joe Biden (links) im Duell gegen Bernie Sanders. (Bild: Wilfredeo Lee/AP, Miami, 27. Juni 2019)

Joe Biden (links) im Duell gegen Bernie Sanders. (Bild: Wilfredeo Lee/AP, Miami, 27. Juni 2019)

Es war eine dieser Wortmeldungen, mit denen sich Kamala Harris im amerikanischen Senat selbst unter politischen Gegnern Respekt verschaffen hat. Nur, dieses Mal spielte sich diese Auseinandersetzung nicht im Kongress in Washington ab, sondern in einem Auditorium in Miami (Florida), in dem am Donnerstag die zweite Debatte der insgesamt 20 führenden demokratischen Präsidentschaftskandidaten stattfand. Also sagte Harris, als sich die Debatte über die emotionale Frage drehte, wie der Alltagsrassismus in Amerika bekämpft werden kann: «Als einzige schwarze Person auf dieser Bühne würde ich gerne etwas sagen.» Dann holte Harris tief Luft und ging zum Angriff über, in dem sie Joe Biden (76), den ehemaligen Vizepräsidenten unter Barack Obama und Spitzenreiter in den aktuellen Meinungsumfragen, attackierte.

Biden hatte vor einigen Tagen für Schlagzeilen gesorgt, weil er im Gespräch mit Geldgebern seine gute Zusammenarbeit mit (demokratischen) Senatoren aus den Südstaaten, die in den Siebzigerjahren aus ihrem Rassismus kein Geheimnis gemacht hatten, als gutes Beispiel für seine politische Philosophie erwähnt hatte – sei er doch ein Brückenbauer und könne auch mit Politikern zusammenarbeiten, deren Ideologie er nicht teile. Harris sagte, während sie sich Biden zudrehte, sie habe zwar nicht das Gefühl, er sei ein Rassist. Es sei aber «schmerzlich» gewesen, dass er mit rassistischen Politikern zusammengearbeitet habe, unter anderem, um die Aufhebung der Rassentrennung in den öffentlichen Schulen zu verzögern. In der heutigen Demokratischen Partei hätten solche Ideen keinen Platz mehr, sagte Harris – die auch darauf hinwies, dass sie als Tochter einer Inderin und eines Jamaikaners persönlich unter rassistischen Vorbehalten gelitten habe. Ihr Wahlkampf-Team verbreitete gleichzeitig über den Kurznachrichtendienst Twitter ein Bild der jungen Kamala.

Biden, der während der Wortmeldung der Senatorin lange Zeit starr nach vorne schaute, drehte sich Harris zu und warf ihr vor, sie habe seinen Leistungsausweis verzerrt dargestellt. Er habe sich sein Leben lang die Bürgerrechte sämtlicher Amerikaner verteidigt, sagte er. Als Senator aus dem Gliedstaat Delaware habe er sich aber in den Siebzigerjahren dafür eingesetzt, dass die betroffene Bevölkerung lokale Lösungen für lokale Probleme finde. Auch kritisierte er Harris dafür, dass sie einst in San Francisco als Staatsanwältin tätig gewesen sei, während er, vor seiner Wahl in den Senat in den frühen Siebzigerjahren, Pflichtverteidiger gewesen sei. Dann schaute Biden leicht verdattert in die Kamera und sagte: «Egal, meine Zeit ist abgelaufen», weil er nicht länger als die 30 Sekunden sprechen wollte, die ihm von den Debatten-Moderatoren zugewiesen worden waren.

Abgesehen von diesem rhetorischen Schlagabtausch schlug sich Biden nicht schlecht, obwohl er zu Beginn der zwei Stunden dauernden TV-Debatte etwas zu stark seinem Wahlkampf-Manuskript folgte. Biden erinnerte das Fernsehpublikum mehrmals daran, dass er mit dem ersten schwarzen Präsidenten Amerikas eng zusammengearbeitet hatte; als einer der Moderatoren Kritik an der Einwanderungspolitik Obamas übte, verteidigte Biden ihn umgehend. Auch übte der ehemalige Vizepräsident scharfe Kritik an Amtsinhaber Donald Trump.

Bernie Sanders (77), der selbsternannte sozialistische Senator aus dem Gliedstaat Vermont, hatte einen starken Beginn, als sich die Debatte um die Gesundheitspolitik drehte. Sanders sagte, er strebe einen «echten» Umbau des amerikanischen Staates an, und die Zeit für eine Revolution sei gekommen – finanziert notabene mittels einer Steuer auf Finanzgeschäften an der Wall Street. Dabei fuchtelte er, wie immer, recht wild mit seinen Armen, so wild, dass er einmal dem Gesicht seines Nachbars Joe Biden gefährlich nahekam.

Einen anderen Ansatz wählte Pete Buttigieg (37), der Stadtpräsident von South Bend in Indiana. Als einziger Präsidentschaftskandidat erwähnte der pragmatisch auftretende Berufspolitiker mehrmals seinen Glauben. Auch warf er den Republikanern vor, sie seien Heuchler, weil sie häufig über Gott sprächen, aber gleichzeitig geradezu gnadenlos gegen Migranten und ihre Kinder vorgingen. Gleichzeitig sah sich der eloquente Provinzpolitiker auch in der Defensive. Buttigieg räumte ein, als Stadtpräsident versagt zu haben, weil es ihm nicht gelungen sei, die Spannungen zwischen der afroamerikanischen Bevölkerung seiner Heimatstadt und der Polizei abzubauen. Deshalb sehe er sich nun mit Protesten konfrontiert, nachdem Mitte Juni ein Mann durch einen Polizisten getötet worden war.

Auffallend war, dass es den jüngeren Kandidaten – Harris, Buttigieg, aber auch dem kalifornischen Abgeordneten Eric Swalwell (38) –immer wieder gelang, über einen Generationswechsel und neue Ideen zu sprechen. Damit schufen sie nicht nur Abstand zu Biden und Sanders, sondern auch zum Amtsinhaber, der vor zwei Wochen seinen 73. Geburtstag gefeiert hatte.

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